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Umfrage

Harmoniebedürftig und sehr teamorientiert

Gute Stimmung gefragt: Mit den Kollegen wollen sich Arbeitnehmer gut verstehen, an den Teamleadern üben sie gern Kritik.

Österreich, so hat es den Anschein, ist ein Land der Teamplayer: Neun von zehn Arbeitnehmer arbeiten gern im Team und sind mit ihrem derzeitigen Team nach eigenen Angaben zufrieden (82 Prozent). Und sie unterstützen sich gegenseitig, wenn die Zeit einmal knapp wird (73 Prozent).

Besonders beliebt sind das „gemeinsame Mittagessen“, ein „Austausch auf Augenhöhe“ und die Gewissheit, sich „zu 100 Prozent auf die Kollegen verlassen zu können“, ergab eine Umfrage des Recruiting-Unternehmens Step-Stone unter rund 1100 Arbeitnehmern in ganz Österreich.

Die freundschaftliche Stimmung im Büro wird auch nach Feierabend gepflegt: Knapp ein Drittel verbringt auch außerhalb der Arbeit Zeit mit den Kollegen, nur zwölf Prozent möchten Arbeit und Privates nicht vermischen.

Sehr harmoniebedürftig

Ist die Harmonie zwischen den Kollegen einmal gestört, hat das empfindliche Auswirkungen auf Teamgefüge und Arbeitsmoral: Fast jeder dritte Arbeitnehmer (28 Prozent) zieht sich zurück oder würde sogar eine Kündigung ins Auge fassen, wenn er sich im Team nicht wohlfühlt.

Besonders gefährlich: Auch fast jede zehnte befragte Führungskraft flüchtet in den inneren Rückzug, wenn die Atmosphäre im Team unangenehm wird.

Diese Entwicklung kann die Leistung des gesamten Unternehmens gefährden, sagt Rudi Bauer, Geschäftsführer von StepStone Österreich: „Wer im inneren Exil ist, tauscht sich nicht mehr mit Kollegen aus und fühlt sich von den anderen nicht verstanden. Das baut Kommunikationshürden auf, die die tägliche Arbeit hemmen und schlimmstenfalls sogar die Produktivität schmälern.“

Tatsächlich sind Teamleiter stärker gefordert, die Kommunikation im Team aufrecht zu halten: Zwar sind die meisten Chefs davon überzeugt, ihrem Team jederzeit zur Verfügung zu stehen (90 Prozent) – für ein Viertel der Mitarbeiter ist ihr Vorgesetzter aber nur schwer zu fassen. Ein weiteres Drittel bedauert, dass sich die Teamleitung nicht um einen ausreichenden Informationsfluss kümmert, obwohl 89 Prozent der Führungskräfte angeblich alle wichtigen Details kommunizieren.

Ein Drittel aller Mitarbeiter hat keine Ahnung, welche Ergebnisse und Leistungen ihre Teamleitung von ihnen erwartet, obwohl 88 Prozent aller Chefs vermeintlich klare Ziele vorgeben.

Follow-me-Aura fehlt

Arbeitnehmer bemängeln an ihren Teamleitern unter anderem „keine Follow-me-Aura, keine echte Leidenschaft für Arbeit und Produkt, keinen übergreifenden Handlungsrahmen“ und „Gespräche auf Need-to-know-Basis statt über die gesamte Firma“. Dinge werden „zu kurzfristig oder zu unverständlich kommuniziert“, neue Ideen nur „langsam umgesetzt“.

Auch dass so manche Abteilungsleiter „ihre Lieblinge haben“ und „das Rauchen, ohne auszustempeln“, ist so manchem Mitarbeiter ein Dorn im Auge.

Um Ruhe und Struktur ins Team zu bringen, rät Bauer zu transparenten und klaren Zielen: Diese müssen allerdings in die Gesamtstrategie des Unternehmens eingebettet sein: „Teamleiter müssen die eigene Mannschaft schon in der Kommunikation mit auf die Reise nehmen“, sagt er. „Mehr denn je verlangen moderne Mitarbeiter nach einer Führungskraft, die nicht nur anleitet, sondern inspiriert und mit einer klaren Vision vorangeht.“

(red.)


[PZ5PP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2019)