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Chalets

Neue Formen für die guten alten Winterdomizile

Moderne Interpretation eines Chalets am Steuerberg in Kitzbühel.
Moderne Interpretation eines Chalets am Steuerberg in Kitzbühel.(c) Aurum Immobilien

Von der Architektur über das Design bis zur Nutzung tut sich einiges.

Sie haben eine lange Evolution hinter sich: Einst boten sie Sennern vor allem in den Schweizer Bergen Schutz, was sich in ihrem Namen zeigte, denn der Begriff „Chalet“ leitet sich vom lateinischen Cala für „geschützter Ort“ her. Im 19. Jahrhundert entdeckten dann der Adel und das Bürgertum im Zuge der Romantisierung des Landlebens die traditionellen Holzhäuser für sich und adaptierten den Stil mit überhängenden Holzdächern und umlaufenden Balkonen für ihre Villen, Stadt- und Ferienhäuser. Und in den Nachkriegsjahren des 20. Jahrhunderts erlebten sie noch einmal einen Popularitätsschub, als der internationale Jetset die Chalets als einzig standesgemäße Unterkunft für die Wintersaison entdeckte. Mit dem wechselnden Publikum änderte sich auch die Architektur und Raumaufteilung. Während die Urform eher mit kleinen, niedrigen Decken und sparsam eingesetzten Fensterflächen der Kälte trotzte, entdeckten die Chalet-Bewohner mit Ferienzweck den Charme schöner Ausblicke bald für sich. Was sich zunächst in größeren Fenstern, später aber auch in der Entdeckung des kanadischen Chalet-Stils mit deckenhoch verglasten Sichtdachstühlen und offenen Wohnkonzepten äußerte. Außerdem kamen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts luxuriöse Spielereien wie beheizte Auffahrten dazu. Und ein neues Raumkonzept: Wurde einst unten gewohnt und oben geschlafen, wanderten die Schlafräume – Fußbodenheizung sei Dank – in das Erdgeschoß, während im Obergeschoß der Wohnbereich mit Panoramablick und hohen Decken genossen wurde und die gemütliche, kleine Zirbenstube verdrängte.

 

Kubisch mit Altholz

Inzwischen kommen immer mehr neue, moderne Interpretationen der Winter-Wohnform auf den Markt. Mit dem ursprünglichen Chalet haben sie vielleicht noch die Materialien und die Lage gemeinsam, in der Architektur selbst gehen sie aber ganz eigene Wege.

Eine besonders gelungene moderne Interpretation des Chalets steht derzeit am Steuerberg in Kitzbühel zum Verkauf. Hier sind zwei kubische, mit Altholz verkleidete Baukörper durch eine große, gläserne Eingangshalle verbunden. Deren Dach dient gleichzeitig als Terrasse, interessante Einschnitte in die Fassade sorgen für weitere geschützte Freiflächen. Im oberen Teil des Hauses finden sich die Wohnräume inklusive Bibliothek sowie ein Wellnessbereich. Einen Sichtdachstuhl sucht man vergebens, vielmehr dominieren große, schlichte Glas-Schiebeelemente und Lichtstreifen, die imposante Ausblicke auf den Wilden Kaiser freigeben. Im Wohnbereich fungiert ein drehbarer, hängender Domofocus-Kamin als Blickfang. In den unteren Geschoßen des insgesamt 522 Wohn-Quadratmeter großen Chalets finden sich sechs Schlafzimmer und fünf Bäder, außerdem gibt es einen Naturpool, ein Gästeapartment, eine Tiefgarage für bis zu sechs Autos und einen Skiraum. Der Preis des 2011 erbauten Architektenhauses wird nur auf Anfrage verraten, vermittelt wird es über Aurum Immobilien.

 

Tiroler Flair mit US-Designer

In Kirchberg steht mit dem Chalet H eine moderne Version seiner Zunft zum Verkauf, die zumindest äußerlich noch die klassischen Insignien aufweist. So schaut man auf viel Holz, Naturstein, Putz und einen mächtigen Balkon im Obergeschoß. Allerdings sind die Formen schlicht, Schnitzereien sucht man hier vergeblich, dafür sorgen Holzschindeln und heimische Pflanzen für das begehrte Tiroler Flair. Auch im Inneren findet sich Holz, Holz und nochmal Holz – das durch die Kombination mit modernem Interior-Design und ausgesuchten Ralph-Lauren-Akzenten ebenfalls keine Zirbenstuben-Assoziationen aufkommen lässt.

Chalet H in Kirchberg: Alpinstil trifft auf US-Design.
Chalet H in Kirchberg: Alpinstil trifft auf US-Design.Gornik Immobilien

Unter dem holzvertäfelten Sichtdachstuhl finden sich außerdem Möbel, Elemente und Accessoires von Minotti über Occhio bis Antoniolupi, 200 Jahre alte Eichenholzböden, ein Sonos-Soundsystem, ein Lift, ein Wellness- und ein Kinobereich. Gewohnt wird auf knapp 400 Quadratmetern, die sich neben dem großen, offenen Wohnbereich auf fünf Schlafzimmer und fünf Bäder verteilen. Eine Garage mit zwei Stellplätzen sowie ein Skiraum samt Sportgarderobe komplettieren das Ensemble. Auch hier gibt es den Preis nur auf Anfrage, als Vermittler fungiert Karin Gornik Immobilien.

Neben den architektonischen Formen spielen die Nutzungsmöglichkeiten eine Rolle; denn in den meisten Fällen dienen die Winterdomizile nicht als Hauptwohnsitze – und Freizeitwidmungen sind in Tirol und immer öfter auch in Salzburg rar. Einen Mittelweg ermöglicht die sogenannte touristische Nutzung, durch die sich eine Immobilie besitzen und temporär bewohnen lässt, wenn sie zusätzlich touristisch genutzt wird. Eine solche liegt beispielsweise für ein Chalet in Mühlbach am Hochkönig vor, das bald bezugsfertig ist. Dabei trifft die moderne Nutzung auf klassische Chalet-Formen mit Giebeldach und großen Holzbalkonen, die mit klaren Linien und ohne Schnitzwerk daherkommen. Gewohnt wird auf knapp 230 Quadratmetern, die sich auf fünf Schlafzimmer, vier Bäder und einen großen Wohn-Ess-Bereich verteilen – der sich standesgemäß unter einem hohen Sichtdachstuhl mit giebelhohen Fenstern befindet. Vermittelt wird das Chalet über Marlies Muhr Immobilien um gut 1,1 Millionen Euro.

 

Modern genutzt und gestylt

Wie eine moderne Interpretation in allen Bereichen aussieht, zeigt ein Projekt in Leutasch nahe Seefeld, bei dem nicht nur die Architektur zeitgenössisch ist, sondern auch das Nutzungskonzept. Hier entsteht ein Chalet-Projekt, das in die Kategorie Einfamilienhaus fällt.

Projekt mit vier Anlegerwohnungen in Leutasch nahe Seefeld
Projekt mit vier Anlegerwohnungen in Leutasch nahe SeefeldEngel & Völkers Seefeld

Darin sind vier Anlegerwohnungen untergebracht, von denen beispielsweise drei langfristig vermietet werden können und die vierte selbst genutzt werden kann. Architektonisch ist das Haus eine Mischung aus den klassischen Materialien und Formen moderner Architektur, die mit vertikalen Holzelementen vor der eingezogenen Terrasse ihre eigene Variante des Balkonthemas gefunden hat. Auf 370 Quadratmetern Wohnfläche verteilen sich 15 Zimmer und vier Bäder. Der Preis variiert je nachdem, wie viele der Einheiten als Anlegerwohnung gekauft werden, beginnend bei knapp 1,75 Millionen Euro. Vermittelt wird das Haus über Engel & Völkers Seefeld.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2019)

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