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Terroranschlag

Edtstadler kritisiert Deutschland: "Halle wäre in Österreich nicht möglich gewesen"

Karoline Edtstadler
Karoline EdtstadlerDie Presse (Fabry)

"Eine Synagoge an einem jüdischen Feiertag nicht zu sichern wäre bei uns undenkbar. Das wäre grob fahrlässig“, sagt die ÖVP-Delegationsleiterin im EU-Parlament.

Die ÖVP-Delegationsleiterin im EU-Parlament, Karoline Edtstadler, hat Deutschland Versäumnisse im Zuge des Anschlags in der Stadt Halle vorgeworfen. "Ein antisemitischer Terroranschlag wie in Halle wäre in Österreich wohl nicht möglich gewesen", sagte sie in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" (Freitag-Ausgabe).

"Eine Synagoge an einem jüdischen Feiertag nicht zu sichern wäre bei uns undenkbar. Das wäre grob fahrlässig. Es stehen - abhängig von der Gefährdungseinschätzung - immer Polizisten vor einer Synagoge, erst recht an Feiertagen", so Edtstadler weiter. Als ehemalige Staatssekretärin im Innenministerium könne sie versichern, "dass wir in Österreich mit den jüdischen Einrichtungen permanent in Kontakt stehen und die Gefährdungseinschätzungen regelmäßig überprüfen, um schnell reagieren zu können, wenn es erforderlich ist".

Konferenz gegen Antisemitismus geplant

Edtstadler ist im EU-Parlament designierte Vorsitzende der fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe gegen Antisemitismus. Sie will im Dezember im EU-Parlament eine Konferenz gegen Antisemitismus organisieren, zu der sie auch die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einlädt.

"Sinn der Konferenz ist, dem aufstrebenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen, ein Zeichen zu setzen und alle Mitgliedstaaten der EU daran zu erinnern, wozu sie sich im Dezember 2018 unter österreichischer EU-Ratspräsidentschaft verpflichtet haben: den Schutz jüdischer Einrichtungen und Gemeinden in ganz Europa zu etablieren und diesbezüglich auch die Zusammenarbeit zwischen den jüdischen Gemeinschaften und den Sicherheitsbehörden zu vertiefen", sagte die ÖVP-Delegationsleiterin in dem Interview.

In Halle hatte im Oktober Woche ein bewaffneter Mann während der Feierlichkeiten zum jüdischen Feiertag Yom Kippur versucht, in die Synagoge einzudringen. Nachdem ihm dies nicht gelang, erschoss er den Ermittlungen zufolge auf offener Straße zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer. Der 27-jährige Rechtsextremist sitzt in Untersuchungshaft, er hat die Tat gestanden.

>> „Welt"-Interview

(APA)