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Kolumne zum Tag

Kleine Plauderkasse

Symolbild.
Symolbild.(c) imago/Arvid Müller

Eine Supermarktkette hat in einer Filiale eine „Plauderkasse“ eingeführt, an der man mit einem Tratsch mit der Kassiererin rechnen darf.

Ich habe da von einer netten Sache in den Niederlanden gelesen: Eine Supermarktkette hat in einer Filiale eine „Plauderkasse“ eingeführt, an der man mit einem Tratsch mit der Kassiererin rechnen darf. Keine Eile, kein Stress, dafür Zeit für ein kurzes Gespräch, während man die Milch ins Sackerl räumt. Klingt fein, oder? Ein bisschen Langsam-sein-Müssen täte uns allen gar nicht schlecht. Wobei es natürlich fraglich ist, ob diese Idee (bei uns müsste sie „Tratschkassa“ heißen, eh klar) auch bei uns funktionieren würde. Denn von der Gemütlichkeit, die uns Österreichern nachgesagt wird, merkt man ja gerade an der Supermarktkassa besonders wenig. Kaum steht man als Vierter, Fünfter oder – Gott bewahre – Sechster in der Schlange, wird schon lautstark eine „Zweite Kassa!“ eingefordert. Und sucht eine ältere Dame etwas länger nach Münzen oder muss, noch schlimmer, die Verkäuferin aufstehen und ein angedepschstes Joghurt (das Wort „angedepscht“ wollte ich immer schon einmal unterbringen) austauschen, was zu einem Zeitverlust von 40 bis 50 Sekunden führt, bohrt sich die kollektive Ungeduld dem Verursacher vorne an der Kassa gnadenlos in den Rücken.

Eine noch recht junge Variante der speziellen Kassa-Ungeduld zeigt sich an diesen Selbstbedienungskassen. Dort mischt sie sich gern mit Verzweiflung, weil man nicht weiß, wie man eine strichcodefreie Semmel verrechnen kann, oder weil die sensible Selbstbedienungskassa nicht weiterzuarbeiten gedenkt, weil sich ein „unerwarteter Gegenstand auf der Ablagefläche“ befindet. (Meist handelt es sich um das Geldtascherl oder ein Sackerl, die ich im Supermarkt-Narrativ jetzt nicht extrem unerwartbar auf der Ablagefläche finde, aber gut.) In der Zeit, die man verliert, bis die Verkäuferin die Selbstbedienungskassa von der gefahrlosen Wiederaufnahme ihrer Arbeit überzeugt hat, hätte man an der Tratschkassa schon über das Wetter oder Keksrezepte plaudern können. Wenn mich also jemand fragt (aber mich fragt ja keiner): keine zweite Kassa, bitte, sondern eine Tratschkassa! In diesem Sinne: Kommen Sie ungestresst durch Ihren Samstagseinkauf!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2019)