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Kinderzeitung

Ein Lichtlein brennt!

„Adventus“ ist lateinisch und heißt warten. Die Kerzen helfen dabei.
„Adventus“ ist lateinisch und heißt warten. Die Kerzen helfen dabei.Getty Images/Westend61
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Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier: Woher kommt eigentlich die Tradition des Adventkranzes?

Morgen ist erster Adventsonntag – vielleicht hast du schon die erste Kerze auf dem Adventkranz angezündet . . . Doch woher stammt eigentlich die Tradition? Die Idee dazu hatte der evangelische Pfarrer Johann Wichern im Jahr 1839. Wichern unterrichtete an einer Sonntagsschule in St. Georg, einem damals sehr armen Vorort von Hamburg. Dort lernte er das Elend der Kinder kennen: Armut, Hunger, Wohnungsnot und Verwahrlosung. Dagegen wollte er etwas unternehmen. Wichern gründete das „Rauhe Haus“ (das noch heute in Hamburg steht), eine Anstalt „zur Rettung verwahrloster und schwer erziehbarer Kinder“. Die Kinder lebten hier in familienähnlichen Strukturen zusammen, jeweils zehn bis zwölf Kinder mit einem Betreuer. Bildung, Lesenlernen waren für Wichern ein Weg zum Seelenheil.

Wagenrad aus der Scheune. Der Legende nach haben die Kinder Johann Wichern ständig gelöchert, wann denn endlich Weihnachten sei. Der Pfarrer ließ sich etwas einfallen: Er holte ein Wagenrad aus der Scheune, schmückte es mit vier großen (für die Adventsonntage) und 19 kleinen Kerzen (für die Werktage). Das Holzrad hängte er im Versammlungssaal auf, bei jeder Morgenandacht wurde nun eine Kerze angezündet. Immer heller wurde es jetzt bis zum Heiligen Abend. Und darüber hinaus lernten die Kinder auch das Zählen! Von Norddeutschland aus setzte sich der Adventkranz nach und nach in der evangelischen Kirche durch – und schließlich auch in der katholischen Kirche (1925) sowie in den Wohnzimmern der Familien. In Österreichs verbreitete sich der Brauch erst nach 1945.

In katholischen Kirchen ist der Kranz traditionell in den liturgischen Farben geschmückt: mit drei lila und einer rosa Kerze. Die rosa Kerze wird am dritten Adventsonntag, der auch „Gaudete“ („Freut euch!“) genannt wird, entzündet. In anderen Ländern haben andere Farben Tradition: In Schweden ist die erste Kerze weiß (Weiß gilt hier als Paradiesfarbe), die anderen drei sind violett. Im Erzgebirge werden die Adventkränze traditionell ausschließlich mit roten Kerzen geschmückt. Die Farbe Rot steht hier für die Liebe und das Licht, mit dem Christus zu den Menschen kam.

Im „Rauhen Haus“ in Hamburg brennt übrigens im Dezember noch heute ein Adventkranz so groß wie ein Wagenrad mit einer Kerze für jeden Tag des Advents (heuer vier große und 20 kleine).

Wusstest du schon, dass...

. . . der erste Adventkalender aus dem Jahr 1851 stammt? Er kommt aus dem protestantischen Umfeld. Familien hängten nach und nach 24 Bilder an die Wand. Bilder und Geschichten bietet „Martins Adventkalender“ (Servus-Verlag) für Kinder von fünf bis zehn Jahren.


[PZZZP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2019)