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Am Herd

Das Sockenchaos

Es ist nicht immer einfach, zu identifizieren, wem welche Kleidung gehört.
Es ist nicht immer einfach, zu identifizieren, wem welche Kleidung gehört.(c) imago/CHROMORANGE/ Frank Roeder

Ein Ausweg ist der Sockenkorb. Alle sauberen Socken kommen da hinein, ob von Papa, Mama, Töchtern oder „Schwiegersöhnen“. Zum Glück sind die meisten eh schwarz.

Mein Mann und ich haben in punkto Haushalt eine klare Aufgabenteilung: Er macht die Küche. Ich die Wäsche. Das klingt nach einem guten Deal, nämlich für mich, und wirklich, so eine Wäsche ist leicht gewaschen und leicht aufgehängt und trocknen tut sie auch von selber. Aber dann ist schon Schluss mit der Leichtigkeit, denn die Kleidung muss schließlich sortiert werden. Was früher, als wir diese Aufgabenteilung ausgehandelt haben, noch kein Problem war: Die größten T-Shirts bekam Stephan, die zweitgrößten ich, die drittgrößten Hannah, die kleinsten Marlene. So ging das auch mit den Hosen und den Pullis.

Mittlerweile sind wir Frauen alle gleich groß. Das heißt, ich führe um einen Zentimeter, was ich den beiden regelmäßig unter die Nase reibe, aber dieser eine Zentimeter reicht nicht aus für verlässliche Garderoben-Distinktion. Und hier wird es kompliziert, so kompliziert, dass selbst ich bei aller Routine regelmäßig scheitere: Weil wir alle gern Schwarz tragen. Weil ich manchmal die Sachen der „Schwiegersöhne“ mitwasche. Weil wir meistens in den gleichen Geschäften einkaufen. Und weil Marlene gern Klamotten klaut: Eine erkleckliche Anzahl von Stephans Leiberln ist nach und nach in ihren Besitz übergegangen, außerdem „gehören“ ihr etliche Kleidungsstücke ihres Freundes – und auch ihrer Ex-Freunde, darunter eine Boxershort, die sie als Pyjamahose verwendet.

Partnerlook. Ein paar Regeln helfen: Wenn was von Tommy Hilfiger ist, gehört es Lukas. Ausgebleichtes und Fadenscheiniges stammt von meinem Mann, der trägt Gewand, bis es auseinanderfällt, weil es dann nicht mehr kratzt. Cargohosen sind von Marlene oder Max, die überhaupt gerne im Partnerlook auftauchen. Dunkelgrüne, dunkelblaue und dunkelrote T-Shirts tragen vor allem Hannah und ich, Leiberln in Übergröße Stephan oder Marlene, die ihren Style rund um XL-Leiberln aufbaut und das nicht erst seit Billie Eilish. Hannahs Hosen sind zum Glück leicht zu identifizieren: Sie besitzt nur zwei Stück, das kann ich mir merken. Und die „Schwiegersöhne“ sind deutlich schmäler als mein Mann, deshalb sind wenigstens Unterhosen kein Problem.

Immerhin haben wir jetzt einen Sockenkorb. Da kommen alle Socken hinein und jeder nimmt sich, was er braucht. Problem: Entweder geht der Korb über. Oder er ist leer. Weil nämlich die Kinder mit schmutzigen Socken gerne den Boden ihres Zimmers pflastern, bis ich ein Machtwort spreche oder einen Machtbrüller loslasse.

Ich habe deshalb heimlich einen eigenen Sockenkorb angelegt. Die Kinder sind mir allerdings draufgekommen. Zumindest die Schwiegersöhne wirkten überrascht.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

www.diepresse.com/amherd [Q0014]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2019)