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130. Auktionstage im Kinsky

Zero und Jungwirths „Trojanisches Pferd“

Die österreichische Künstlerin Martha Jungwirth hat den derzeitigen Eisernen Vorhang der Staatsoper gestaltet. Der Entwurf für das „Trojanische Pferd“ kommt jetzt zur Auktion.
Die österreichische Künstlerin Martha Jungwirth hat den derzeitigen Eisernen Vorhang der Staatsoper gestaltet. Der Entwurf für das „Trojanische Pferd“ kommt jetzt zur Auktion.Auktionshaus im Kinsky

Die 130. Auktionstage im Kinsky bieten unter anderem ein interessantes Werk von Zero-Künstler Günther Uecker und den Entwurf für den diesjährigen Eisernen Vorhang in der Wiener Staatsoper von Martha Jungwirth.

Arbeiten der Gruppe Zero haben in den vergangenen Jahren enorm an Beliebtheit gewonnen. Die 1957 von Heinz Mack und Otto Piene gegründete Künstlergruppe, zu der 1961 noch Günther Uecker stieß, prägte die abstrakte Nachkriegsmoderne in Deutschland und war vernetzt mit Künstlern wie Lucio Fontana aus Mailand oder Yves Klein aus Paris. Vom Kunstmarkt wurde die Gruppe erst ab 2014 so richtig entdeckt. Damals machte das New Yorker Guggenheim-Museum erstmals eine große Ausstellung, die danach in den Martin-Gropius-Bau nach Berlin und von dort ins Amsterdamer Stedelijk-Museum weiterging.

Trotz des internationalen Booms erreichten die Preise der Zero-Künstler nie die Niveaus einer italienischen Avantgarde, wie etwa Fontana. Uecker, der vor allem mit seinen reliefartigen Nagelbildern bekannt wurde, ist der Einzige, der die Millionengrenze überschritten hat. Der höchste Zuschlag liegt bei 2,5 Millionen Euro, erzielt 2017 von Christie's für „Spirale I“.

Lichtscheibe. Im Kinsky kommt bei den 130. Auktionstagen, die am 3. und 4. Dezember stattfinden, im Rahmen der Auktion zeitgenössischer Kunst von Uecker eine genagelte rotierende Lichtscheibe aus dem Jahr 1967 zum Aufruf. Mit solchen kinetischen Lichtarbeiten versuchte er, Konventionen von Fläche und Raum zu hinterfragen. Sie gehören zu den gesuchten Arbeiten auf dem Kunstmarkt, so ist die Scheibe eines der Toplose der Auktion. Der Schätzpreis liegt bei 250.000 bis 400.000 Euro.

Neben Uecker zählt sicher die Skulptur „Chino mirándose en espejo redondo“ von Juan Munoz zu den Höhepunkten. Der 2001 verstorbene Künstler, der mit seinen lächelnden Figuren bekannt wurde und von der Tate Modern eine große Auftragsarbeit bekommen hat, ist erstmals in einer Auktion in Österreich vertreten. Der Schätzpreis liegt bei 350.000 bis 550.000 Euro.

Bei den Gemälden ist eine Arbeit von Martha Jungwirth zu nennen. Die österreichische Künstlerin wurde heuer von der Jury für die Gestaltung des Eisernen Vorhangs der Wiener Staatsoper gewählt. Der Entwurf für das „Trojanische Pferd“ kommt im Kinsky mit einem Schätzpreis von 60.000 bis 100.000 Euro unter den Hammer. Obwohl Jungwirth als wichtige Künstlerin gilt und schon 1977 bei der Documenta in Kassel vertreten war, bekam sie die längste Zeit nicht die ihr eigentlich zustehende Anerkennung. Erst in den letzten Jahren hat sie auch international mehr Aufmerksamkeit erfahren. Seit 2014 wird sie von der Galerie Krinzinger betreut, die sie auch auf den internationalen Messen positioniert. Ihr ist es auch gelungen, Arbeiten von Jungwirth in der amerikanischen Rubell Collection zu platzieren. Das verhalf der Künstlerin in den USA zu mehr Bekanntheit. Bei den Zeitgenossen sind zudem noch Max Weilers „Sommerzeichen“ von 1989 zu nennen, die mit einer Taxe von 150.000 bis 250.000 Euro an den Start gehen, sowie Friedensreich Hundertwassers „Sonnentropfen“, um 130.000 bis 200.000 Euro.

Im Segment Klassische Moderne wird im Kinsky ein Gemälde von Koloman Moser angeboten. Der „Blick auf die Rax von der Villa Mautner von Markhof“ war in langjährigem Privatbesitz und kommt jetzt mit einem Schätzpreis von 120.000 bis 200.000 Euro zum Aufruf. Die Landvilla seiner Frau Ditha von Mautner Markhof auf der Rax am Semmering war einer der Lieblingsorte des Universalkünstlers.

Das Kinsky hat auch eine große Auswahl an Arbeiten von Alfons Walde, die von Plakaten über Gouachen bis zu Ölbildern reicht. DaDitha von Mautner MarkhofDitha von Mautner MarkhofDitha von Mautner Markhofs Topwerk ist die Leinwand „Kitzbühel im Winter“ von 1930, das mit 180.000 bis 360.000 Euro bewertet ist. Schließlich sei noch ein Gemälde von Egon Schiele erwähnt. Für „Bauernhaus“ erwarten die Experten 150.000 bis 300.000 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2019)