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Anfang 2015 tritt Alessandro Michele aus der zweiten in die erste Reihe bei Gucci: Die neue Romantik beginnt.
Die Zehnerjahre

Eine Ära der Wahllosigkeit

Weniger war definitiv nicht mehr: Die Zehnerjahre brachten in allen Bereichen der Mode die Gewissheit, dass starke, unabhängige Trends nicht mehr existieren. Eine eklektizistische Ära geht zu Ende, die oft echte Originalität vermissen ließ.

Von „faites vos jeux“ zu „rien ne va plus“: Die Zehnerjahre verliefen in der Mode ein bisschen wie ein Kasino-abend am Roulettetisch. Aber das ist natürlich etwas dramatisch ausgedrückt, selbst wenn die international tätige Trendforscherin Li Edelkoort schon 2015 das Ende der Mode orakelt und damit ihrem Überdruss mit dem Laufsteg- und sonstigen Treiben Ausdruck verliehen hat. Solchen Kassandrarufen liegt ein Paradox zugrunde: Auf eine gewisse Art ist die Mode zu Beginn des dritten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends lebendiger denn je. Auf der anderen Seite ist der Mut, wahrhaft innovativ zu agieren, seltsam ausgedünnt. Konsumiert, produziert, ausgesondert wird heute ohnehin so, als gäbe es kein Morgen. Und allen Nachhaltigkeitsgelübden zum Trotze gilt die Branche als gigantische Umweltsünderin. Auch das lässt einen in Endzeitstimmung verfallen – allerdings gleich auf das Geschick der ganzen Welt bezogen.

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