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Mein Montag

Advents, Advents, ein Lichtlein brennt's

Adventkalender oder Adventskalender? Beide Formen sind richtig.
Adventkalender oder Adventskalender? Beide Formen sind richtig.APA/BARBARA GINDL

An Heiligabend gibt es bei uns Rinderbraten. Wenn Sie jetzt auf 180 sind, sind Sie Österreicher.

Oh Tannenbaum ist eindeutig. Kein Mensch würde mit einem Fugen-s einen Tannensbaum basteln. Beim Weihnachtsbaum ist es genau umgekehrt. Gäbe es den Brauch eines Adventbaums, könnte man allerdings darüber streiten, ob er nicht eigentlich ein Adventsbaum sein müsste. Zumindest gibt es beim Adventkranz und dem Adventkalender beide Varianten.
(Wenn Ihnen im vorigen Satz zwei Fugen-s fehlen, kommen Sie vermutlich aus Deutschland. Und ob Sie aus Österreich stammen, können Sie jetzt mit einem Griff an die Pulsader testen. Adventskalender! Sind Sie auf 180, ist die Herkunft einigermaßen naheliegend.)

Das Gemeine ist, dass beide Formen richtig sind. Die mit Fugen-s im deutschen Sprachraum, die ohne im österreichischen. Nur gibt es keine Grenzkontrolleure zwischen diesen beiden Ländern, die Germanismen oder Austriazismen die Einreise verweigern würden. Und so finden wir auch hierzulande zunehmend Adventskalender und Adventskränze in den Geschäften.

An Weihnachten, wenn alle Fenster geöffnet sind, haben wir uns vermutlich auch schon davon erholt, dass es eigentlich zu Weihnachten heißt. Und dass der Rinderbraten am Tisch ein Rindsbraten sein sollte. Aber mit Logik hat all das ohnehin nichts zu tun. Sogar der Duden weist darauf hin, dass das Fugen-s ziemlich viele Zweifelfälle (sorry, im Duden steht, dass bei Erstgliedern mit Endung auf -el im Allgemeinen kein Fugen-s gesetzt wird) kennt. Apropos, Zweifler (in diesem Fall österreichische) werden sowieso einwenden, dass es nicht Weihnachtsbaum heißt, sondern Christbaum (diesmal eindeutig ohne Fugen-s). Und dass es nicht Weihnachtsmarkt heißt, sondern Christkindlmarkt. Warum eigentlich nicht Christkindls? Also dem Christkindl seines? Nun, wenn wir noch länger weiterstreiten, wird das wohl nichts mit dem Weihnachtfrieden.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com