Auslandsadoption: Echte Wiener aus Südafrika

Auslandsadoption Echte Wiener Suedafrika
Auslandsadoption Echte Wiener Suedafrika(c) Teresa Zötl
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Seit einigen Jahren sind Auslandsadoptionen deutlich komplizierter und teurer geworden. Auch wer Kinder aus Südafrika adoptieren will, hat es nicht leicht. Einige schaffen es trotzdem.

Benjamin und Naomi sind Österreicher. Und doch toben sie auf der Vienna Kids Farm in den Wiener Donauauen mit einer auf das Gesicht gemalten südafrikanischen Fahne durch die Wiese. Gerade wurde im Fernsehen das erste Spiel der Fußball-WM angepfiffen – mit ihrer Mannschaft auf dem Rasen. Denn die beiden Kinder, acht und sechs Jahre alt, stammen eigentlich aus Südafrika. Sie wurden adoptiert.

Die beiden Adoptivgeschwister sind hier nicht die einzigen Kinder mit südafrikanischen Wurzeln. Rund 30 Familien sind mit ihren adoptierten Kindern auf die Vienna Kids Farm gekommen, um die Eröffnung der ersten WM in Afrika zu feiern. „Mama, was machst du?“, fragt Benjamin mit deutlich wienerischer Aussprache und klammert sich an seine Adoptivmutter. „Ich erzähle ein bisschen über euch“, sagt Birgit Meisterl und krault dem Buben im Südafrika-Dress den Kopf.

Und zu erzählen gibt es viel über die Geschichte ihrer beiden Kinder. „Vor etwa neun Jahren wollten mein Mann und ich ein Kind adoptieren – und da wurden wir gefragt, ob wir vielleicht ein Kind aus dem Ausland haben möchten.“ Eine Idee, die dem Paar gefiel. Aus welchem Land das Kind sein sollte, das war den beiden egal. Schließlich kam nach einem Dreivierteljahr ein Kindervorschlag aus Südafrika – mit Foto und medizinischen Berichten. Seine Mutter hatte das Baby in einer Klinik in Johannesburg weggelegt. Wer sie war, das weiß man nicht. Nur, dass sie vermutlich HIV-positiv war. Denn der kleine Bub hatte noch einige Wochen lang Antikörper in seinem Blut. Als klar wurde, dass er gesund war, wurde er schließlich zur Adoption freigegeben. Gerade die HIV-Erkrankung treibt viele Frauen in Südafrika dazu, ihre Kinder wegzugeben. Dass diese trotz der Erkrankung ihrer Mutter gar nicht HIV-positiv sein müssen, das wissen die wenigsten.

„Wir sind dann nach Südafrika geflogen und haben die Adoption bei Gericht geregelt.“ Rund zwei Wochen verbrachten die Adoptiveltern dort, um alle rechtlichen Formalitäten zu regeln. Schließlich musste noch ein Visum für den damals gerade acht Monate alten Buben besorgt werden, damit er nach Österreich einreisen durfte. Und dann ging es in seine neue Heimat. Hier gab es für ihn gleich drei wichtige Neuerungen: die österreichische Staatsbürgerschaft, einen neuen Familiennamen – und auch einen neuen Vornamen. „Wir haben ihn Benjamin genannt“, erzählt Meisterl, „und seinen alten afrikanischen Namen hat er als zweiten Vornamen behalten“.


Viel Bürokratie. Eine Auslandsadoption ist mit viel Bürokratie verbunden. Und es ist längst nicht mehr so leicht, wie es noch vor ein paar Jahren war. „Momentan gibt es kein Land, wo es großflächig Adoptionen gibt“, sagt Helena Planicka. Sie kennt als Geschäftsführerin des Vereins „Eltern für Kinder Österreich“ die Lage besonders gut. Denn der Verein ist als anerkannter Träger der freien Jugendwohlfahrt nicht nur für Pflegefamilien, Tagesmütter und Inlandsadoptionen zuständig, sondern hilft auch bei der Vermittlung von Adoptivkindern aus dem Ausland.

Zuletzt galten Kambodscha und Äthiopien als Länder, in denen es besonders leicht war, zu einem Adoptivkind zu kommen. Doch auch dort hat sich das Bild gewandelt. Zum einen, weil es Fälle gab, bei denen nicht klar war, woher die Kinder wirklich stammen – so tauchten etwa Eltern vermeintlicher Waisen auf, die ihre Kinder suchten. Zum anderen wurde mit dem Haager Übereinkommen ein Instrument geschaffen, das zwischenstaatliche Adoptionen in die Hände zentraler Behörden (in Österreich der Landesregierungen) legte und den Adoptionshandel zurückgehen ließ.

„Von dem Zeitpunkt an, da sich Länder zum Haager Abkommen entschließen“, weiß Martina Reichl-Roßbacher vom Wiener Jugendamt (MA 11), „nimmt das Interesse ab“. Allheilmittel ist aber auch das keines – so ist etwa Kambodscha trotz Unterzeichnung des Abkommens derzeit für Adoptionen gesperrt. „Es war einfach nicht nachvollziehbar, woher die Kinder kommen“, so Reichl-Roßbacher. Bei Ländern, in denen es viele Daten über die Kinder gibt, gibt es dafür mehr Bürokratie – und hohe Kosten.

Südafrika ist eines jener Länder, in denen die Herkunft der Kinder klar dokumentiert wird. Dort versucht man auch intensiv, bei jedem Kind zunächst nach anderen Lösungen zu suchen – der temporären Unterbringung bei Pflegeeltern zum Beispiel. Oder einer Adoption im Inland. Die war für die – fast ausschließlich schwarzen – weggelegten Kinder Südafrikas lange problematisch. Denn nur Weiße wollten Kinder adoptieren – und holten sich lieber Kinder mit heller Hautfarbe aus anderen Ländern. Immerhin, zaghaft scheint sich das nun zu ändern.

Für Österreicher, die ein Kind aus Südafrika adoptieren möchten, wird es demnach nicht leichter, es drohen lange Wartezeiten. Unter anderem auch deswegen, weil die südafrikanischen Behörden ihre Priorität auf Geschwisteradoption gelegt haben. Soll heißen: Nur wer schon ein südafrikanisches Kind hat, soll auch ein zweites mit dunkler Hautfarbe bekommen.

Identität der Kinder. Damit soll es den Kindern leichter gemacht werden, zu ihrer Identität zu finden. Denn Konfliktpotenzial gibt es bei hellhäutigen Eltern mit dunkelhäutigen Kindern immer wieder. Weniger innerhalb der Familie, aber dumme Wortmeldungen von außen kommen vor. Auf Situationen wie diese bereitet der Verein „Eltern für Kinder Österreich“ potenzielle Adoptiveltern auch in eigenen Kursen vor. Und man berät sie auch, damit sie nicht in bürokratische Fallen tappen.

Familie Meisterl hat mit Benjamin gute Erfahrungen gemacht. So gute, dass man zwei Jahre später ein weiteres Kind aus Äthiopien adoptierte – Naomi. Während Birgit Meisterl von ihrer Adoptivtochter erzählt, laufen die beiden Kinder längst wieder mit anderen dunkelhäutigen Kindern über die Wiese und rufen einander zu – in lupenreinem Wienerisch. „Es sind eher wir Eltern, die zerrissen sind“, sagt Meisterl, „weil wir den Kindern auch ihre südafrikanische Kultur geben wollen“.

Aus dem Ausland
Kinder aus dem Ausland zu adoptieren erfordert viel Geduld – und wirft auch teils hohe Kosten auf, etwa für Vorbereitungskurse, Gerichts- und Übersetzungskosten, die Reise ins Heimatland des Kindes und für Dokumente. Der Verein „Eltern für Kinder“ spricht von 7.000 bis 22.000 Euro.

Ansprechpartner
Der Verein „Eltern für Kinder“ bietet Kurse an und hilft bei der Vermittlung von internationalen Adoptionen. Auf der Website des Vereins finden sich auch die wichtigsten Eckdaten, die es dabei zu berücksichtigen gilt. (Ansprechpartner, Mindest- und Höchstalter, Kosten etc.)
www.efk.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2010)

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