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Unter Beschuss

Huawei schickte Ex-Mitarbeiter unter falschen Vorwürfen ins Gefängnis

Die Managerin bekommt Fußfessel, der Ex-Mitarbeiter acht Monate Gefängnis.APA/AFP/DON MACKINNON

Die Stimmung kippt. In China richtet sich die Bevölkerung gegen Huawei. Unterschlagung, Erpressung, Verraten von Firmengeheimnissen: Aus fadenscheinigen Gründen wurde ein Ex-Mitarbeiter acht Monate ins Gefängnis gesteckt.

Chinas Smartphone-Hersteller Huawei will neue Produktionsstätten in Europa bauen. Der Standort soll Befürchtungen zerstreuen, dass die Ausrüstung von China für Spionage genutzt werden könnte, erklärte Ren Zhengfei gegenüber der kanadischen Tageszeitung "Globe and Mail“. Zudem werde Huaweis "Zentrum für Forschung und Entwicklung aus den USA nach Kanada verlagert", wurde er in dem Bericht zitiert. Während in Europa versucht wird, Vertrauen aufzubauen, kippt in China die Stimmung. Aufgrund von falschen Anschuldigungen musste ein ehemaliger Huawei-Mitarbeiter für acht Monate ins Gefängnis.

Huawei ist Chinas ganzer Stolz. Ein international erfolgreiches Unternehmen. Besonders die Tatsache, dass Huawei zwischen die Fronten des Handelskriegs geraten ist, sorgte für eine Welle der Solidarität. Chinesen stellten sich hinter Huawei und kauften deren Geräte. So gelang es dem Unternehmen wirtschaftlich nicht unter dem US-Bann zu leiden und sogar mit einem Plus da zu stehen. Doch die neuen Entwicklungen im Umgang mit einem ehemaligen Mitarbeiter sorgen für Unmut unter den Chinesen.

Was war geschehen: 13 Jahre lang arbeitete Li Hongyuan für Huawei. Der 35-Jährige verließ 2018 das Unternehmen und handelte eine Abfindung von umgerechnet 39.000 Euro aus. Diese bekam er im März 2018. Er war lediglich überrascht, dass das Geld von einem Privatkonto überwiesen wurde. Ex-Kollegen beschwichtigten und erklärten, dass es bei ihnen ebenfalls so abgelaufen wäre.

Nur neun Monate später wurde er festgenommen, auf Veranlassung von Huawei. Der Vorwurf: Unterschlagung. Dann wurde ihm unterstellt, Firmengeheimnisse gestohlen zu haben. Als auch diese Vorwürfe nicht hielten, beschuldigte Huawei ihn der Erpressung. Ein Manager soll gegen ihn ausgesagt haben. Im Oktober 2019 wurde er freigelassen, wegen „unklarer Fakten und ein Mangel an Beweisen“.

985, 996, 035, 251, 404 - ein Zahlencode als Protest

Nach 251 Tagen, knapp acht Monaten wird Li entlassen. In einem offenen Brief wendet er sich an den Firmengründer Ren Zhengfei und berichtet von den Vorkommnissen. Er suche das Gespräch und entschuldigte sich auch für das große Medienecho. Mittlerweile sind viele Berichte darüber aber im Netz wieder verschwunden. Meldungen darüber in Zeitungen oder in sozialen Netzwerken wurden zensiert.

In der Zwischenzeit regt sich in der Bevölkerung heftiger Widerstand gegen das Vorgehen Huaweis. Auf Weibo, dem chinesischen Twitter-Pendant ging der Hashtag #HuaweiExEmployee viral und erreichte mehr als 280 Millionen Ansichten, mehr als 300.000 Posts. Kaum veröffentlichte Huawei auf einer Plattform einen neuen Beitrag, fanden sich identische Beiträge von verschiedenen Nutzern darunter: 985, 996, 035, 251, 404.

Die erste Zahl steht für den Abschluss, den Li von einer der 985 führenden Universitäten Chinas hat, 996 ist das Pendant zu 9 to 5, denn in China wird von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends gearbeitet und das an sechs Tagen die Woche. 035, weil er im Alter von 35 Jahren inhaftiert wurde, 251 steht für die Tage, die er im Gefängnis verbrachte und 404 für die umfassende Zensur über die Berichte seiner Inhaftierung und Huaweis Rolle.

Dem Smartphone-Riesen wird Heuchelei vorgeworfen, denn am selben Tag als Li seinen Brief veröffentlichte, ging auch ein Dankschreiben der in Kanada inhaftierten Managerin Meng Wanzhou online. Darin bedankte sie sich für die Unterstützung. Einerseits kreide man anderen Ländern Vorverurteilung an, aber Huawei sorge dafür, dass die eigenen Leute einegsperrt werden, so der allgemeine Tenor. Erschwerend kommt hinzu, dass Huawei nicht auf die Vorwürfe reagiert und man sich auch nicht bei Li entschuldigt.

(bagre)