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COP25

UNO: Das vergangene Jahrzehnt war das heißeste seit 1850

Archivbild vom 12. Juli des vergangenen Sommers: 34 Grad am Michaelerplatz in Wien.
Archivbild vom 12. Juli des vergangenen Sommers: 34 Grad am Michaelerplatz in Wien.REUTERS

Die UNO präsentierte Zahlen auf der Weltklimakonferenz in Madrid. "Wir sind die erste Generation, die es physisch wahrnimmt, und wir sind die letzte, die es über hat, etwas dagegen zu tun“, sagte Bundespräsident Van der Bellen.

Hitzewellen, Dürreperioden, Waldbrände: Die Jahre 2010 bis 2019 gehen nach Einschätzung der UNO wohl als das heißeste Jahrzehnt in die Geschichte ein. Dies sei "ziemlich sicher", teilte die UNO am Dienstag am Rande der Weltklimakonferenz in Madrid mit. Das Jahr 2019 zählt demnach voraussichtlich zu den drei wärmsten Jahren seit 1850, dem Beginn der systematischen Temperaturauswertungen.

Das zurückliegende Jahrzehnt sei von "außerordentlicher Hitze, Gletscherschmelze und einem weltweiten Anstieg des Meeresspiegels" geprägt gewesen, erklärte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Grund dafür seien die durch menschliches Handeln verursachten, klimaschädlichen Treibhausgase.

1,1 Grad über vorindustriellem Niveau

Allein im Jahr 2019 habe die Temperatur nach Auswertung der bisher vorliegenden Daten um 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau gelegen, erklärte die WMO. Die Organisation verwies auf zahlreiche Waldbrände, Hitzeperioden und Wirbelstürme. Nach dem Pariser Klimaabkommen soll die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden.

2019 ist damit wohl das zweit- oder drittheißeste Jahr überhaupt. 2016 bleibt laut WMO in jedem Fall das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, unter anderem wegen des damals besonders starken Klimaphänomens El Nino.

Die UN-Organisation stützt sich bei ihrer vorläufigen Einschätzung für 2019 auf Daten zu den Temperaturen zwischen Jänner und Oktober. Im März 2020 ist die Auswertung des Gesamtjahres abgeschlossen.

Die Erderwärmung ist rund um den Globus sichtbar: Das Packeis in der Arktis schmilzt, die Gletscherkappen in Grönland werden kleiner. Zudem gibt es immer wieder heftige Wetterphänomene - Überschwemmungen im Iran, Dürren in Australien und Zentralamerika, Hitzewellen in Europa und Australien, Waldbrände in Südamerika, Indonesien oder Sibirien.

Häufung von außergewöhnlichen Wetterereignissen

Extreme Hitzewellen und Überschwemmungen, die einst nur "einmal im Jahrhundert" aufgetreten seien, ereigneten sich inzwischen regelmäßig, erklärte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Von den Bahamas bis nach Japan und Mosambik hätten die Menschen in vielen Ländern die "zerstörerische Kraft von tropischen Zyklonen" zu spüren bekommen.

Nach Angaben des Beobachtungszentrums für Binnenvertriebene (IDMC) wurden allein im ersten Halbjahr 2019 zehn Millionen Menschen innerhalb ihres eigenen Landes zur Flucht gezwungen, sieben Millionen davon wegen Klimakatastrophen. Gründe waren meist Überschwemmungen, Stürme oder Trockenheit. Die Zahl der Menschen, die wegen ungewöhnlicher Wetterextreme vertrieben werden, könnte sich bis Jahresende auf 22 Millionen verdreifachen, warnte nun die WMO.

"Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren", mahnte WWF-Experte Stephen Cornelius mit Blick auf die seit Montag laufende Weltklimakonferenz in Madrid, zu der in Kürze auch die Klima-Aktivistin Greta Thunberg erwartet wurde. Die Länder könnten sich dem Klimaschutz nicht länger verweigern, wenn die Wissenschaft belege, "dass es eilt, zu handeln", erklärte Kat Kramer von der Hilfsorganisation Christian Aid.

WMO-Chef Petteri Taalas zeigte sich dagegen in Madrid zuversichtlich. "Die Welt wird aktiv und das Problem wurde verstanden", sagte er vor Journalisten. "Es gibt keinen Grund, völlig pessimistisch zu sein."

Van der Bellen fordert rasche Umsetzung

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte am Montag, der ersten Tag der Konferenz in Madrid, festgestellte, dass die Thematik eine Dringlichkeit und Intensität entwickelt habe, die sich mit den Jahren gesteigert habe. Und zu Recht, denn "im wesentlichen ist die Mechanik und Konsequenz der Klimaveränderung seit mindestens 50 Jahren bekannt", sagte das Staatsoberhaupt.

Manche EU-Mitglieder wären "Feuer und Flamme" für dieses Vorhaben und sich der Dramatik bewusst, andere jedoch eher auf einer "Naja"-Position, fasste Van der Bellen seine Eindrücke zusammen. "Ich weiß, dass viel über 2050 diskutiert wird, politisch halte ich es für mindestens ebenso wichtig, was bis 2030 passiert - und das muss jetzt entschieden werden", forderte der Bundespräsident ein rasches Vorgehen ein, ganz entsprechend dem Motto der COP "Tiempo de actuar" - "Zeit zu handeln"

Veränderte Wahrnehmung

Bemerkenswert sei zudem, wie sich die Wahrnehmung der Problematik rund um den Klimawandel verändert habe: "Vor fünf Jahren wäre noch gesagt worden, 'ja, es gibt einen Klimawandel', aber niemanden wäre eingefallen - außer vielleicht mit der Thematik vertrauten Wissenschaftern - von einer Klimakrise oder gar -katastrophe zu sprechen, "da ist die Situation jetzt anders."

Der "Aufstand der Jugend", der sei dabei wichtig, denn da habe sich die Situation gedreht, und die Kinder beeinflussen die Eltern und Großeltern, und ebenso das Wahrnehmen der zunehmenden Impacts der Klimakrise, von mehr Trockenheit und Hitze bis hin zu Waldbränden und Hurrikans: "Wir sind die erste Generation, die es physisch wahrnimmt, und wir sind die letzte, die es über hat, etwas dagegen zu tun", schloss Van der Bellen.

(APA/AFP)