Schnellauswahl
Türkei

Die Krankenakte des Selahattin Demirtaş

Seit drei Jahren sitzt Selahattin Demirtaş in Haft.
Seit drei Jahren sitzt Selahattin Demirtaş in Haft.REUTERS

Der prokurdische Politiker sei tagelang nicht ins Spital gebracht worden, klagt seine Schwester. Seine Anhänger sehen ihn als Geisel von Präsident Erdoğan.

Edirne/Wien. In den frühen Morgenstunden des 26. November klagt Selahattin Demirtaş in seiner Gefängniszelle über Atemnot und stechende Brustschmerzen. Er wird offenbar bewusstlos. Seinem Zellengenossen gelingt es, Erste Hilfe zu leisten – anschließend wird Demirtaş zum Gefängnisarzt gebracht. Ein EKG später soll der Arzt weitere Untersuchungen angeordnet haben, die jedoch in größeren Kliniken außerhalb des Gefängnisses stattfinden müssten. „Seit sieben Tagen warten wir darauf“, twitterte am Montag seine Schwester und Anwältin, Aygül Demirtaş, „dass er in ein Krankenhaus gebracht wird.“ Und weiter: „Sein Leben ist in Gefahr.“

Erst nachdem die Tweets von Demirtaş die Runde machen, wird ihr Bruder in eine Klinik bei Edirne überstellt, berichten türkische Medien am Dienstag. Nach Untersuchungen sei er wieder in seine Zelle gebracht worden. Als politischer Gefangener werde nun auch sein Recht auf Leben auf die Probe gestellt, sagte zuvor Aygül Demirtaş. Rasch verbreiteten regierungsnahe Medien am Dienstag eine Erklärung des Krankenhauses, in der es heißt, dass Demirtaş' Gesundheitszustand nicht auffällig sei und der Erstversorger im Gefängnis auch nichts Lebensbedrohliches festgestellt habe. In jedem Fall hat die Nachricht von Demirtaş' Gesundheitszustand nicht nur die prokurdische HDP in Aufruhr versetzt.