Schnellauswahl
Antisemitismus

Mehr als 100 jüdische Gräber im Elsass geschändet

Über 100 jüdische Gräber im Elsass wurden mit Hakenkreuzen beschmiert
Über 100 jüdische Gräber im Elsass wurden mit Hakenkreuzen beschmiertAPA/AFP/PATRICK HERTZOG

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Hakenkreuz-Schmierereien auf einem jüdischen Friedhof im Elsass scharf verurteilt. Das Internationale Auschwitz Komitee hat die Tat verurteilt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Hakenkreuz-Schmierereien auf einem jüdischen Friedhof im Elsass scharf verurteilt. "Antisemitismus ist ein Verbrechen und wir werden ihn bekämpfen, in Westhoffen und überall, bis unsere Toten in Frieden ruhen können", schrieb Macron am Dienstagabend im Onlinedienst Twitter.

Unbekannte hatten auf einem jüdischen Friedhof im Ort Westhoffen westlich von Straßburg zuvor mehr als hundert Gräber geschändet. Sie hinterließen auf den Grabsteinen Hakenkreuz-Schmierereien und antisemitische Sprüche.

Vorfälle häufen sich

Im Elsass kommt es seit einigen Jahren verstärkt zu solchen Vorfällen. Erst im Februar waren auf einem jüdischen Friedhof in Quatzenheim rund hundert Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Auch in Paris tauchten in diesem Jahr antisemitische Schmierereien auf.

In Frankreich war die Zahl antisemitischer Übergriffe im vergangenen Jahr um 74 Prozent gestiegen. Macron kündigte ein härteres Vorgehen gegen die Täter an. Israels Regierung äußerte sich sehr besorgt.

"Die Überlebenden haben Angst"

Das Internationale Auschwitz Komitee hat die Tat verurteilt. Die antisemitische Schändung der Grabstätten empöre und bestürze die Überlebenden des Holocaust in vielen Ländern dieser Welt, teilte der Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, am Mittwoch mit.

Friedhof im Ort Westhoffen westlich von Straßburg
Friedhof im Ort Westhoffen westlich von StraßburgAPA/AFP/PATRICK HERTZOG

Die Aggressivität und der Hass solcher Aktionen werde als unmittelbare Bedrohung alles jüdischen Lebens empfunden. "Die Überlebenden haben Angst um das Fortleben ihrer Familien in Europa", so Heubner. Angesichts des immer wieder aufflammenden und bewusst auf die Friedhöfe getragenen Hasses seien sie nicht mehr sicher, ob ihre Enkel künftig in Europa eine Heimat haben werden, sagte Heubner.

Unbekannte hatten 107 Grabstätten auf dem jüdischen Friedhof in Westhoffen, rund 25 Kilometer von Straßburg entfernt, mit antisemitischen Inschriften beschmiert, wie die Präfektur Bas-Rhin am Dienstag bekannt gegeben hatte. Auf Fotos waren schwarze Hakenkreuze auf den Grabsteinen zu sehen.

Auch auf dem jüdischen Friedhof der Gemeinde Schaffhouse-sur-Zorn waren antisemitische Graffiti entdeckt worden. Der französische Innenminister Christophe Castaner sollte am Mittwoch den Friedhof in Westhoffen besuchen und dort mit der jüdischen Gemeinde sprechen.

(APA)