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Mord an Georgier

Berlin weist russische Botschafts­mitarbeiter aus

Der Tatort, aufgenommen am 23. August.
Der Tatort, aufgenommen am 23. August.REUTERS

Im August wurde ein Georgier in Berlin am helllichten Tag von hinten erschossen. Möglicherweise ist der russische Geheimdienst in die Tat verstrickt.

Nach dem Mord an einem Georgier in Berlin weist Deutschland offenbar zwei russische Botschaftsmitarbeiter aus. Sie seien mit sofortiger Wirkung zu unerwünschten Personen erklärt worden, teilte das Auswärtige Amt am Mittwoch mit.
 
Mit der Ausweisung der beiden Botschaftsmitarbeiter reagiere man darauf, dass die russischen Behörden "trotz wiederholter hochrangiger und nachdrücklicher Aufforderungen nicht hinreichend bei der Aufklärung des Mordes" mitgewirkt hätten, erklärte das Außenministerium.
 
Bereits zuvor hieß es, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernehmen wollte: Denn der russische Geheimdienst könnte in die Tat verstrickt sein. "Wir haben Beweise, dass ein ausländischer Geheimdienst dahinter steckt, deshalb will die Bundesanwaltschaft die weiteren Ermittlungen in dieser Woche übernehmen", zitierte Reuters am Dienstag aus Justizkreisen. Die Bundesanwaltschaft wollte sich nicht dazu äußern.

Russland: „Unzulässiger politisierter Zugang"

Als „unbegründeten und unfreundlichen Akt“ bezeichnete das russische Außenministerium in einer ersten Reaktion die Ausweisung. Das Ministerium sprach von einem „unzulässigen politisierten Zugang zu Fragen der Ermittlung“. Man sei zu einer Reaktion gezwungen und kündigte eine solche wenig später auch an, ohne aber sie inhaltlich zu nennen.
 
Anzunehmen ist, dass Russland nun seinerseits zwei deutsche Diplomaten ausweisen wird. Zumindest ging man in früheren Fällen so vor. Auch der Vorsitzende des Komittees für Internationale Beziehungen in der Staatsduma, Leonid Slutzkij, hatte kurz zuvor „symmetrische Maßnahmen“ als Reaktion nicht ausgeschlossen. Er nannte das Vorgehen Deutschlands einen „Akt russophober Hysterie“.
 
Für die deutsch-russischen Beziehungen kommt der Fall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, soll doch am Montag der Normandie-Gipfel mit Vertretern Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs in Paris zur Konfliktlösung im Donbass stattfinden. Russische Politiker gingen am Mittwoch aber davon aus, dass der Gipfel trotz der aktuellen Anspannungen stattfinden würde.

Im August regelrecht hingerichtet

Der Georgier Zelimkhan Khangoshvili war im August in Berlin mit Schüssen auf Kopf und Körper getötet worden. Kurz darauf war ein Verdächtiger festgenommen worden, als er versuchte, die mutmaßliche Tatwaffe in einen Fluss zu werfen. Der Mann sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Bisher hatte die Berliner Staatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt.

Der Getötete war im Tschetschenien-Krieg auf Seiten anti-russischer Separatisten aktiv. Er ging, wie auch viele andere der Kämpfer, ins Exil und lebte seit 2016 in Deutschland.

>>> Die Ausweisung im Wortlaut

(Reuters/ag./red./som)