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Passkontrolle

Der Reisepass des Autors wurde 2010 ausgestellt, für
Der Reisepass des Autors wurde 2010 ausgestellt, für Eingeweihte ist das ein typisches Geizkragen-Verlängerungsjahr.(c) Martin Amanshauser
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Einst verdoppelte eine Regierung die Passkosten. Deshalb folgt 2020 ein Superpassjahr.

Reisepasskosten interessieren mich, denn ich betreibe zwei Pässe nebeneinander. Berufs- und Vielreisende kennen diesen Sachzwang. Gelegentlich sende ich nämlich einen Pass zur Visumsausstellung nach Berlin oder gar in die hinterste Mongolei, während ich gleichzeitig anderswohin reisen will oder muss. Ein einziger Pass reicht da nicht. Zweitpässe sind wunderbar, gelten jedoch leider nicht zehn, sondern fünf Jahre. Trotz halber Leistung kosten sie allerdings nicht die Hälfte. Gebührenerhöhungen auf dem Passkostensektor bewegen mich also innerlich, vielleicht ebenso sehr, wie andere Staatsbürger von der undurchschaubaren, meist irgendwie unfairen Benzinpreisgestaltung berührt werden.

Die spektakulärste Verteuerung fand 2000 statt. Damals wurden per 1. Juni die Kosten für ein Reisedokument von 490 Schilling (35,61 Euro) auf 950 Schilling (69,04 Euro) erhöht. Selbstverständlich gehörte ich zu jenen Geizkrägen, die rasch noch einen Zehn-Jahres-Pass zum herkömmlichen Preis konsumierten.

Der Hintergrund für diesen Gebührenexzess? Das Kabinett Schüssel verordnete damals solche Erhöhungen, damit das Land – unter anderem – sich effiziente Abfangjäger leisten konnte. Nachvollziehbarer Gedanke, wer will nicht in Sicherheit leben? Und siehe da: Das sich gewissenhaft verteidigende EU-Land Österreich wurde seitdem tatsächlich nicht von Feinden attackiert . . .! Doch wirkt solch weitsichtige Politik manchmal jahrzehntelang nach.

Denn 2020 kommt in großen Schritten auf uns zu, und unweigerlich folgt, so wie alle zehn Jahre, wieder ein „Superpassjahr". Die Ämter werden sich zum Sommer hin einer außergewöhnlichen Anzahl an Anträgen gegenübersehen, mancherorts könnte es zu Engpässen kommen, 2000 gab es sogar tätliche Auseinandersetzungen, unsere Österreicher tendieren am Amt zum Wutausbruch.
Um diese archetypische staatsbürgerliche Gegenreaktion zu vermeiden, rate ich daher – ganz wie das Innenministerium es tut – zu einer Passverlängerung im reisearmen Winter. Er kostet inzwischen 75,90 Euro – also 1032,02 Schilling.

www.amanshauser.at

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 22.11.2019)