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Pizzicato

Die Fünf-Gewürze-Zeitmaschine

Fünf-Gewürze-Pulver aus (von oben im Uhrzeigersinn) Fenchelsamen, Sternanis, Szechuanpfeffer, Nelken, Zimt. Kann allerhand Erinnerungen auslösen. (Flickr/Tim Sackton/CC BY-SA 2.0)

Jüngst, beim Kramen in den Tiefen des Gewürzregals, tauchte das kleine Glas wieder einmal auf: Drin ist eine Gewürzmischung, die „Fünf Gewürze", ein braunes Pulver aus Sternanis, Szechuanpfeffer, Zimt, Fenchelsamen und Nelken, bisweilen Kardamon und Ingwer.

Wer asiatisch isst, kennt sicher den Geschmack, er harmoniert super mit fettem Fleisch von Schwein und Ente und hat gern etwas Zucker im Verbund. Auf dem Etikett der besagten Dose steht „Migros", eine Schweizer Supermarktkette. Und das Pulver riecht noch immer intensiv.

Und da fing der Film im Kopf auch schon zu laufen an: In einem Migros in St. Margrethen hart an der Grenze zu Vorarlberg hab ich das Glas einst gekauft. Einst? Dieses Einst, das war vor 31 Jahren, im Herbst 1988. Kurz vor Studienbeginn in Innsbruck kaufte ich dort allerhand Dinge, die es in Österreich damals noch nicht so gab oder viel billiger waren. Und dann ging's los in der fremden Stadt, der Ostblock fiel, es gab Kriege am Persischen Golf, auf dem Balkan, in Afrika, Nahost, Afghanistan, Terror, Herrscher kamen und gingen, Technik verwelkte und blühte, man zog durch 1000 Bars, traf die falschen und die richtigen Frauen, verlor Menschen und bekam neue, weinte und lachte, war berauscht und ernüchtert, high and low, bereiste die Welt von Island bis Australien, Fidschi bis Feuerland, Sibratsgfäll bis Simmering, und nun steht der Bub daneben in der Küche und ich weiß, ich werd schon sehr bald Ente in Fünf-Gewürze-Sauce machen.

Die Zeit. Lange glaubt man ja, sie sei eine lahme Ente. Irgendwann zeigt sie, wie schnell sie watscheln kann. Und sogar fliegen. (wg)

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[Q0DSB]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2019)