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"Industrial Tech"

B&C und TTTech wünschen sich neues Börsensegment

Bei der Verschmelzung von digitalen Technologien mit der klassischen maschinellen Produktion könnte Österreich eine Vorreiterrolle spielen.

„Wir brauchen einen starken Kapitalmarkt, damit die Transformation unseres Wirtschaftssystems zu einer ökosozialen Digitalwirtschaft funktionieren kann", sagt Georg Kopetz, Chef des auf autonomes Fahren spezialisierten Wiener Softwareunternehmens TTTech. Gemeinsam mit Thomas Zimpfer, Geschäftsführer des TTTech-Aktionärs B&C Innovation Investments GmbH, macht sich Kopetz stark für die Schaffung eines neuen Börsensegments "Industrial Tech" an der Wiener Börse. Mit der Börse habe man konkret noch nicht über das Thema gesprochen, aber das werde "sicher für uns der nächste Schritt", sagte Zimpfer am Donnerstag vor Journalisten in Wien. TTTech will in zwei bis drei Jahren seine Autosparte an die Börse bringen.

Zimpfer ortet ein "absolutes Manko" in Österreich bei der Wachstumsfinanzierung bereits erfolgreicher HighTech-Unternehmen. "In Österreich gibt es eine Anschubfinanzierung - AWS, FFG -, die sucht weltweit ihresgleichen. Wenn Sie als Entrepreneur die ersten Meter fahren wollen, haben Sie eine tolle Unterstützung." Wenn es aber darum gehe, größere Summen in das Wachstum florierender Unternehmen zu investieren, "dann wird die Luft total dünn", so Zimpfer. "Bei uns geht es los ab einer Million Investition, wir investieren aber auch zweistellige Millionenbeträge."

Darum habe er 2016 die Aufgabe bekommen, die B&C Innovation Investments aufzubauen, die in Technologie investiere, sagte Zimpfer. Die B&C Privatstiftung, die nächstes Jahr 20 Jahre alt wird, hat ihren Fokus bisher traditionell auf großen Industriebeteiligungen und ist Mehrheitsgesellschafterin bei AMAG, Lenzing und Semperit. Die 2016 gegründete Innovation Investments habe mittlerweile 70 Mio. Euro investiert und halte sechs Direktbeteiligungen. Während in der Industrieholding die B&C-Aktivitäten ausschließlich in Österreich liegen, investiert die Innovation Investments auch jenseits der Landesgrenzen, wobei der Großteil des investierten Kapitals nach Österreich geflossen ist.

An der TTTech-Gruppe ist B&C mit knapp unter 10 Prozent beteiligt, gemeinsam mit den Gründern der TTTech kommt B&C auf knapp unter 50 Prozent. An der TTTech Auto AG hält die TTTech-Gruppe 47,6 Prozent, größere Partner sind auch Audi und Samsung. Heute hat die gesamte Gruppe, die "TTTech Computertechnik AG", die vor 20 Jahren von der TU Wien ausgehend gegründet wurde, weltweit knapp 2000 Mitarbeiter und will sich für das weitere Wachstum ihrer Autosparte Geld von der Börse holen. In der Autosparte sind mehr als die Hälfte der Mitarbeiter beschäftigt.

Ein Börsengang in Wien "ist durchaus eine Option, wir haben uns aber noch nicht festgelegt", sagte Kopetz. In Frage kämen für eine Hauptnotiz nur Wien oder Frankfurt. Man habe auch Ambitionen in den ATX aufgenommen zu werden, "das ist sicherlich leichter möglich als in den DAX hineinzukommen". Auch nach dem Börsengang wolle man an der Auto-Tochter als Kernaktionär über 25 Prozent der Anteile halten, sagte Kopetz.

TTTech will flott wachsen

Damit sich der Börsengang lohne, müsse die TTTech Auto aber noch wachsen. "Wir haben in der Autosparte jetzt knapp 100 Millionen Umsatz. Je mehr Umsatz wir haben, desto mehr Gewicht bekommen wir." Dabei gehe es nicht um prozentuelles Wachstum, sondern um eine Vervielfachung: "Wir wollen uns in den nächsten fünf bis zehn Jahren vervielfachen", sagte Kopetz. Der Markt, in dem die TTTech agiere, werde im Jahr 2030 zig Milliarden Euro Umsatz haben. TTTech wolle auch im nächsten Jahr um 30 bis 40 Prozent wachsen.

Für die Finanzierung stark wachsender Unternehmen wie TTTech sei der österreichische Kapitalmarkt mit 34 Prozent Marktkapitalisierung gemessen am BIP aber im vorbörslichen Bereich unterentwickelt, sagt Zimpfer und verweist auf eine von der B&C-Gruppe beauftragte McKinsey-Studie. "Nur drei von 100 Österreichern besitzen Aktien", so Zimpfer. "Der Kapitalmarkt ist nicht dort, wo das Land eigentlich ist. Neun von zehn Österreichern wissen nicht, was eine Anleihe ist, und sechs von zehn Österreichern wissen nicht, was eine Aktie ist." Laut Global Financial Centre Index 2019 befinde sich Wien im globalen Ranking als Finanzplatz derzeit nur auf Platz 54.

Kopetz würde sich von der Politik wünschen, dass etwa Mitarbeiter-Beteiligungen an Unternehmen steuerlich begünstigt werden. "Bei Top-Führungskräften sollte ein beträchtlicher Teil ihres Einkommens in Mitarbeiter-Beteiligungen, in Stock Options, sein. Pro Führungskraft sollten zwischen 50.000 und 100.000 Euro steuerfrei sein, wenn ein Mitarbeiter das Geld wieder in das Unternehmen investiert, meinte Kopetz. Dafür sollte es für die Beteiligung eine Behaltezeit von etwa fünf Jahren geben.

(APA)