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Salzburg

Rainermarsch-Komponist war früher NSDAP-Parteigänger

In der Stadt Salzburg stimmten ÖVP, SPÖ und FPÖ dafür, das Ehrengrab Hans Schmids weiterhin zu betreiben. Er war jüngst als früher Parteigänger der Nationalsozialisten identifiziert worden.

Die Stadt Salzburg hat am Donnerstag die Verlängerung des Ehrengrabs für den Komponisten Hans Schmid beschlossen. ÖVP, SPÖ und FPÖ stimmten im Kulturausschuss dafür, die Grabkosten für weitere 30 Jahre zu übernehmen. Die grüne Bürgerliste war dagegen. Denn im Zuge der Aufarbeitung der NS-Geschichte der Stadt war Schmid jüngst als früher Parteigänger der Nationalsozialisten identifiziert worden.

Der Komponist (1893-1987) hatte während des Ersten Weltkriegs im Jahr 1915 sein bekanntestes Werk geschaffen: den Rainermarsch. Das Stück des k. u. k. Infanterieregiment "Erzherzog Rainer" gilt quasi als zweite Salzburger Landeshymne. Nach dem Anschluss wurde Schmid am 1. Mai 1938 in die NSDAP aufgenommen, seine Parteinummer stammt jedoch - und das war bisher nicht bekannt - aus dem sogenannten Illegalenblock.

Allerdings hatte der Leiter des Salzburger Stadtarchivs, Peter Kramml, in der Vorwoche betont, dass es derzeit keinen Hinweis darauf gibt, dass sich der Komponist zwischen Juni 1933 und März 1938 tatsächlich politisch als "Illegaler" für die zu diesem Zeitpunkt verbotene NSDAP betätigt hat. Vielmehr seien damals Prominente in die Partei aufgenommen worden, bei denen man betonte, dass sie illegale Verdienste hätten. Bei mehreren Fällen habe sich später gezeigt, dass dies aus Gefälligkeit passiert sei.

Spendenaufruf für Grab von im KZ ermordeter Familie

Die Verlängerung des Ehrengrabs Schmids am Kommunalfriedhof hatte in der Vorwoche für Diskussionen gesorgt. Vor allem die Bürgerliste hatte kritisiert, dass es nicht angemessen sei, Mitgliedern der NSDAP eine solche Ehrung zuteilwerden lassen - egal ob der Komponist nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Zuge der Entnazifizierung als "minderbelastet" eingestuft wurde oder ein echter "Illegaler" war.

Nach dem Beschluss im Kulturausschuss meldeten sich am Donnerstag auch der KZ-Verband und der Bund sozialdemokratischer Freiheitskämpfer zu Wort. Sie riefen zu einer Spendenaktion für die Erhaltung eines Familiengrabes am Kommunalfriedhofs an, in dem Mitglieder einer teilweise in Auschwitz ermordeten Sinti-Familie aus Salzburg begraben sind. Eine in Wien lebende Angehörige fürchtet, die Grabstätte ihrer Verwandten auf Dauer nicht mehr finanzieren zu können.

25.000 Euro für Ehrengrab Schmids

Aufhorchen ließen am Donnerstag die Stadt-Neos, die im Kulturausschuss nicht stimmberechtigt waren. Sie kündigten einen Antrag an, wonach Salzburg zukünftig Grabstätten von Opfern des Nationalsozialismus gemäß dem Opferfürsorgegesetz bezahlen soll bzw. diese von den Friedhofsgebühren ausgenommen sein sollen. Detail am Rande: Für Grab, Pflege und Instandhaltung des Ehrengrabs für Schmid fallen für 30 Jahre Kosten in der Höhe von rund 25.500 Euro an. (APA)