Die 3K K-onnection aufs Kitzsteinhorn.
Saisonbeginn

Skifahren: Weniger Auto, mehr (Berg-)Bahn

Skifahren soll nachhaltiger werden, das ist die Botschaft des Winters. Zumindest sollen Urlauber für die Anreise mit der Bahn begeistert werden. Am Berg selbst gehen Modernisierung, aber auch Ausbau weiter.

Für Peter Brandauer könnte die Wintersaison kaum besser beginnen. Der Bürgermeister von Werfenweng im Salzburgischen Pongau erlebt einen Nachfrageboom und eine späte Bestätigung für das seit 20 Jahren praktizierte Modell der sanften Mobilität. Gäste, die nach Werfenweng mit der Bahn kommen oder den Autoschlüssel deponieren, bekommen dafür verschiedene Belohnungen inklusive einer Mobilitätsgarantie, für die Elektrofahrzeuge und Shuttledienste zur Wahl stehen. Jetzt, da nachhaltiges Reisen hoch im Kurs steht, erfreuen sich die Werfenwenger starken Zuspruchs nicht nur von Gästen, sondern auch bei überregionalen Tourismusorganisationen, Institutionen und Medien. „Dazu kommt, dass unsere eigenen Wünsche plötzlich mehr respektiert werden“, freut sich der Bürgermeister. Werfenweng ist ein Beispiel dafür, dass der Winterstart heuer nicht so routiniert ausfällt wie sonst und dass es diesmal nicht bloß darum geht, wo welche Seilbahnen und Speicherteiche neu sind und wann genug Schnee vorhanden ist.

Mit dem Zug ins Skigebiet: Bahn, Bergbahn und Touristiker schnüren Angebote.
Mit dem Zug ins Skigebiet: Bahn, Bergbahn und Touristiker schnüren Angebote.(c) Tirol Werbung / Pupeter Robert (Pupeter Robert)



Nachhaltiges Reisen und verträgliche CO2-Bilanzen gehören nun zum guten Ton. Das Problem ist nur, dass Orte dafür noch nicht vollinhaltlich aufgestellt sind. Angebote in dieser Richtung fokussieren deshalb oft leicht Organisierbares wie die autofreie Anreise. Im Salzburger Land wurden Urlaubsarrangements geschnürt für den autofreien Winterurlaub wie zum Beispiel ein verlängertes Ski-Wochenende im Gasteinertal samt Thermeneintritt oder etwa Ticket-Kooperationen von Bahn und Bergbahn in Flachau, Wagrain und St. Johann. Auch bei den Tirolern gibt es entsprechende Angebote. In Kärnten kooperieren bereits zehn Destinationen mit den ÖBB und der Deutschen Bahn.

Shuttle-Lösungen gefragt

Noch kommt eine Minderheit mit dem Zug zum Skifahren. Die Zahlen bewegen sich je nach Region zwischen acht und zehn Prozent. Das Gros fährt mit dem Auto in Skiorte, von denen viele nicht an der Bahn liegen. Deshalb sind die letzten Kilometer – zwischen Bahnhof und Skiort – der problematische Teil, fehlt es hier doch noch an akzeptablen Angeboten. Das soll besser werden, verspricht Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen (WKO), und stellt einen stetigen Ausbau kombinierter Anreisemöglichkeiten mit Bahn und Bus in Aussicht.
Was die Verkehrsentlastung im Ort anbelangt, geht die Tiroler Skiregion Serfaus-Fiss-Ladis einen eigenen Weg. Seit 1985 fährt in Serfaus eine U-Bahn bis zur Skipiste, die gerade modernisiert wurde.

Viel investiert wurde zuletzt auch bei den österreichischen Seilbahnen: geschätzte 754 Millionen Euro für diesen Winter, in Seilbahnen, Beschneiungssysteme und Infrastruktur. An spektakulären Innovationen mangelt es ebenfalls nicht. In Schladming wurde die 33 Jahre alte Seilbahn an der Planai durch eine neue Bahn mit Zehnerkabinen ersetzt. In Kitzbühel löst die neue Fleckalmbahn mit Zehnerkabinen die alte ab und ist nun von Kirchberg auf die Ehrenbachhöhe schneller unterwegs, sogar als schnellste Einseilumlaufbahn Österreichs. Beim Nachbarn, in der Skiwelt Wilde Kaiser Brixental, wurden 73,4 Millionen Euro unter anderem für neue Seilbahnen in Westendorf und Brixen im Thale ausgegeben.

Während heutzutage in der Regel neue Seilbahnen alte Anlagen ersetzen, gibt es in Kaprun das wahrscheinlich außergewöhnlichste Projekt des Winters. Dort ist der zweite Teil der Verbindung vom Ortszentrum Kaprun über den Maiskogel mit einem kleinen Skigebiet und weiter zum Gletschergebiet am Kitzsteinhorn Realität. Zwölf Kilometer lang ist die Strecke, mit der der Straßenverkehr von Kaprun zur Talstation des Gletscherjets am Fuß des Kitzsteinhorns entlastet werden soll.

U-Bahn in Serfaus.
U-Bahn in Serfaus.(c) Tirol Werbung (Andreas Schalber)


Zwischen Zell am See und Saalbach wird der ZellamseeXpress nun bis nach Viehhofen und direkt ins Glemmtal verlängert. Ein großer Schritt für die Verbindung von Saalbach/Hinterglemm mit Zell am See und der Schmittenhöhe. Dann fehlt nur noch der Verbindungslift von Viehhofen bis Saalbach, und die Zukunft mit dem prestigeträchtigen Titel „größtes zusammenhängendes Skigebiet im Land“ ist zunächst gesichert. Bei den Nachbarn am Hochkönig nimmt die neue Zehnerkabinenbahn am Gabühel ihren Dienst auf, die nun zwei alte Bahnen ersetzt und mit der die beliebte Königstour einen Flaschenhals verliert. Im Westen des Landes gibt es dann noch einen Generationswechsel. Der bei ambitionierten Skifahrern viele Jahre verehrte und ziemlich betagte Sessellift von St. Anton am Arlberg aufs steile Schindlergrat wird von einer Zehnerkabinenbahn abgelöst.

Emotionen, Attraktionen

Für besondere Emotionen sorgen allerdings Seilbahnen, die es noch gar nicht gibt. Die geplante Verbindung zwischen Ötztal und Pitztal erregt nicht nur in Tirol die Gemüter, sie erzürnt auch Umweltschützer und wächst zu einer potenziellen Politkrise heran. Drei Seilbahnen, 64 Hektar Pisten und ein Skitunnel sollen die Verbindung schaffen, über die wohl noch länger gestritten wird.

Dass das Skifahren nicht nur in sportlicher Hinsicht Schlagzeilen schafft, das unterstreicht auch die Debatte um die aus einem Schneedepot vom vergangenen Winter angelegte Skipiste auf der Resterhöhe im Kitzbüheler Skigebiet im herbstlich grünen Oktober. Das konveniert offensichtlich wenig mit den gewachsenen Ansprüchen von immer mehr Urlaubsgästen und jenen, die Wert auf nachhaltige Urlaubserlebnisse legen. Die Gratwanderung zwischen Komfort und ökologischem Bewusstsein ist für die Seilbahnwirtschaft eine nachhaltige Herausforderung.

Leichter tut man sich dabei mit der wachsenden Nachfrage nach Angeboten abseits von Pisten und Schneekanonen. Kulinarisches wie die höchsten Bauernmärkte in den Skigebieten von Ski Amadé, Street-Food-Events wie das Ski Food Festival im Hochzillertal und der Street Food Market in Zürs oder die kulinarischen Königstouren von Hütte zu Hütte rund um den Hochkönig zeigen, dass Aktivitäten neben der Piste immer wichtiger werden. Das haben auch Seilbahnunternehmen erkannt und angekündigt, dass sie verstärkt mit der lokalen Landwirtschaft zusammenarbeiten und regionale Kulinarik fördern wollen. So soll Winterurlaub in Österreich authentischer und natürlicher werden.