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Stimmtraining

Ein Instrument des Selbstmarketing

Ob beruflich oder privat, eine starke, ausdrucksvolle Stimme kann in vielen Lebenslagen von Vorteil sein.
Ob beruflich oder privat, eine starke, ausdrucksvolle Stimme kann in vielen Lebenslagen von Vorteil sein.(c) Getty Images (stevecoleimages)
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Egal ob Wochenendtraining oder langfristiger Lehrgang – an seiner Stimme zu arbeiten, ist immer sinnvoll. Dabei kommt der ganze Körper zum Einsatz.

Wer besser sprechen, singen oder sich einfach nur wohler fühlen möchte, wenn er vor anderen spricht, muss nicht gleich ein Gesangsstudium oder eine Sprechausbildung absolvieren“, sagt Diana Dressler, Inhaberin von „We make you talk“ – Sprechtraining und Stimmtraining: „Um die Stimme effizienter einzusetzen, mehr Stimmvolumen zu bekommen oder die Aussprache zu verbessern, genügen je nach Lernkurve schon wenige Trainingseinheiten.“ Wichtig sei das tägliche Üben dessen, was in Workshops oder Einzelcoachings vermittelt wurde. Dressler bietet beides: Seminare zu den Themen „Public Speaking – Der Weg zu Deiner Stimme“ oder „Vom Stimmbesitzer zum Stimmbenutzer.“ Körpergefühl sei unabdingbar bei der Arbeit mit der Stimme: Haltungsübungen können dabei helfen, eine flexible Rumpfmuskulatur zu bekommen, die sich wiederum auf die Atmung und somit auf die Qualität der Stimmgebung auswirkt. „Unser stimmliches System ist komplex, es gibt kaum eine größere Herausforderung, als auf diesem Gebiet zu arbeiten, weil immer der Mensch als Ganzes vor uns steht, mit all seinen Stimmungen, funktionalen Abhängigkeiten und sprachlichen Gewohnheiten.“

 

Körpersprache  und Stimme

„Es gibt einen Zusammenhang zwischen Körpersprache und Stimme. Denn Bewegungsmuster erzeugen Stimme“, weiß Stimmtrainer Arno Fischbacher, Gründungsmitglied des DACH-weiten Netzwerks stimme.at. Wer seine Stimme entwickeln möchte, sollte zum einen das Gehör schulen und zum anderen lernen, seinen Körper zu spüren, sagt Fischbacher. Plus: „Man muss sich klarmachen, dass der Organismus alles kann, das aber nicht unbedingt gewohnt ist. Beschäftigung mit der Sprache heißt also immer auch, Gewohnheiten zu entwickeln und kurzfristig abrufen zu können.“ In seiner „Voice sells!“ Online-Akademie lernt man in zwölf Einheiten im individuellen Tempo, sich Gehör zu verschaffen.

Diese Fähigkeiten sind nicht nur privat und im derzeitigen Beruf von Vorteil, sie lassen sich auch direkt verwerten. In der Wirtschaft und in den Medien werden laufend Stimmen für Mailboxen, Internet, Werbung, Firmenpodcasts oder -Videos gesucht. Auch Veranstalter buchen ausgebildete Sprecher und Moderatoren. „Professionelle Stimmbildung findet bei uns im Einzeltraining statt. Die Einheiten werden individuell vereinbart. Daher kann jederzeit mit der Ausbildung begonnen und auch neben dem Beruf trainiert werden“, sagt Tatjana Lackner, Kommunikations- und Verhaltensprofilerin. Wer allerdings eine Sprecherausbildung mit Diplom in ihrer „Schule des Sprechens“ machen möchte, muss ein Aufnahmegespräch bestehen. Diese Ausbildung dauert ein Jahr lang und umfasst 70 Trainingseinheiten. „Die meisten Prüflinge haben mit der Diplom-Sprecherausbildung zum professionellen Berufssprecher als Zweitjob begonnen. Ab dem Zeitpunkt, als sie sich neben ihrem Broterwerb mit ihrer Stimme und damit mit sich selbst befasst haben, ist bei jedem einzelnen etwas in Gang gekommen. Diese Persönlichkeitsarbeit hat ihnen Kraft und vor allem Sinn gegeben.“

 

Ist Dialekt erlaubt?

Ein heikler Punkt ist das Thema Dialekt. Dieser gehört für viele zur Persönlichkeit. Doch wer mit seiner Stimme Geld verdienen möchte, tut gut daran, das Abschleifen der Mundart nicht mit Identitätsverlust gleichzusetzen. „Bei Hörbüchern, Dokumentationen sowie faktenorientierten Vorträgen ist die reine Hochsprache ein Muss“, sagt Daniela Zeller, Geschäftsführerin von Freiraum Kommunikation. „Wenn jemand Emotion und Sympathie ausstrahlen möchte, ist Dialekt hilfreich.“ In Kursen, Seminaren und Einzelcoachings vermittelt Zeller Know-how wie „Die Sprache des Erfolgs“, „Richtig sprechen am Mikro“ oder „Power-Rhetorik“. In Abendkursen lehrt sie, wie man Stimmhygiene betreibt und seine Stimme jung erhält. Weitere Themen, die vertieft behandelt werden: Atemtechniken und Stimmtraining, Sprechtechnik und Sprachgestaltung.

Gunda Hofmann, Geschäftsführerin des Zentrums für Stimme und Sprechen meint zum Thema Dialekt „gewusst wo, gewusst wie“. Wichtig sei die Verständlichkeit. „Manche Menschen, die ,Speaker of the Year' waren, sprechen nur im Dialekt. Es ist ausschlaggebend, authentisch, stimmig zu bleiben. Wenn es sonst gekünstelt wirkt, dann lieber beim Akzent bleiben.“ In ihren Semesterkursen setzt Hofmann auf eine Mischung zwischen Sprech-, Stimm- und Atemtraining. „Mir ist wichtig, den Menschen den Leistungsanspruch beim Sprechen zu nehmen. Die Leistung kommt durch die Entwicklung der Stimme, durch regelmäßiges Üben, die Beschäftigung mit dem Thema, über Erfahrungen, die gemacht und verinnerlicht werden“, sagt Hoffman. Zu ehrgeizige Ansprüche zu stellen, sei eher kontraproduktiv, das erzeuge Druck und Druck töte die Stimme, die Sprache und den Ausdruck.

 

Web: www.stimme-und-sprechen.at

https://we-make-you-talk.com

www.sprechen.com, www.stimme.at

https://arno-fischbacher.com

www.freiraum-kommunikation.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2019)