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Hausgeschichte

Wohnen in Großmutters Haus

Wohnen in Großmutters Haus
Wohnen in Großmutters Haus(c) Barbier
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Designerin und Neo-Bäuerin Laura Wolfsteiner hat der Großstadt den Rücken gekehrt und das Haus ihrer Oma in Aschach an der Donau liebevoll renoviert.

Im Jahr 1947 übernahmen die Urgroßeltern Wolfsteiner das alte Bauernhaus im Bezirk Eferding, bis 2004 lebte dort die Großmutter, „die großartigste Person der Welt“, wie Laura Wolfsteiner findet. „Man merkt am Haus, dass meine Großeltern und Urgroßeltern kaum finanzielle Mittel hatten. Das war auch nicht relevant für ihr Glück.“ Das spüre man immer noch: „Es strahlt diesen Charme, diesen Ideenreichtum, diese Einfachheit, das Bescheidene, das Schöne immer noch aus.“ Es sei ein Haus zum Darinleben, kaum geeignet zum Angeben oder Vorführen. „Mir erscheint es so, als wäre es das gutmütigste Haus der Welt und würde einen umarmen“, beschreibt Wolfsteiner.

Wolfsteiner in der Küche
Wolfsteiner in der Küche(c) Barbier

 

Vom Behelf zum Glanzstück

Daneben steht das moderne Haus der Eltern, in dem sie aufwuchs. „Meine Mutter wollte das alte immer wegreißen, weil es nicht schön, nicht renoviert war. Heute hat sie ihre Meinung geändert.“ Wolfsteiner zog schon mit 16 Jahren in den alten Hof – in den von der Großmutter nicht genutzten Teil: eine kleine Wohnung mit Küche, Bad und Schlafzimmer. „Eine gute Lösung. Es wurde damals zu Hause eher ungemütlich mit Mutter unter einem Dach,  da wir verschiedene Auffassungen von Ordnung hatten.“

Der unprätentiöse Hauseingang.
Der unprätentiöse Hauseingang.(c) Barbier

Dass ein Freund damals zeitgleich für seine Band einen Partykeller suchte, traf sich natürlich gut. Der Proberaum fand im alten Kinderzimmer der Tante Poidi Platz, ein temporäres Tonstudio entwickelte sich nebenan. Perfekt war das Haus allerdings nicht: Um ins Wohnzimmer zu gelangen, musste man durch das Schlafzimmer der Großmutter. In dem dann auch nach ihrem Tod nichts verändert werden durfte, gesteht Wolfsteiner: „Weil ich den Geruch so geliebt habe und zu konservieren versuchte.“

Nicht nur aus Geldmangel erwarb Wolfsteiner schon als Studentin gern auf Flohmärkten das eine oder andere Möbelstück, das sie bei Bedarf auch renovierte. Nun fanden viele Stücke mit dem Haus einen geeigneten Rahmen: „Ich wollte das Schöne behalten und in Szene setzen.“

 

Renovieren à la Wurstsalat

Die Renovierung des Hauses war ein langsamer, oft unvorhersehbarer Prozess, Zimmer für Zimmer. Die ehemalige Wohnung der Großmutter wurde komplett entkernt, alle Türen wurden entfernt, der Fußboden mit Estrich gegossen und schwarz gestrichen. Aus dem alten Schweinestall wurde ein komfortables Badezimmer mit großem Panoramafenster. Ein Stück Wand zwischen Wohnzimmer und Esszimmer wurde abgerissen, die Kastenfenster neu gemacht, das Haus gekalkt. „Diese Aktion hat mich Ausdauer gelehrt“, erzählt Wolfsteiner. „Draußen hatte es 36 Grad, alle anderen waren am Badesee, während ich mein Haus mit ,Milch‘ bürstete, die nicht deckt, zumindest nicht sofort.“ Ansonsten wurde auch hier das von Wolfsteiner so genannte „Wurstsalat-Prinzip“ angewandt: Man nimmt, was zur Verfügung steht, und macht das ästhetisch wie praktisch Beste daraus. Mit möglichst geringem (Kosten-)Aufwand. „Wir haben also alles sehr nachhaltig, ressourcenschonend und mit wenig finanziellem Einsatz bewältigt.“

Natur trifft Design im Badezimmer.
Natur trifft Design im Badezimmer.(c) Barbier

Beim Wohnen und Einrichten ist Wolfsteiner heute besonders wichtig, dass alle Dinge nicht nur ästhetisch ansprechend sind, sondern vor allem benutzt werden. Dass man sich selbst nicht zwecks der Ästhetik kasteit. „Man darf schon sehen, dass gewohnt wird“, lautet ihre Devise. Ihren Einrichtungsstil sieht sie als natürlich und entspannt, am liebsten sind ihr schlichte, klare Formen und Farben und viel Weiß. Doch stößt sie immer wieder auf eigene Widersprüche: „Ich mag es reduziert, aber ich sammle gern. Ich mag Vintage-Möbel genauso wie Modernes/Schlichtes.“ Letztendlich entscheidet die Sympathie für ein Objekt. Auch die Küche wurde nach dem Wurstsalat-Rezept  renoviert: Zuerst wurde ein großer Schrank aus Seekiefer gebaut, aus dessen Resten die Küchenschränke und die Küchenbank. Der Rest kam in den Ofen. Das Nachtkastl ist aus dem Stiegenhaus ihrer ersten Wiener Wohnung, ein Ohrensessel aus dem Schloss Rufling. Er gehörte Verwandten ihres Manns – was sie erst erfuhr, als er schon längst in ihrem Besitz war. Sich gemütlich zurückzulehnen steht aber weniger auf dem Programm: Mit ihrem Mann hat sie soeben den Bauernhof seiner Eltern in Leonding übernommen.

Zum Ort, zur Person

Aschach an der Donau wurde bereits 777 erwähnt und gehörte zum Herzogtum Bayern. Heute hat der rund 30 km von Linz entfernte Ort rund 2100 Einwohner. Einfamilienhäuser kosten im Bezirk Eferding zwischen 773 und 2405,5 Euro/m2. Das Haus wurde von der Autorin und Grafikerin Laura Wolfsteiner erneuert, umgebaut und mit ausgewähltem Mobiliar bestückt. www.wienerwoerter.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2019)