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Hart gefeilscht, wenig erreicht:  Wie die Opec den Ölpreis stützt

Das Ölkartell schränkt sich ein, um den Preis für das schwarze Gold anzukurbeln.
Das Ölkartell schränkt sich ein, um den Preis für das schwarze Gold anzukurbeln.(c) REUTERS (STRINGER)
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Mit einer weiteren Produktions-Drosselung reagiert das Kartell auf die geringere Nachfrage. Das hilft auch dem Aramco-IPO.

Wien/Riad. Wie viel Öl wird die Welt angesichts der vom Handelsstreit zwischen den USA und China gedämpften Konjunktur und gleich mehreren politischen Brandherden im nächsten Jahr brauchen? Die Antwort auf diese Frage machten sich die 14 Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und die zehn mit ihr kooperierenden Staaten (Opec+), darunter das Schwergewicht Russland, bei ihrem Treffen in Wien nicht leicht. Nach mehr als sechs Stunden harten Ringens und Feilschens kam es doch zu einem Ergebnis: Die vor einem Jahr beschlossene Drosselung der Fördermenge um 1,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag, die bis Ende März gilt, wird um 500.000 Fass ausgeweitet.

Eine Verlängerung der Vereinbarung bis Ende Juni 2020, wie sie zuletzt diskutiert worden war, wäre jedoch eine Überraschung, meinten Beobachter. Am Freitag ging es vielmehr darum, in welchem Umfang einzelne Länder ihre Produktion herunterfahren. Auch dabei dürfte nicht so schnell Einigkeit erzielt werden. Denn der Irak und Russland produzieren derzeit zu viel Öl, auch Nigeria fällt es schwer, sich an die bestehende Vereinbarung zu halten. Just der irakische Minister forderte sogar eine Verschärfung um weitere 400.000 Barrel Öl am Tag.

Saudiarabiens Energieminister Abdulaziz bin Salman hat das Ölkartell und die mit ihm kooperierenden Staaten am Freitag zu Geschlossenheit und Kompromissbereitschaft aufgerufen. „Wenn wir uns nicht mit der Realität befassen, glaube ich nicht, dass wir das erreichen können, was wir hier anstreben“, sagte bin Salman. Der russische Energieminister Alexander Nowak betonte, dass es wichtig sei, als Opec+ ein „klares Signal an die Märkte“ zu senden.

Saudiarabien, das in der Opec den Ton angibt, hat schon zuletzt deutlich weniger Öl aus dem Boden gepumpt als erlaubt. Der Grund: Es galt, den Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Aramco, der nächste Woche am Mittwoch oder Donnerstag bevorsteht, zu stützen.

 

Knapp 30 Mrd. Dollar Erlös

Das scheint geglückt: Mit einer 4,7maligen Überzeichnung und einem Preis von 32 Rial (8,5 Dollar) am oberen Ende der Spanne schlägt das IPO alle Rekorde. Obwohl nur 1,5 Prozent statt der ursprünglich geplanten fünf Prozent Aktien in den Handel kommen, kann Saudiarabien mit einem Erlös (inklusive Ausnutzung der Mehrzuteilungsoption) von 29,4 Mrd. Dollar rechnen. Das entspricht einer Bewertung von 1,7 Billionen Dollar. Aramco ist der größte Börsengang der Geschichte, auch wenn von einem Listing in London und New York nicht mehr die Rede ist und sich internationale Investoren zurückhalten.

Zurück zur Opec: Mit der Förderbremse wollen die Ölländer den Preis für den Rohstoff halten bzw. nach oben pushen. Das ist im laufenden Jahr halbwegs gelungen: Der Preis für Opec-Öl ist am Donnerstag moderat auf 64,81 Dollar pro Barrel gestiegen. Am Mittwoch kostete das Barrel noch 63,39 Dollar. Zu Jahresbeginn lag der Preis bei rund 57 Dollar.

Gleichzeitig gilt es, auf die geringere Nachfrage zu reagieren. Die es laut der Internationalen Energieagentur tatsächlich gibt: Im Oktober wurden weltweit nach Angaben der Opec insgesamt 99,3 Millionen Barrel Öl pro Tag gepumpt, 29,7 Millionen Fass durch die Opec-Staaten. Im ersten Halbjahr 2020 soll der Bedarf nur bei 28,3 Millionen Fass liegen.

Mit der Drosselung verlieren aber die Länder auch Marktanteile im internationalen Ölgeschäft, was angesichts des Ausbaus der Fracking-Aktivitäten in den USA besonders schmerzt. Zupass kommt da nur, dass zwei wichtige Förderer und Opec-Mitglieder, Venezuela und Libyen, wegen ihrer schweren Krisen nur wenig fördern.

Experten sind nicht einig, was die Entscheidung bringen wird. „Die Kürzung um 500.000 Barrel pro Tag hört sich zwar gut an, schreibt aber nur die aktuellen realen Fördermengen fest“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch meint, dass die Kürzung im Hinblick auf den geringeren Bedarf noch höher ausfallen müsste.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2019)