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Walk of Häme

Zahlen für die große Axt

Oder: Warum die Spesenaffäre nun auch zu pädagogischen Debatten führt.

Als eine in einer Demokratie vordringliche Aufgabe gilt es ja, junge Menschen für Politik zu interessieren. Das gelang jüngst zwar unabsichtlich, aber auf offenbar nachhaltige Weise. Die vor gut einer Woche aus der Spesenaffäre generierte Nachricht, der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache habe das Online-Spiel Clash of Clans gespielt und dabei mit der Kreditkarte seiner Partei bezahlt, beschäftigt Kinder, Teens und Twens gleichermaßen immer noch. Und zwar gleich auf mehreren Ebenen.

Zunächst erstaunt der Umstand, dass ein Erwachsener, noch dazu ein Spitzenpolitiker, Parteichef und Vizekanzler, überhaupt eine und dann ausgerechnet diese Spiele-App verwendet. Dazu muss man wissen, dass es bei Clash of Clans darum geht, ein Dorf aufzubauen, groß zu machen und im Kampf benachbarte Stämme zu besiegen. Dabei erwirbt man Skills, die Strache zuletzt vor allem auch im eigenen Dorf gut brauchen konnte. Die Darstellung der Figuren und Landschaft ist dabei übrigens comichaft und damit im weitesten Sinne eher für jüngere Spieler gedacht (und nicht wie viele für ältere Gamer konzipierten Spiele wie etwa Ego-Shooter hyperrealistisch).

Dazu kommt noch ein pädagogisch heikler und in vielen Familien kontrovers diskutierter Punkt: Die Frage, ob man für Online-Spiele Geld ausgeben darf. Auch hier zur Erklärung: Die Basisversion dieser Spiele ist als Gratis-App herunterladbar. Wer allerdings zusätzliche Leben oder besseres Material haben will, als die Basis-Version sie bietet, muss dafür immer wieder kleinere Beträge bezahlen, die sich freilich summieren. Für Eltern in der Regel ein absolutes Tabu, für die Kinder ein ständiger unerfüllter Wunsch. Dass Strache bei Clash of Clans etwas kaufen darf (da geht es im Übrigen um so Dinge wie eine größere Axt!), sorgt bei Kindern und Jugendlichen für Neid und Murren.

Lustigerweise ist der Punkt, der politisch und strafrechtlich am heikelsten ist, dass die In-App-Käufe nämlich mit einer FPÖ-Kreditkarte getätigt wurden (irrtümlich, und das Geld wurde danach an die Partei zurücküberwiesen, wie Strache angibt), für den Nachwuchs an der ganzen Geschichte am uninteressantesten.

Strache hat übrigens weder dementiert, Clash of Clans gespielt, noch dafür bezahlt zu haben...

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2019)