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Kunstmesse

Teuerste Banane der Welt

Diese Banane ist Selfiestar und Gesprächsthema Nummer eins in Miami.
Diese Banane ist Selfiestar und Gesprächsthema Nummer eins in Miami.(c) APA/AFP/GETTY IMAGES/Cindy Ord (Cindy Ord)
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Die neue Arbeit von Maurizio Cattelan stiehlt auf der Art Basel Miami Beach allen die Show. Auch sonst brummt in der Stadt das Geschäft.

Auf der diesjährigen Art Basel Miami Beach dreht sich alles um eine Banane. Eine echte Banane, die auf dem Stand der Galerie Perrotin mit einem grauen Klebeband an die Wand gepickt ist. Vor der Banane ist eine Menschenansammlung, die darauf wartet, eine Chance auf ein Selfie zu erhaschen.

Eine an die Wand geklebte Banane für sich genommen ist bestenfalls etwas seltsam. Doch diese Banane hat der italienische Künstler Maurizio Cattelan an die Wand geklebt und mit dem Titel „Comedian“ versehen.

Für weltweite Schlagzeilen sorgte das Werk, weil schon am ersten Tag zwei der drei verfügbaren Exemplare für 120.000 Dollar verkauft wurden – und zwar nach Frankreich. Das dritte soll an ein Museum gehen. Und weil sich mehr als ein Museum dafür interessiert, wurde der Preis auf 150.000 Dollar angehoben.

Die teuerste Banane der Welt hat ganz Miami erfasst. Überall hängen Bananen. Das Colony Theater in der Einkaufsstraße Lincoln Road kündigt an: „Be an artist. Free Banana and duct tape. Inquire inside“. Zudem wird heiß diskutiert, wie denn das mit der Haltbarkeit der Banane ist. Perrotin versichert, dass die Banane ausgetauscht werden kann. Schließlich macht das Zertifikat von Cattelan die Banane erst zum Kunstwerk.

Großes im Ballroom. Die Messe selbst hat heuer wieder mit Veränderungen aufzuwarten. Was in Basel schon lang unter dem Titel „Unlimited“ läuft, gibt es jetzt unter dem Namen „Meridians“ erstmals auch in Miami: eine eigene Sektion für Großformate. 34 Werke wurden von der mexikanischen Kuratorin Magali Arriola ausgewählt und sind im Grand Ballroom im Oberstock untergebracht. Der Ballroom hat zwar eine beachtliche Größe, doch der Teppich mit unruhigem Muster lenkt von der Kunst ab.
Die Kuratorin hat sich bei der Werkauswahl auf die beiden Amerikas konzentriert. Zu den beeindruckenden Installationen gehört Isaac Juliens neun Screens umfassende Arbeit „Lina Bo Bardi – A Marvellous Entanglement“, die sich mit der visionären brasilianischen Architektin und Designerin Lina Bo Bardi beschäftigt. Lokalen Bezug nimmt die Installation „Deep Travels Ink“ von Laure Prouvost, die ein pseudofunktionales Reisebüro in Miami hinbaute, Poster, Wasserspender und Zimmerpflanzen inklusive. Prouvost hat dieses Jahr Frankreich auf der Biennale in Venedig vertreten. Candice Lins greift in ihrer Videoarbeit „La Chirada China (Tobacco Version)“ die kaum beachtete Immigration chinesischer Arbeiter in die Karibik im 19. Jahrhundert auf. Doch hier ist auch bunte leichte Kost zu finden, die in Miamis oberflächliche Partywelt passt.

Zum ersten Mal greift heuer auch die geänderte Preispolitik der Messe, die jungen Galerien Rabatte auf die Standmiete einräumt. Rund ein Duzend Galerien haben davon profitiert und bringen frische, junge Positionen auf die Messe. Insgesamt war heuer wieder mehr junge Kunst zu sehen als in den Jahren zuvor. So etwa bei Hauser und Wirth, die eine Pastelllandschaft von Nicolas Party im Programm hatten und für 385.000 Dollar an eine amerikanische Institution verkauften.

Ein echter Highfligher ist der Maler Amoako Boafo aus Ghana, der übrigens in Wien lebt und arbeitet. Seine ausdrucksstarken Porträts, die teilweise Anleihe an Schiele nehmen, waren am Stand von Mariane Ibrahim schon nach kurzer Zeit ausverkauft. Die Preise reichen von 15.000 bis 45.000 Dollar.

Die Pariser Galerie Templon reüssierte mit neuen Bildern des jungen Senegalesen Omar Ba. Er gehört, wie zurzeit viele afrikanische Künstler, zu den aufsteigenden Sternen am Kunstmarkt. Seine Werke wurden unter anderem an den Louvre Abu Dhabi verkauft.

Die Verkäufe waren generell gut. Zwirner verkaufte ein Gemälde von Bridget Riley für 1,5 Millionen Pfund und zwei Arbeiten von Oscar Murillo für 450.000 Dollar. Murillo ist einer der vier Turner-Preis-Nominierten, die sich entschlossen, den Preis zu teilen. Pace Gallery verkaufte am ersten Tag mehr als 20 Arbeiten, darunter Robert Rauschenberg um knapp eine Millionen Dollar. Auch die Liste an Verkäufen von Thaddaeus Ropac ist lang: Er verkaufte mehrere Arbeiten von Georg Baselitz, darunter „Herdoktorfreud Grüßgott Herbootsmann“ um eine Million Euro, ebenso von Donald Judd, Untitled von 1991, für 900.000 Dollar.

Rosemarie Schwarzwälder von der Galerie nächst St. Stephan hat eine Arbeit von Herbert Brandl an die private Sammlung von Jorge M. Pérez verkauft, der das Pérez Art Museum gründete, sowie zwei weitere Arbeiten von ihm nach Texas. Die Arbeiten kosten ohne Steuer 37.000 Euro. Zwei Werke von Imi Knoebel gingen für insgesamt 110.000 Euro weg, Daniel Knorr für insgesamt 50.000 Euro. „Knorr ist der Renner“, sagt Schwarzwälder. Er wurde mit der Künstlerin Isa Melsheimer für die Kabinetts ausgewählt. „Melsheimer arbeitet mit Keramiken. Das kommt in den USA sehr gut an“, sagt die Galeristin. Von den kuratierten Kabinetts hält sie viel, weil es viel Aufmerksamkeit von Kuratoren bekommt.
Ähnlich begeistert von Kabinetts ist Ursula Krinzinger . Sie zeigt ein iranisches Künstlerkollektiv, bestehend aus Ramin Haerizadeh, Rokno Haerizadeh und Hesam Rahmanian. Die drei leben inzwischen in Dubai. Sie beschäftigen sich unter anderem mit der europäischen Flüchtlingskrise. Kollagen kosten 12.000 Dollar, der Tisch 35.000 Dollar.

Neben diesen drei österreichischen Galerien sind noch Ernst Hilger, Lisa Kandlhofer und Sophie Tappeiner in Miami. Hilger ist auf der Art Miami und hat dort Unique Pieces von Streetart-Künstler Shepard Fairy für 8000 Dollar verkauft sowie mehrere Blätter der neuen Edition von Alex Katz für 18.000 Dollar. Für eine große Arbeit von Mel Ramos gibt es Interesse. Allerdings wird Ramos zurzeit recht viel angeboten.

Kandlhofer ist auf der Untitled und zeigt den jungen Künstler Grear Patterson. Seine Arbeiten sind inspiriert von T-Shirts seines Großvaters, die dieser ihm hinterließ. Daher nennt er sie „Shirt Paintings“. Die Preise reichen von 16.000 bis 22.000 Dollar. Tappeiner stellt mit Anna Schachinger erstmals auf der NADA Miami aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2019)