Auch Erwachsene brauchen hie und da eine Motivation zum Zähneputzen.
Playbrush Smart One

Der Controller in der Hand

Zähne putzen und Spaß? Das muss kein Widerspruch sein, zeigt das österreichische Start-up Playbrush mit der Smart One, einer Schallbürste für Erwachsene.

Hand aufs Herz, das Zähneputzen zählt nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen morgens und abends. Die einen gehen leidenschaftlich gern spazieren, sobald die Putzroutine beginnt. Drei Minuten sollen es sein, also wird wahllos und mit wenig Konzept geschrubbt. Ein Vorgang, der durchaus Optimierungspotenzial hat.

Vor einiger Zeit berichteten wir an dieser Stelle von einer Schallzahnbürste speziell für Kinder. Damit sie lernen, wie Zähne richtig geputzt werden und der Gang zum Zahnarzt nicht zu einem Melodram in fünf Akten wird. Das Gleiche gibt es nun für Erwachsene von Playbrush.

Über die kostenlose App wird die Bürste mit dem Smartphone über Bluetooth gekoppelt. Oben, unten, rechts, nach links, ab in Richtung Backenzähne. Wer zu fest drückt, wird informiert. Der Spieler, also der Putzende, wird per Vibration über Fortschritt, Wechsel der Zahnseiten und Erreichen der optimalen Putzdauer informiert. Es ist, als hätte man einen Controller in der Hand, und kommt dennoch Langeweile auf, gibt es Spiele, die auf die Dauer des Putzvorgangs optimiert sind. Am Bürstenfuß wird mittels Lichtsignal informiert, wenn Druck und Putzgeschwindigkeit angepasst werden müssen.

Nicht eine unter vielen. 2017 konnte Paul Varga, der Firmengründer bei der Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ auf Puls4 ein Millioneninvestment erzielen. Der erste Schritt war, eine Zahnbürste für Kinder zu entwickeln. Geboren wurde die Idee, als er Zeuge wurde, wie sein Neffe partout vor dem Schlafengehen nicht noch seine Zähne putzen wollte. Mit einem YouTube-Video war das Drama beendet, aber das Putzergebnis wenig optimal.

Das müsse sich besser machen lassen, dachte sich der Firmengründer damals und entwickelte gemeinsam mit einem Team aus Wien und London den ersten smarten Aufsatz, eine echte Schallbürste für Kinder folgte später. Doch auch Erwachsene brauchen eine Motivation – mit einem vernünftigen Preispunkt.

Die Playbrush Smart One kostet im Onlineshop 70 Euro und ist in drei Farben erhältlich. Und nicht nur beim Preis unterscheidet sich die smarte Bürste von der Konkurrenz. Für ein Abo von knapp 50 Euro im Jahr erhält man in regelmäßigen Abständen einen neuen Bürstenkopf, insgesamt acht Stück.

Playbrush zahlt den Zahnarzt. „Wer mit Smart One putzt, zahlt weniger beim Zahnarzt“, so das Versprechen von Playbrush. Denn mit jedem Putzen sammelt man Geld, „bis zu 110 Euro“. Die Versicherung inkludiert Mundhygiene und eine weiße Füllung, sollte es dennoch passieren, dass sich trotz akribischen Putzens ein Loch bildet. Die Rechnung kann in der App hochgeladen werden und wird dann refundiert. Dieses All-Inclusive-Abo kostet 100 Euro pro Jahr. Bei beiden Abomodellen gibt es eine 30-tägige Probezeit.

Fazit. Die Bürste liefert auch ohne App ein sehr gutes Putzergebnis und liegt sehr gut in der Hand. Mit Hilfe der Smartphone-Anbindung lernt man aber selbst nach Jahrzehnten an Erfahrung noch einiges dazu. Mehr als eine Woche hielt der Akku durch, aber mit der praktischen Ladestation landet die Smart One automatisch an ihrem Platz. Besonders angenehm ist der große Bürstenaufsatz, der an eine herkömmliche Zahnbürste erinnert. Zähne zu putzen ist jetzt nicht zur Lieblingsbeschäftigung geworden, aber es ist deutlich unterhaltsamer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2019)