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Glosse

Sammelleidenschaft

Sammler werden heute gern belächelt. Briefmarken, Bierdeckel, Panini-Pickerl oder Autogramme. Wer macht so etwas noch? Heute wird gestreamt, geshared oder geliked. Zumindest die Likes sind noch nicht verpönt – noch nicht.

Für all die Jäger und Sammler, die sich mit ihrem Hobby schon etwas antiquiert vorkommen, fabrizierte die Landespolizeidirektion Oberösterreich eine beruhigende Nachricht. Es gibt Sammler, die sind noch schräger als man glauben möchte. Zugetragen hat sich die Sache in Schwanenstadt. Dort hat die Polizei einen zwar 28 Jahre jungen, dennoch aber altbekannten Burschen hopsgenommen. Er hat auch gleich zugegeben, dass er das Autoradio gestohlen hat. Die Polizei wollte aber sicherheitshalber noch einen Blick in sein Zimmer werfen.

Und dort fanden die Beamten – sorgfältig an die Wand geschraubt – Kennzeichen. Für Autos, Mopeds, aus verschiedenen Ländern. Ja, sogar rote Fahrradheckträgerkennzeichen waren dabei. „Sammelleidenschaft“, meinte der Mann zu seiner Verteidigung. Ja, diese Sammelleidenschaft ist manchmal wirklich zum Verrücktwerden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2019)