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Manager präsentieren "Flexi-Pension"

Manager präsentieren
Manager präsentieren "Flexi-Pension"Sozial-Experte Bernd Marin (c) APA (Günter R. Artinger)

Österreichs Manager wollen ein neues Pensionssystem. Das "Marinsches Pensionsmodell" soll bis zum Jahr 2030 ausfinanziert sein. Sozialexperten Bernd Marin glaubt an die Umsetzung seines Modells.

Dazu hat der Managementclub ein Pensionsmodell in Auftrag gegeben, das vom Präsidenten der Vereinigung, Herbert Paierl (ehemaliger steirischer VP-Landesrat), und dem Sozialexperten Bernd Marin Montag Vormittag präsentiert wurde. Hauptziel des Konzepts ist, dass die Österreicher später ihren Ruhestand antreten. Um den Drang zur Frühpension zu bremsen, müssten die Abschläge deutlich erhöht werden, argumentieren die Pensionsreformer.

"Flexi-Pension"

Basis des neuen "Flexi-Pension"-Modells wäre ein echtes Pensionskonto, das ausweist, wie viel eingezahlt wurde und wie hoch der Pensionsbezug wäre, wenn der Ruhestand sofort angetreten würde. Wann man in Pension geht, soll künftig individuell entschieden werden. Ist einmal eine Mindestpension (784 Euro/14 mal pro Jahr) erreicht, kann sich der Versicherte sofort zur Ruhe setzen, unabhängig von seinem Alter.

Freilich hätte er dann mit deutlich erhöhten Abschlägen zu rechnen, Marin schlägt rund 6,3 Prozent pro Jahr vor, ein Plus von fünzig Prozent gegenüber dem Ist-Stand. Auf der anderen Seite würde der Bonus gleichermaßen erhöht, wenn jemand über das gesetzliche Pensionsalter 65, das künftig nur noch Referenzpensionsalter wäre, hinaus im Arbeitsleben bleibt.

Langsame Anhebung des Pensionsalters

Die 65 wären im Managementclub-Modell auch nicht für alle Zeiten eingemeißelt. Ab dem Jahr 2020 würde das Referenzpensionsalter um ein bis zwei Monate jährlich steigern. Um zu verhindern, dass ältere Arbeitnehmer auf die Straße gedrängt werden, sollten Firmen Pönalen drohen, wenn sie hier einschlägig vorgehen. Ein Bonus für die Arbeitnehmer wäre, dass sie schon während ihrer Berufstätigkeit ein Jahr Jahr Auszeit aus ihrer Pensionsersparnis nehmen könnten, etwa für eine Pflege-oder Bildungskarenz.

Die Hacklerregelung würde gemäß dem Konzept spätestens 2014 auslaufen, das Frauenpensionsalter sollte jenem der Männer bereits 2020 angeglichen werden. Für Bezieher von Sonderpensionen - beispielsweise Alt-Politiker oder Mitarbeiter der Nationalbank - würde eine Art Privilegien-Steuer eingezogen. Denn in diesem Bereich seien die hohen Renten zu 85 Prozent nicht durch Beiträge gedeckt. Von dieser Lücke sollten fünfzig bis zwanzig Prozent als Selbstbehalt geleistet werden.

Optimistische Manager

Der Managementclub und Forscher Marin glauben, dass das Modell tatsächlich eine Chance auf Umsetzung hat, da das System auf Dauer nicht finanzierbar ist. Bis 2030 glaubt man an Einsparungen zwischen 7,5 und 11,8 Milliarden jährlich. Die Pensionen wären dann erstmals vollständig finanziert, heißt es in dem Konzept unter Bezugnahme auf den aktuellen Bundesbeitrag von 12,2 Milliarden Euro.

Dass es einen Reformbedarf gibt, untermauerte Marin mit allerlei Statistik. So verwies der Pensionsexperte etwa darauf, dass in Österreich eine Dreiviertel Million im besten Erwerbsalter bereits in Pension ist. Siebzig Prozent gingen vor dem gesetzlichen Pensionsalter in den Ruhestand, neunzig Prozent vor 65. Betrachte man jene Zeit, die Österreicher im Erwerbsleben verbringen im Vergleich zu jenem ohne Arbeitseinkommen, hat sich in den letzten vierzig Jahren ein radikaler Wandel vollzogen. 1970 wurde 43 Jahre gearbeitet, 34 Jahre war man in Pension, Schule, Kindergarten etc. Nunmehr stehen 35 Erwerbsjahre 48 Jahren außerhalb des Arbeitslebens gegenüber.

(APA)