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So wie bei Faymann

Teile der SPÖ-Basis haben schon einmal einen Parteichef weggeputscht. Gebracht hat es ihnen nichts.

Man fühlt sich in die Endphase der Ära Faymann zurückversetzt. Auch damals gab es einen Parteichef, dem kaum jemand eine Zukunft gab, der aber wild entschlossen war, seine Position zu verteidigen. Sogar das handelnde Personal ist teilweise dasselbe: Doris Bures war an der Seite von Werner Faymann, jetzt ist sie die wichtigste Stütze von Pamela Rendi-Wagner. Und auch der derzeitige Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch war damals dabei, wenn auch nicht in führender Position.

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Geprägt ist die SPÖ von wilden Flügelkämpfen. Da gibt es die Linken, getragen von der Parteijugend, mit dem früheren Bundesgeschäftsführer Max Lercher als Hoffnungsträger. Die pragmatische Linke rund um den Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser. Den rechten Flügel mit dem burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil als Frontmann. Und die Pragmatikerfraktion, die gerne einen wie den Medienmanager Gerhard Zeiler aufs Podest heben würde.

Da geht es nicht nur um Personen, sondern auch um die Frage, welche Politik die SPÖ künftig machen soll. Wirklich durchsetzen kann sich keine dieser Fraktionen, womit innerparteiliche Grabenkämpfe garantiert sind. In personellen Fragen wagt sich keiner aus der Deckung, wissend, dass das Match nicht zu gewinnen wäre. Und auch, weil es keine überzeugende Alternative für den Platz an der Spitze gibt. Deshalb wird bei der heutigen Vorstandssitzung auch niemand die Parteichefin in Frage stellen.

Rendi-Wagner nutzt diese Pattstellung aus und verteidigt ihre Position. Genau das ist aber die Situation, in der auch Faymann vor dreieinhalb Jahren war. Der wurde damals bei der 1.-Mai-Kundgebung von Teilen der Basis gnadenlos ausgepfiffen und so zum Rücktritt gezwungen. Ob Pamela Rendi-Wagner ein ähnliches Schicksal droht? Wirklich anzuraten wäre es der SPÖ nicht, wenn man sich ansieht, was die damalige Aktion langfristig gebracht hat.

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