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Glücksspiel

Novomatic steigt aus Casinos Austria aus

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ArchivbildAPA/ROBERT JAEGER
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Nach Postenschacher, Ermittlungen und Razzien hat Novomatic offenbar genug: Der niederösterreichische Konzern verkauft seine Anteile an den Casinos Austria - und verschafft den Tschechen damit wohl eine Mehrheit.

Dramatische Wende für die krisengebeutelten Casinos Austria: Der Glücksspielkonzern Novomatic, der 17,19 Prozent an den Casinos hält, wird seine Anteile verkaufen. Und zwar an den jetzigen Großaktionär, die tschechische Sazka. Der entsprechende Vertrag wurde am Dienstagmorgen unterschrieben. Und Sazka ist damit wohl am Ziel: Die Tschechen dürften, vorbehaltlich der kartellrechtlichen Genehmigung, Mehrheitseigentümer der Casinos Austria werden. Derzeit halten sie 38,29 Prozent und damit den größten Anteil an dem österreichischen Unternehmen.

Um die Mehrheit zu erreichen, bräuchten die Tschechen nicht einmal das gesamte Aktienpaket, das Novomatic verkauft. Und das werden sie möglicherweise auch gar nicht bekommen. Denn die anderen Casinos-Aktionäre haben ein Vorkaufsrecht. Und zwar im Verhältnis zu ihren Anteilen. Allerdings haben die Tschechen mit einem kleinen „Trick“ vorgesorgt: Ihr Anteil von 38,29 Prozent wird nämlich von der „Medial Beteiligungsges.m.b.H.“ gehalten.  Für die Novomatic-Anteile tritt allerdings die Sazka selbst als Käuferin auf. Die „Medial“ kann also von diesem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und Anteile erwerben. Sollten andere, kleine Casinos-Aktionäre kein Interesse an der Ausübung des Vorkaufsrechtes haben, können weitere Novomatic-Anteile direkt und problemlos von der Sazka erworben werden. Und so wird sich wohl einiges summieren.

Kauft die Öbag Anteile?

Spannend wird die Frage, ob die österreichische Staatsholding Öbag, die 33,24 Prozent an den Casinos Austria hält, ihr Vorkaufsrecht geltend machen wird. Dafür spricht, dass die Republik Österreich wohl nicht tatenlos zusehen möchte, wie Anteil um Anteil an dem Glücksspielunternehmen in tschechische Hände wandert. Was freilich dagegen spricht: Für den Erwerb von Anteilen ist nicht wenig Steuergeld notwendig. Und da stellt sich schon die Frage, ob es von Vorteil ist, viel Geld in den Erwerb eines Unternehmens zu stecken, in dem letztlich die Tschechen die Kontrolle haben.

Man wird sehen. Einen Monat haben die restlichen Casinos-Aktionäre jedenfalls Zeit, sich für oder gegen die Ausübung des Vorkaufsrechts zu entscheiden. Neben der Öbag werden Anteile vom Bankhaus Schelhammer & Schattera gehalten (5,31 Prozent), von der Privatstiftung Melchart (4,91 Prozent) sowie von der Hotel Sacher Ges.m.b.H. (0,98 Prozent).

Novomatic will nicht mehr

Über die Beweggründe von Novomatic lässt sich nur spekulieren. Novomatic-Chef Harald Neumann sagt zwar offiziell, dass es um eine „nachhaltige Eigentümerstruktur“ bei den Casinos Austria gehe. Doch Tatsache ist, dass man bei Novomatic schlicht und einfach keine Zukunft mehr bei den Casinos Austria sieht. Vor wenigen Tagen waren erstmals Gerüchte aufgetaucht, wonach sich der niederösterreichische Konzern aus Österreich zurückziehen möchte. Novomatic ist über die Ereignisse der vergangenen Monate offenbar ziemlich entrüstet: Mitte August war es zu Hausdurchsuchungen unter anderem bei Novomatic-Eigentümer Johann Graf sowie bei Novomatic-Chef Harald Neumann gekommen. Grund war die im März erfolgte Bestellung von FPÖler Peter Sidlo zum Finanzvorstand der Casinos Austria.

Sidlo ist bekanntlich erst vor einer Woche vom Casinos-Aufsichtsrat wieder abberufen worden. Der Postenschacher beschäftigt aber nach wie vor die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Sie geht der Frage nach, ob die FPÖ (damals in der Regierung) Novomatic Versprechungen gemacht hat, damit ein Mann ihrer Couleur in den Vorstand gehievt wird. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Novomatic behält Lotterien-Anteile

Novomatic steigt nun als Aktionär der Casinos Austria aus, allerdings wird der Anteil von elf Prozent an den Österreichischen Lotterien, einer Cash cow des Konzerns, behalten. Der Verkauf der Casinos-Anteile wird offiziell damit begründet, dass dies für das Unternehmen am besten sei. Die Aktionäre Öbag, Novomatic und Sazka haben seit geraumer Zeit vor allem aufgrund von Streitigkeiten von sich reden gemacht. Sazka-Chef Robert Chvatal betonte denn auch in einer ersten Stellungnahme: „Wir sind überzeugt, dass dies die beste Lösung für das Unternehmen ist. Wir wollen der CASAG eine stabile positive Entwicklung in einer langfristigen Partnerschaft ihrer beiden größten Aktionäre sichern."

Bei Sazka wird sehr darauf wert gelegt, dass es kein Interesse an Streit mit der Staatsholding Öbag gebe: Die Österreicher würden selbstverständlich weiterhin im Aufsichtsrat vertreten sein. Chvatal: „Wir fühlen uns verpflichtet, gemeinsam mit der Öbag und dem Casinos-Team für eine nachhaltige Entwicklung zum Wohle unserer Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner zu sorgen. Wir sind darauf vorbereitet, uns auf das Kerngeschäft der CASAG zu konzentrieren und Innovationen auf den Markt zu bringen."