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Polizei räumt besetzten Festsaal der TU Wien

Die Polizei räumte noch vor 22 Uhr den Festsaal der TU Wien.
Die Polizei räumte noch vor 22 Uhr den Festsaal der TU Wien.(c) Die Presse/Bayrhammer
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Der Abend weckte Erinnerungen an die Unibrennt-Proteste. Die Besetzer wollten Kontakt mit den Regierungsverhandlern. Am späten Abend rückte die Polizei aus.

Der Abend weckte durchaus leichte Erinnerungen an die Unibrennt-Proteste vor zehn Jahren. „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", schallte es immer wieder vom Balkon des Festsaals der TU Wien auf den Karlsplatz. Rund 50 Studierende harrten dort am Abend noch aus, nachdem sie am Nachmittag den Raum besetzt hatten. Das Angebot von Rektorin Sabine Seidler, den Saal zu verlassen und ihn dafür am Mittwoch tagsüber wieder zu bekommen, hatten sie kurz vorher ausgeschlagen.

Gegen 21.40 Uhr sprach die Polizei dann den Räumungsbefehl aus, der im Festsaal unter lauten Buh-Rufen aber ansonsten friedlich zur Kenntnis genommen wurde. Manche der Besetzer ließen sich aus dem Festsaal tragen, während unten vor der Türe einige Unterstützer wartet und die letzten Besetzer noch vom Balkon des Festsaals skandierten: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns hier raus haut!“. 

100 Personen besetzten Saal

Unter dem Motto "Uns reicht's" hatten rund 100 Personen am Dienstag Nachmittag vor dem Hauptgebäude der TU  Wien auch unter dem Hashtag #wiederbrennen gegen die aktuelle Hochschulpolitik protestiert. Im Anschluss wurde der Festsaal der Universität besetzt. Die Studenten wollen mit den Regierungsverhandlern in Kontakt treten, um ihre Forderungen zu übergeben.

Gemeinsam wolle man "gegen eine stagnierende Hochschulpolitik" protestieren, "die von Personen gemacht wird, die davon gar nicht betroffen sind“, hieß es von der Studierendengruppe. Auch die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) unterstützte die Besetzer. Es handle sich um einen „sinnvollen und notwendigen Protest“, die Untätigkeit der Regierung bekomme so zum wiederholten Male ihre Quittung, hieß es von der Hochschülerschaft.

„Wink mit dem Zaunpfahl"

Die Forderungen richteten sich auch an die grüne Bildungsverhandlerin Sigrid Maurer, die vor zehn Jahren selbst eine der Protagonistinnen der Unibrennt-Bewegung war. "Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl an Sigi, damit sie sich an ihre Anliegen erinnert", hieß es schon vor der Besetzung bei der Kundgebung in Richtung der ehemaligen Studentenpolitikerin. 

Maurer sagte am frühen Abend in einer Reaktion auf die Studierenden, sie wolle den Forderungskatalog der Studenten, die den Festsaal besetzt haben, gerne entgegen nehmen. Sie erinnere sich gerne an #unibrennt zurück und finde das Engagement der Studierenden wichtig. Aufgrund des langen Plenartags am Mittwoch könne sie aber frühestens am Donnerstag vorbei kommen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Probleme sind immer noch da

Als ersten Schritt, um mit den beiden Parteien in Kontakt zu treten werteten das die Protestierenden.  Man erwarte sich ein Gespräch mit den beiden Parteien, um sich darüber auszutauschen, wie die zukünftige Hochschulpolitik aussehen werde, sagte der Sprecher der Studierenden, Philipp Petrac. Verlangt werden unter anderem freier und offener Hochschulzugang, weniger Leistungsdruck, Ausfinanzierung der Unis, weniger Verschulung und mehr Räume und Infrastruktur für die Studierenden.

Entstanden war die Protestbewegung ursprünglich aus einer Gruppe von TU-Studenten, die auf den Platzmangel an der Uni aufmerksam machten und mehr Räume und Infrastruktur für die Studierenden einforderte. Mittlerweile hat man die Forderungen diversifiziert. Man sei draufgekommen, dass es viel mehr Probleme gebe, heißt es von Mark, einem Studierenden aus der Gruppe. „Die Forderungen von vor zehn Jahren sind immer noch brandaktuell."

Die Wahl der richtigen Mittel

TU-Wien-Rektorin Sabine Seidler hatte am Abend mehrfach mit zwei der Festsaalbesetzer gesprochen. Sie sagte, sie wolle sich für deren Anliegen einsetzen und die Studierenden dabei unterstützen, mit den Bildungsverhandlern zu sprechen, wie sie es forderten. Die Voraussetzung dafür wäre gewesen: den Festsaal, den sie seit dem Nachmittag besetzt hielten, zu räumen. Die Uni sei ein Raum für Diskurs, aber es gehe um die Wahl der richtigen Mittel, hieß es von der TU.

(beba)