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Banken

Raiffeisen hält an Beteiligungen fest

Die Raiffeisen NÖ-Wien will trotz schärferer Regeln keine Unternehmensanteile verkaufen.

Wien.Darüber sprechen Bankmanager nur ungern. Erstens, weil es noch nicht beschlossen wurde und zweitens, weil es unangenehm ist. Es geht um die nächste Version des Regelwerks des Baseler Ausschusses, Basel IV. Es schreibt Banken vor, wie ihre Kapitalstrukturen auszusehen haben, um Krisen wie jene von 2008 zu vermeiden.

Die Verschärfungen dürften zwar erst in den kommenden Jahres kommen, dennoch müssen Banken rechtzeitig antizipieren, in welchen Bereichen künftig größere Anstrengungen notwendig sein werden. So weisen die ersten Entwürfe der neuen Eigenkapitalvorschriften Details auf, die vor allem für einige Banken im Raiffeisenverband kritisch werden könnten: Die Risikogewichtung für Industriebeteiligungen soll deutlich erhöht werden. Das heißt, dass Banken für Anteile an Unternehmen mehr Eigenkapital hinterlegen müssen und es damit teurer wird, Eigentümer eines Betriebes zu sein.

In Österreich würde das vor allem die Raiffeisenlandesbanken (RLB) NÖ-Wien und Oberösterreich und die Oberbank treffen. Ob die neuen Vorschriften dazu führen könnten, dass die RLB NÖ-Wien ihre zahlreichen Unternehmensbeteiligungen verkauft, verneinte RLB-NÖ-Generaldirektor Klaus Buchleitner im Klub der Wirtschaftspublizisten: „Wir sind stolz auf unsere Beteiligungen und halten daran fest.“ Auf Nachfrage, ob es nicht im Sinne der Kapitaloptimierung wäre, die Anteile zu verkaufen, sagte Buchleitner: „Für mich ist es unverständlich, dass man für Beteiligungen, die man 30 bis 40 Jahre hält, plötzlich mehr Kapital zurücklegen muss. Wir werden uns aber so optimieren, dass wir ohne Beteiligungsverkäufe mit Basel IV durchkommen.“

Die RLB NÖ-Wien ist unter anderen über das Investment-Vehikel Leipnik-Lundenburger, dem der ehemalige ÖVP-Finanzminister Josef Pröll vorsteht, am Mühlenkonzern GoodMills und dem Kaffeebetrieb café+co sowie an den Zuckerproduzenten Agrana und Südzucker, der Molkerei NÖM und dem Baukonzern Strabag beteiligt. Auch an der vom Volumen her weniger relevanten Beteiligung an der Kurier-Mediengruppe will Buchleitner festhalten: Das Ergebnis sei hier nicht negativ, aber auch nicht besonders hoch.

Die größte Unsicherheit sieht Buchleitner bei der Aufsicht: „Ein Fünftel unserer Kosten ist von der Regulatorik getrieben. Das ist wie ein Hamsterrad. Immer wenn man das Gefühl hat, jetzt haben wir das durch, dann gibt es neue Regeln.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2019)