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Kunstdiebstahl

Viele Rätsel um wieder­gefundenes Klimt-Porträt in Italien

„Porträt einer Frau“ wurde vor 22 Jahren gestohlen, nun dürfte es wieder aufgetaucht sein
„Porträt einer Frau“ wurde vor 22 Jahren gestohlen, nun dürfte es wieder aufgetaucht seinvia REUTERS
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„Bildnis einer Frau“ von Gustav Klimt ist eines der meist gesuchten Gemälde der Welt. Nun soll es in Italien wieder aufgetaucht sein. Klimt-Frauen-Experte Tobias Natter ist begeistert: Ein „tolles" Gemälde kann nun weiter erforscht werden.

Wenn es sich bei dem gefundenen wirklich um das gesuchte Gemälde handelt, ist das eine Sensation: In Italien soll ein 1997 gestohlenes Gemälde des Malers Gustav Klimt wieder aufgetaucht sein. Das „Porträt einer Frau“ wurde vor 22 Jahren aus der Galerie Ricci Oddi in der norditalienischen Stadt Piacenza entwendet. Am Montag scheint es eben dort wieder gefunden worden sein: in einer versteckten Kammer im Garten der Galerie. Dies berichtet die lokale Tageszeitung "Libertá".

Das Werk befindet sich in Polizeigewahrsam und wird auf seine Echtheit überprüft. Wie lange dies dauern wird, ist noch unklar. Sollte es sich dabei wirklich um den gesuchten Klimt handeln, „wäre dies eine große Freude für die Stadt", kommentierte das für Kulturfragen zuständige Stadtratsmitglied von Piacenza, Jonathan Papamarenghi.

Und nicht nur für die Stadt: Das „Bildnis einer Frau" gilt als eines der meist gesuchten Gemälde der Welt. Mit dem Diebstahl hatten sich die Carabinieri 2014 erneut beschäftigt. Damals wurde ein Fingerabdruck mit neuen Technologien überprüft, den der Dieb angeblich beim Diebstahl auf dem Rahmen des Gemäldes hinterlassen hatte. Zuletzt hatte es 2015 eine Lösegeldforderung gegeben. Damals hatte jemand 150.000 Euro für Hinweise auf den Verbleib des Bildes verlangt.

Hinter dem Efeu war eine Tür

Das Bild wurde zufällig bei Gartenarbeiten gefunden. Am Montagnachmittag schnitten zwei Arbeiter im Garten der Galerie den Efeu, der über eine Außenwand wuchs. Sie entdeckten eine Tür und dahinter einem Zwischenraum, in dem das Bild in einem schwarzen Müllsack gefunden wurde. Das Gemälde, noch mit Stempel und Siegel versehen, sei in gutem Zustand, berichtete der Direktor der Galerie, Massimo Ferrari.

„Als mir die Arbeiter erzählt haben, dass sie in einem Versteck ein Bild gefunden haben, dachte ich zuerst an einen Scherz. Als ich das Gemälde gesehen habe, habe ich aber sofort begriffen, dass es sich um Klimts 'Bildnis einer Frau' handelte. Ich habe es sofort erkannt. Mir zitterten die Hände, als wir das Bild aus dem Sack geholt haben. Schließlich handelt es sich um das in Italien zweit meistgesuchte Werk nach dem in Palermo 1969 gestohlenen Caravaggio-Gemälde", sagte Dario Gallinaro, Mitarbeiter der Galerie für moderne Kunst.

Der Galeriedirektor geht davon aus, dass die Diebe das Bild im Verlies unweit der Galerie versteckt hatten, um es nach einigen Tagen abzuholen. Wegen des Medienrummels nach dem Diebstahl und der starken Präsenz von Sicherheitskräften hätten sie das Gemälde aber nicht mehr wegbringen und wahrscheinlich nur schwer Käufer finden können.

Klimt dürfte das Gemälde zwischen 1916 und 1918 gemalt haben. In einer ersten Version trug die Dame Hut und Schal(c) Archiv/Galerie Ricci Oddi

Das Gemälde war bei Renovierungsarbeiten entwendet worden, als die Alarmanlage nicht funktionierte. Man vermutete, dass die Diebe über das Dach geflüchtet seien. Zuerst konzentrierten sich die Ermittlungen auf die Aufseher der Galerie, die Untersuchung gegen sie wurde jedoch eingestellt.

Gemälde gilt als unverkäuflich

Das Ölbild gilt wegen seiner Bekanntheit als unverkäuflich. Es ist Teil einer Serie von Damenporträts, die Klimt (1862-1918) in den letzten Jahren seiner Arbeit zwischen 1916 und 1918 geschaffen hatte. Es zeigt das Viertelprofil einer jungen Frau mit dunklen Haaren vor grünem Hintergrund. Um wen es sich dabei handelt, ist nicht bekannt. Eine erste Version des Gemäldes, in dem die Frau einen Schal und einen Hut trug, wurde von Klimt übermalt, wie laut BBC Röntgenaufnahmen belegen. Bei diesem übermalten Bild handelt es sich ebenfalls um ein „verschollenes“ Klimt-Porträt, dass er einst ausgestellt hatte und dessen Ausstellung auch dokumentiert war. Danach aber hat Klimt es übermalt, die Wissenschaft suchte vergeblich danach - bis ausgerechnet eine Schülerin, die einen Aufsatz darüber schrieb, herausfand, dass sich der „Backfisch“, so der Titel, unter dem Mädchenbild aus Piacenza befand, kann sich der österreichische Klimt-Experte Tobias Natter noch gut erinnern. „Das war doch ein bisschen peinlich für die Kunstgeschichte.“ Doch kaum war diese Übermalung entdeckt, wurde das Bild schon gestohlen. „Das ist mit diesem Werk tatsächlich ein Verschwinden und Finden, ein Kommen und Gehen“, so Natter. Jedenfalls sei es ein „tolles“ Gemälde mit einem nicht unbeträchtlichen Wert. Wer darauf dargestellt ist, kann auch er nicht sagen (sein Klimt-Werkverzeichnis der Gemälde erschien bei „Taschen"). Klimts damalige „offizielle“ Lebensgefährtin (bis zu seinem Tod 1918) war Consuela Huber, die ihm 1912 ein erstes von letztlich drei Kindern schenkte. Der Titel Backfisch würde fast passen für sie - als sie schwanger wurde war sie 15. Das auffällige Schönheitsmal auf der Wange aber ist zumindest auf erhaltenen Fotos von ihr nicht zu entdecken.  

Wie kam das Porträt dann nach Italien? Das 40 mal 60 Zentimeter große Gemälde war bereits seit 1925 im Besitz der Ricci Oddi Galerie in Piacenza. Die private Galerie war in den 1930er-Jahren vom Kunstsammler Giuseppe Ricci Oddi gegründet worden, der die Sammlung dann seiner Stadt Piacenza schenkte. Die Galerie ist täglich für Besucher geöffnet. Sie enthält über 300 Werke moderner Kunst. (APA/Red.)

>> Bericht in „Libertá"

>> BBC-Bericht über das Gemälde von 2016