Bei i5invest berät Patrick Prokesch innovative Software-Firmen. Digitalisierung empfindet er als Demokratisierungsprozess.
Porträt

Patrick Prokesch: Wegbereiter einer neuen Arbeitswelt

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeit. Patrick Prokesch ist einer, der sie mitgestaltet. Bei i5invest hilft der 31-Jährige Software-Firmen dabei, unsere Berufswelt zu revolutionieren.

Flexibilisierung, Automatisierung, Individualisierung - drei Schlagworte, die den Berufseinstieg einer neuen, jungen Generation von Arbeitnehmern seit der Jahrtausendwende begleiten. Auf Millennials wirkt die Digitalisierung in den vergangenen Jahren aber immer weniger als radikale Umwälzung denn als Chance zur (Um-)Gestaltung ihres eigenen Arbeitsumfelds. „Die jetzige Generation will mit Produkten arbeiten, die ähnlich sind zu denen, die sie auch in ihrer Freizeit verwenden“, urteilt Patrick Prokesch. Als Senior Director bei i5invest mit Büros in Wien, Berlin und im Silicon Valley, hilft der 31-Jährige jungen Software-Firmen, internationaler zu werden und zu wachsen. Und dabei, die Berufswelt sprichwörtlich auf den Kopf zu stellen.

„60 Prozent unserer Arbeit verbringen wir mit Administration“, sagt er. Lediglich 20 bis 30 Prozent unserer Tätigkeit sei „skilled labour“, also jene Tätigkeit, für die wir eigentlich engagiert wurden. Würden diese 60 Prozent durch entsprechende Software automatisiert, würde das mehr Flexibilität und „Platz für Kreativität“ schaffen. „Auch bei großen Firmen ist mittlerweile die Erkenntnis angekommen, sich selbst Wege des Arbeitens beizubringen.“ Als Beispiel nennt der gebürtige Kärntner Slack oder Dropbox, die sich in vielen Unternehmen „in kurzer Zeit verbreitet haben“, jedoch über den individuellen User in die Firma kommen würden. 

In Prokesch' Augen funkelt die Digitalisierung vor allem als Befreiung, Demokratisierung und Niederschwelligkeit für den einzelnen Arbeitnehmer. Technologie bedeutet dabei nicht weniger als Selbstbestimmung und -ermächtigung.

Dass die Digitalisierung dabei auch vielen Menschen - insbesondere weniger gut ausgebildeten - ihre Jobs kosten wird, relativiert Prokesch: „Es werden sich neue Jobs entwickeln.“ Zudem sei es durch den digitalen Shift heute leichter denn je, sich Wissen online anzueignen, selbst aktiv zu werden und nicht mehr nur davon „limitiert“ zu sein, was einem der Arbeitgeber an IT anbiete. Demokratisierung der Arbeitswelt, von unten nach oben, sozusagen. Dass diese Entwicklungen aber auch „hohe Sicherheitsstandards“ erfordern, weiß Prokesch: „Cybersecurity wird immer mehr werden, umso mehr die Grenzen verschwimmen.“ Datensicherheit sei „ein ständiger Begleiter dieser Trends“ und müsse deshalb immer gewährleistet werden. Und nicht nur die: „Vor allem gutes Leadership wird den Weg in die Digitalisierung möglich machen.“

Technologie als Befreiung

Prokesch' Zugang zur neuen Arbeitswelt erscheint idealistisch-liberal: In seinen Augen funkelt die Digitalisierung vor allem als Befreiung, Demokratisierung und Niederschwelligkeit für den einzelnen Arbeitnehmer. Die Technologie bedeutet dabei nicht weniger als Selbstbestimmung und -ermächtigung.

Die Technologieaffinität zieht sich von dem Moment an, als Prokesch zu seinem sechsten Geburtstag den ersten Computer geschenkt bekam, bis zu seiner heutigen Rolle bei i5invest, „wie ein roter Faden“ durch sein Leben. Fehler sind auf diesem Weg kaum erkennbar: Sein Werdegang liest sich als konsequente Bündelung von Betriebswirtschaft, Jus und IT. Diese Interessen unter einen Hut bringen wollte er schon früh. „Das ist eigentlich auch das, was ich heute mache“, sagt er. „Junge, dynamische Märkte und Industrien“ reizten ihn bereits als Schüler: In der HAK in Klagenfurt zählten Technologiefächer zum Kern seiner Ausbildung.

Während der Bachelorstudien in Wirtschaftsrecht und BWL sowie dem Master in Strategy, Innovation and Management Control an der Wiener WU studierte und arbeitete Prokesch in neun unterschiedlichen Ländern. Semester in Australien und Kopenhagen sowie eine Tätigkeit an der Außenhandelsstelle in London sind nur drei der vielen internationalen Stationen, die er abklapperte. Daneben forcierte der Wahlwiener ein dichtes Netzwerk: Als einer der Vorsitzenden des Uni Management Clubs half er anderen Studenten und sich selbst dabei, Kontakte aufzubauen.

Pitch im Hörsaal

Während einer Vorlesung lernte er schließlich den i5invest-Gründer kennen, kurz darauf pitchte Prokesch ihm ein Projekt. Eine „hitzige Diskussion“ im Hörsaal sowie ein Angebot, nebenbei bei i5invest zu jobben, folgten. Nach dem Studium wechselte Prokesch dann Vollzeit zum Unternehmen. Das ambitionierte „Basteln“ am Lebenslauf und seine Risikofreude hatten sich bezahlt gemacht. Und nicht nur dafür: 2018 zählte er zur Kohorte der Forbes „30 under 30“ der DACH-Region.

"Man scheitert immer irgendwo. Wichtig ist, das Bewusstsein dafür zu haben und aus seinen Fehlern zu lernen. Erfolge sind das wichtigste, aber da kommt man nur hin, wenn man auf dem Weg auch Fehler macht. Das gehört zum Leben dazu."

Patrick Prokesch, Senior Director bei i5invest

Prokesch' persönliche Erzählung spart Niederlagen und Rückschläge beinahe aus. „Das kommt darauf an“, relativiert er. „Man scheitert immer irgendwo. Wichtig ist, das Bewusstsein dafür zu haben und aus seinen Fehlern zu lernen. Erfolge sind das wichtigste, aber da kommt man nur hin, wenn man auf dem Weg auch Fehler macht. Das gehört zum Leben dazu.“

Seine Tätigkeit bei i5invest nennt er „sehr bunt“ mit „vielen komplexen Sachverhalten.“ Zu den Highlights im vergangenen Jahr zählt der Verkauf des Grazer Start-ups iTranslate an die New Yorker IAC, der auch Firmen wie Tinder oder Vimeo gehören. Maßgeblich daran beteiligt war der junge Kärntner. Als Naturtalent empfindet er sich dennoch nicht. Präpotenz scheint ihm fremd, Tiefstapeln dafür umso vertrauter. Waren die vielen Stufen auf der Karriereleiter denn niemals anstrengend?, fragt man sich. Die Antwort fällt ihm jedenfalls leicht: „Ich hab' schon brav gebüffelt.“