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„Radetzky-Marsch“: Neue Noten für die Philharmoniker

Die Wiener Philharmoniker (hier beim Neujahrskonzert 2019).
Die Wiener Philharmoniker (hier beim Neujahrskonzert 2019).APA/HERBERT NEUBAUER
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Die Druckausgabe dient auch der Distanzierung von der „Nazi-Version“.

Den „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauß Vater spielen die Wiener Philharmoniker jedes Jahr beim Neujahrskonzert – und doch auch ihren ganz eigenen. Voller handschriftlicher Notizen sind die Orchesternoten, sie halten die im Lauf der Jahre entwickelte Spielpraxis fest. Da sind nicht nur Druckfehler korrigiert, sondern auch Noten gestrichen, ja ganze (Schlagwerk-)Partien weggelassen. Aus alledem soll nun endlich eine saubere Druckfassung entstehen – der Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer hat das Notenarchiv damit beauftragt.

Für die Zuhörer ändert sich nichts, nur die Musiker haben „ordentlichere“ Noten. Eine reine Formalität also? Es ist doch ein wenig mehr als das.

 

Arrangement eines NS-Komponisten

Die neue Druckausgabe dient auch der klaren Distanzierung: Denn der „Radetzky-Marsch“, den die Wiener Philharmoniker seit 1946 spielen, beruht auf dem Arrangement eines auch durch „SA-Märsche“ und eine „Hitler-Hymne“ bekannten Komponisten, Leopold Weninger.

Seine Fassung war es, die am 1. Jänner 1946 erstmals in einem Neujahrskonzert erklang. Nur Nikolaus Harnoncourt wich 2001 von der Tradition ab und spielte das Original (dessen Druckfassung man 1999 wiedergefunden hatte).

Immer wieder haben die Wiener Philharmoniker vor Neujahrskonzerten Anfragen aus dem Ausland erhalten, warum man denn die „Radetzky-Marsch“-Fassung eines Nationalsozialisten spiele. Im Lauf der Jahre haben sie sich zwar ihre eigene Version erspielt. Doch jetzt soll das auch in gedruckter Form sichtbar werden. (sim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2019)