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„Old School“ nach Professor Gordon Murray

100 Stück: Gordon Murray’s T50.
100 Stück: Gordon Murray’s T50.(c) Werk

T50: Neues Supercar vom legendären Konstrukteur.

Gordon Murray, 73, ehemaliger Formel-1-Konstrukteur und Schöpfer des epochalen McLaren F1, schenkt der Autowelt einen Nachfolger seines Geniestreichs von 1993. Relativ halt, denn der Kaufpreis des T50 soll zwischen zwei und 2,5 Mio. Pfund betragen. 100 Exemplare werden gebaut, erste Prototypen werden 2020 auf die Straße rollen.

Ein McLaren F1 von 1996. Das von Murray konstruierte Auto setzte neue Maßstäbe für Supercars. Als Antrieb dient ein V12 von BMW in Mittellage.
Ein McLaren F1 von 1996. Das von Murray konstruierte Auto setzte neue Maßstäbe für Supercars. Als Antrieb dient ein V12 von BMW in Mittellage.Craig James

Wie zu erwarten, weicht Murray von seinen Prinzipien, die schon beim F1 Pate gestanden sind, nicht ab: Leichtbau, Saugmotor und hocheffiziente Aerodynamik bilden die Eckpunkte des T50 – alte Schule also, neben Handschaltung und drei Sitzplätzen (zentriert der Fahrer, Beifahrer bangen links und rechts leicht zurückversetzt um ihre Gesundheit). Das Fahrzeug soll nicht mehr als 980 kg wiegen – Murray: „Man kann sich das wie eine Lotus Elise mit 650-PS-V12 vorstellen.“

Der Motor für das neue Auto aus Murrays Schmiede wird bei Cosworth gefertigt, „als wahrscheinlich letzter herausragender, neu gebauter Saugmotor“ (Murray) – ein 3,9-Liter-Zwölfzylinder mit 650 PS, die dank „Ram-Air“ (Lufteinlass mit hohem Staudruck) bei höherem Tempo auf 700 klettern können. Drehzahl: Im Normalbetrieb bis 9000/min, „aber wenn du einen Kumpel mitnimmst, gibt es einen Schalter für die Motorsteuerung, der auch 12.000 Touren erlaubt“.

Der Professor ist mittlerweile Commander of the British Empire (CBE). Sein Designstudio arbeitet an neuen Lösungen für die Automobilfertigung mit Fokus auf Leichtbau.
Der Professor ist mittlerweile Commander of the British Empire (CBE). Sein Designstudio arbeitet an neuen Lösungen für die Automobilfertigung mit Fokus auf Leichtbau.

Dominierendes Detail ist freilich der zentrale Ventilator (Fan) am Heck, der gleich mehrere Zwecke erfüllt. Er wird aktiv wie inaktiv betrieben und steigert je nach Fahrmodus den Abtrieb (für Kurvenfahrt) oder reduziert den Luftwiderstand (für maximale Höchstgeschwindigkeit).

Es war Murray, der 1978 bei Brabham, die (kurze) Phase der Staubsaugerautos einläutete, „ground effect“ war noch ein Fremdwort. Nun soll der T50 diese Technologie nicht auf die Rennstrecke, sondern die Straße bringen. „It's about purity and dynamics“, sagt der Professor. 100 Exemplare werden unter vermögenden Sportwagen-Fans verteilt. Mehr zu bauen, dies zu einem etwas zivileren Preis, lehnte Murray ab: „Ich bin ja kein Autohersteller!“ (tiv)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2019)