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Fahrbericht

Volvo hat sein Smörgås noch üppiger belegt

Ein neuer Buchstabe in der XC60-Modellreihe von Volvo: B für Dieselhybrid.
Ein neuer Buchstabe in der XC60-Modellreihe von Volvo: B für Dieselhybrid.(c) Clemens Fabry
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Eigentlich will Volvo von Dieselmotoren ja nichts mehr wissen. In Kombination mit einem Elektromotor verbaut man sie aber dennoch, etwa im XC60 B4. Der Effekt ist mehr ein dynamischer als ein sparsamer.

Wien. Diesel sei ziemlich pfui, erklärt uns Volvo seit Jahren, und deshalb wollen die Schweden auch keine neuen Motoren mehr entwickeln. Aber natürlich hat man noch einige – übrigens ausgezeichnete – Dieselmotoren auf Lager, außerdem fragen die Käufer Dieselautos nach.

Was also tun? Man verpackt, wie im neuen SUV XC60, den Dieselmotor mit einem grünen Mascherl, konkret: mit einem Elektromotor, und nennt das Modell weder D (für Diesel) noch T (für Benziner), sondern B (für Mildhybrid). Schon ist der Diesel nicht mehr ganz so pfui.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wobei Volvos Elektromotor im XC60 B4 eigentlich nur ein integrierter Startergenerator ist, versorgt mit 48 Volt, der zwischen dem 2,0-Liter-Turbodiesel mit 190PS und dem Getriebe sitzt. Rein elektrisch kann man mit seiner Hilfe nicht fahren, er greift aber immer unterstützend ein. Im Verbrauch hat sich das in unserem Test freilich nicht so positiv gezeigt, wie Volvo das behauptet: 6,3 Liter auf 100 Kilometer schafften wir in der Stadt nicht. Unser XC60 gönnte sich knapp über acht Liter (meist in der Comfort-Einstellung, selten im Dynamic-, nie im Eco-Mode).

Wo sich der Elektromotor aber wirklich erfreulich bemerkbar machte, war bei der Beschleunigung des 1950 Kilogramm schweren SUVs. Sicherlich hat es auch mit den erwähnten, guten Dieselmotoren des Konzerns zu tun, aber die 14 PS des Elektromotors halfen spürbar mit, das Turboloch zu füllen. Der XC60 B4 hängt gut am Gas und beschleunigt nahezu verzögerungsfrei – natürlich in Maßen (aber in der Geschichte von Volvo hat zweifellos noch nie ein Käufer bewusst einen Kavalierstart hingelegt).

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Der Dieselhybridmotor ist nicht die einzige neue Auflage auf das Smörgås, das Brot-und-Butter-Auto der Schweden, das die Marke trägt und die firmeninterne Verkaufsliste anführt. Auch innen hat man ordentlich nachgearbeitet und den XC60 noch ein bisschen nobler und edler gemacht. Mit viel Leder, netter Holzverkleidung und schwarzem Klavierlack hat sich Volvo in die Premiumliga gespielt.

 

Viel Platz

Zur Steuerung von Navi, Klimaanlage, Musik und Autoeinstellungen setzt Volvo auf einen großen Bildschirm im Tesla-Format. Es dauert freilich seine Zeit, bis man sich an die Menüführung gewöhnt hat.

Platz hat man im 4,7 Meter langen Stadt-SUV genügend, auch hinten (Radstand: 2,87 Meter). In den Kofferraum passen 483 Liter (1410 mit umgelegtem Sitzplatz).

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Preislich gibt sich Volvo selbstbewusst. Der XC60 B4 beginnt bei knapp 53.000 Euro, unser mit allen Sonderwünschen ausgestattetes Testauto kam auf 82.550 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2019)