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Bildungsberatung

Auf der Suche nach Talenten und Neigungen

Gemeinsam mit dem Klienten neue berufliche Ziele definieren und geeignete Aus- und Weiterbildungswege dorthin finden, ist die Aufgabe von Bildungsberatern.
Gemeinsam mit dem Klienten neue berufliche Ziele definieren und geeignete Aus- und Weiterbildungswege dorthin finden, ist die Aufgabe von Bildungsberatern.(c) Getty Images/iStockphoto (Chaay_Tee)

Die Zeiten, in denen man lebenslang einen einzigen Job ausübt, sind für die meisten vorbei. Bei einer Neuorientierung kann die Unterstützung von Experten helfen.

Der Wunsch nach beruflicher Neuorientierung kann viele Gründe haben. „Eine 47-Jährige, die als Assistentin in einem Finanzdienstleistungsunternehmen tätig ist, hat die Bildungsberatung aufgesucht, weil sie gedanklich ansteht. Seit Jahren überlegt sie einen beruflichen Wechsel, hat jedoch kein wirkliches Ziel vor Augen, sie will einfach weg und wieder gern in die Arbeit gehen“, beschreibt Bildungsberaterin Elke Lantschik. „Über die Beratung hat sie Unterstützung bekommen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten war. Sie hat ihr den Druck genommen, sofort den Job zu kündigen.“ Lantschik bringt ihre Erfahrungen in den Lehrgang „Bildungs- und Berufsberatung“ an der Donau-Universität Krems ein. Abschließen kann man diesen entweder als akademischer Experte oder als Master of Arts. Die Teilnehmer bringen meist bereits viel Lebens- und Berufserfahrung mit, die die Basis der Ausbildung ist. „Wir vermitteln aufbauend zum bereits bestehenden Beratungswissen neue Einblicke in das internationale Berufsumfeld, reflektieren das berufliche Handeln und unterstützen die Studierenden bei der wissenschaftlichen Erforschung beratungsspezifischer Themenbereiche“, sagt Studiengangsleiterin Ulrike Kastler. Die Absolventen erhalten zusätzlich zu ihren akademischen Graden das europäische Zertifikat für Bildungs- und BerufsberaterInnen ECGC. Die Studierenden fänden zudem Anschluss an das Netzwerk an Referenten, sowie aktuellen und ehemaligen Studierenden und seien in internationale Netzwerke wie dem Network for Innovation in Career Guidance & Counselling in Europe (NICE) eingebunden. Ab dem Wintersemester 2020 erweitert die Donau-Uni ihr Angebot mit dem Lehrgang Bildungs-, Berufs- und Karriereberatung. „Es werden Grundkompetenzen für Berufseinsteiger vermittelt und unter anderem in einem Praktikum vertieft und reflektiert“, erläutert Kastler.

 

Breites Unterstützungsangebot

„Berufs- und Bildungsberatung kann verschiedenste Fragestellungen beantworten“, weiß Gabriele Srp, Bildungsberaterin am Wifi Wien. Von der Information über bestimmte Berufsbilder bis zur Potenzialanalyse, dem Aufzeigen von Stärken und Interessen mithilfe von psychologischer Diagnostik, gebe es ein breites Angebot an Unterstützung. „Je besser die berufliche Tätigkeit den eigenen Talenten und Neigungen entspricht, umso eher wird man mit der getroffenen Wahl zufrieden sein“, sagt Srp. Am Wifi Wien wird in einem Diplomlehrgang Berufs- und Bildungsberatung mit Trainerkompetenz vermittelt. Er gliedert sich in zehn Seminare, acht Kompetenztage, ein Webinar, zwei e-learning-Module und einen Prüfungsvorbereitungsworkshop: „Je fundierter die Ausbildung ist, die man vorweisen kann, umso besser sind die beruflichen Chancen. Viele Institutionen beschäftigen sich mit Berufs- und Bildungsberatung und setzen entsprechend ausgebildete Berater ein“, erläutert Srp. Bessere Chancen hätten jene, die zusätzlich eine psychologische oder pädagogische Ausbildung haben.

Am Anfang jeder Berufs- und Bildungsberatung steht für die Ratsuchenden meist die Frage, was sie gern tun möchten. Deswegen habe diese Dienstleistung sehr viel mit Orientierungs-, Klärungs- und Entscheidungsprozessen zu tun, sagt Thomas Stangl. Er leitet den Lehrgang für Bildungs- und Berufsberatung am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung bifeb: „Es gibt österreichweite Initiativen, den Zugang zu erleichtern und die Angebote der Bildungs- und Berufsberatung weiterzuentwickeln“, erklärt er. Der dreisemestrige, berufsbegleitende Lehrgang „legt den Fokus einerseits auf die Entwicklung einer beraterischen Kompetenz und andererseits auf den Erwerb von Fachwissen wie etwa über Bildungswege, Berufe und Arbeitsmarkt.

 

Selbstreflexion fördern

Zentral ist die Förderung der Selbstreflexion und die Entwicklung eines professionellen Selbstverständnisses. Einsatzmöglichkeiten für Berufs- und Bildungsberater liegen laut Stangl bei Institutionen aus dem Bildungsbereich, der Erwachsenenbildung, beim AMS oder bei Netzwerkpartnern der Bildungsberatung Österreich.

Einen Masterlehrgang zum Thema „Bildungs-, Berufsberatung und Bildungsmanagement“ hat auch die Arge Bildungsmanagement im Programm. Dieser vermittelt Wissen über Ausbildungssysteme, Berufsfelder und Trends am Arbeits- und Bildungsmarkt ebenso wie einen Gesamtüberblick über Fördersysteme und die Erstellung von Kompetenzbilanzen für Ratsuchende. Auch Beratungswissen für den Einsatz im Prozess- und HR-Management stehen auf dem Stundenplan des viersemestrigen Programms.

„Es sind Unsicherheiten über die tatsächlichen Umsetzungsmöglichkeiten, eventuelle neue Aufgaben und deren Herausforderungen oder die Bereitschaft von Energie für das Erreichen des neuen Ziels ausfindig zu machen“, sagt Michaela Baumgartner, Geschäftsführerin Group Austria – Besser leben mit Bildung. Der Verein führt den Lehrgang Berufsorientierung und Bildungsberatungs-Kompetenz an dessen Online-Akademie durch. Darüber hinaus kann man sich noch zum Professional Trainer in diesem Berufsfeld im Ausmaß von zwölf ECTS-Punkten ausbilden lassen. Zusätzlich ist eine ISO-Zertifizierung möglich.

Web:www.donau-uni.ac.at

 

www.bifeb.at, www.wifiwien.at

 

www.group-austria.at

 

www.bildungsmanagement.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2019)