Künstliche Intelligenz

China: Ein Aufstand gegen Gesichtserkennung

In einem Brandbrief reagiert eine chinesische Professorin auf den Plan der Pekinger U-Bahn, Kameras mit Gesichtserkennung einzuführen. Der Protest beweist: Chinesen ist Überwachung alles andere als egal.

Peking/Wien. Wie ein Dieb, eine böse Macht fühle sie sich. Wie eine Person, der nicht zu trauen sei. Sie habe das Gefühl, ständig auf der Hut sein zu müssen. Und das, obwohl sie eine gesetzestreue Bürgerin sei, engagiert in ihrem Job, und eine, die in Eintracht mit anderen lebe. „Ich weiß nicht, warum man sich vor mir schützen sollte?“, fragte Lao Dongyuan, eine Rechtsprofessorin der Pekinger Qinghua-Universität, jüngst in einem Kommentar auf der chinesischen Social-Media-Plattform WeChat.

Es waren ungewöhnlich kritische Worte, die da ihren Weg in die chinesische Öffentlichkeit, vorbei an der Zensur, fanden: „Wenn diese Gesellschaft nicht bereits in einem Zustand der Verfolgung und Paranoia versunken ist, sollten wir (. . .) aufhören, bevor es zu spät ist. Das hysterische Streben nach Sicherheit hat überhaupt keine Sicherheit, sondern völlige Unterdrückung und Panik gebracht.“