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Weiterbildung

Global noch großer Nachholbedarf

Weiterbildung ist weltweit gefragt. Laut Unesco-Studie gibt es bezüglich des Zugangs global große Unterschiede.
Weiterbildung ist weltweit gefragt. Laut Unesco-Studie gibt es bezüglich des Zugangs global große Unterschiede.(c) Getty Images/iStockphoto (Rawpixel)
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Die Unesco veröffentlichte ihren vierten globalen Report zum Thema Erwachsenenbildung. Österreich schneidet gut ab, international besteht aber großer Aufholbedarf.

Das Wissen, wie wichtig das Lernen auch nach dem Schul-, Lehr- oder Studienabschluss ist, wächst in Österreich und anderen europäischen Ländern von Jahr zu Jahr. Dementsprechend wachsen auch die Lehrangebote und die Möglichkeiten der Anerkennung nicht formaler Abschlüsse. Weltweit besteht aber vielerorts noch Aufholbedarf, wie jetzt das Unesco Institute for Life Long Learning in seinem vierten „Global Report on Adult Learning and Education“ (Grale 4) aufzeigt. Nach den Vorgängeruntersuchungen 2009, 2013 und 2016 hat das Institut wieder erhoben, in welchem Ausmaß die teilnehmenden 159 Länder ihrem Bekenntnis zur Erwachsenenbildung Rechnung getragen haben.

Die gute Nachricht: „Österreich findet sich in der höchsten Gruppe jener Länder, in denen es über 50 Prozent Bildungsbeteiligung gibt“, stellt Werner Mauch, Head of Monitoring and Assessment des Unesco-Instituts für Lebenslanges Lernen, der Alpenrepublik ein gutes Zeugnis aus – in dem sogar die deutschen Nachbarn abgehängt werden, wenn auch nur knapp. Zu einer positiven Bewertung beigetragen habe vor allem die 2016 und 2017 erfolgte Weiterentwicklung der „Strategie zur Validierung des nicht formalen und informellen Lernens“ (NFIL), mit der in Österreich nach Angaben des Bildungsministeriums „Kompetenzen erfasst und sichtbar gemacht werden sollen, unabhängig davon, in welchem Lernkontext diese erworben wurden“.

 

Bewusstsein vorhanden

Positiv sei auch anzumerken, dass in Österreich ein Bewusstsein für die Notwendigkeiten der Erwachsenenbildung vorhanden sei, was nicht selbstverständlich sei. „Viele Länder, in denen es ein Schulsystem gibt, glauben, dass damit jeder lesen und schreiben könne“, erklärt Mauch eine der gängigen Fehleinschätzungen, der man in Österreich nicht aufsitzt. „Aber es gibt nicht nur 750 Millionen Menschen weltweit, die das nicht können, sondern beispielsweise auch 6,4 Millionen Deutsche“, verweist er auf die Notwendigkeiten von Alphabetisierungskampagnen im deutschsprachigen Raum, die in Österreich sehr wohl angegangen werden. Auch bei der Budgetierung befindet sich die Alpenrepublik im Spitzenfeld: So werden nach Angaben des Bildungsministeriums zwischen zwei und 3,9 Prozent des Bildungsbudgets für die Erwachsenenbildung ausgegeben – wovon andere Länder weit entfernt sind. „14 Prozent aller Länder geben weniger als ein Prozent für die Erwachsenenbildung aus, 19 Prozent weniger als ein halbes Prozent“, zitiert Mauch aus der Studie.

Global hat die aktuelle Studie die Notwendigkeit aufgezeigt, das Engagement in Sachen Erwachsenenbildung weiter zu erhöhen. So haben in fast einem Drittel der befragten Länder weniger als fünf Prozent der über 15-Jährigen Zugang zu Ausbildungs- und Lernprogrammen. Vor allem Menschen mit Behinderungen, Ältere, Flüchtlinge und Migranten oder Angehörige von Minderheiten seien hinsichtlich der Möglichkeiten des lebenslangen Lernens stark unterrepräsentiert. Allerdings hat eine überwiegende Mehrheit der befragten Länder einen Zuwachs hinsichtlich der Bildungsbeteiligung ihrer Bürger im Zeitraum zwischen 2015 und 2018 angegeben. Dabei vermeldeten Länder mit dem geringsten Einkommen die höchsten Zuwachsraten, gefolgt von jenen der Kategorie mittleres und gehobenes mittleres Einkommen. Die meisten Verbesserungen ortet die Studie im südlichen Afrika, arabischen Raum, in Lateinamerika und der Karibik sowie im asiatisch-pazifischen Raum.

 

Frauen oft noch benachteiligt

Weiterhin Nachholbedarf besteht bei der Aus- und Weiterbildung von Frauen und Mädchen. Zwar habe sich deren Beteiligung an der Bildung zwischen 2015 und 2018 in 59 Prozent der befragten Länder erhöht, allerdings haben Frauen in Teilen der Welt immer noch keinen Zugang zu Schul- oder Berufsausbildungen. Das schade laut einer in der Studie zitierten Untersuchung unter anderem der Ökonomie dieser Länder. Laut den Experten würden die Bruttosozialprodukte der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens um zwölf beziehungsweise 34 Prozent steigen, wenn Frauen dort im gleichen Ausmaß am Erwerbsleben teilnehmen könnten wie Männer.

Eine große Hürde für Menschen beiderlei Geschlechts, die in extremer Armut leben, liegt darin, dass diese durch ihre monotonen und niederen Arbeiten nicht einmal über Weiterbildungen nachdenken würden und glaubten, sie könnten ohnehin nicht profitieren. Ergebnisse, die die Unesco-Generalsekretärin Audrey Azoulay zu einem Appell veranlasst hat: „Wir bitten die Regierungen und die internationale Gemeinschaft eindringlich darum, uns in unseren Bemühungen zu unterstützen und Maßnahmen zu ergreifen, mit denen sichergestellt wird, dass kein Mensch – egal, wer er ist, wo er lebt oder welchen Herausforderungen er sich gegenübersieht – von dem universellen Recht auf Bildung abgeschnitten wird.“ (SMA)

Web:www.uil.unesco.org/system/files/grale?4?final.pdf

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2019)