Bayern: Stoiber bereitet Hofübergabe vor

CSU sucht einvernehmliche Lösung in der Nachfolgefrage. Zweikampf um Parteivorsitz.

BERLIN/MÜNCHEN. So, als hätte er nicht gerade seinen Rückzug angekündigt, regiert im Terminkalender des Edmund Stoiber weiterhin "Business as usual". Nach dem Gespräch mit Gabriele Pauli - jener CSU-Landrätin, die ihn vom Podest gestürzt hatte - , absolvierte der bayrische Noch-Ministerpräsident am Donnerstagabend pflichtgemäß den Neujahrsempfang im nordostbayrischen Bamberg. An der Seite seiner Frau Karin nahm er die Ovationen der örtlichen CSU-Basis entgegen.

"Chapeau", entrang sich ein Funktionär im Frankenland, der Hochburg der Stoiber-Kritiker. Während in Berlin und bei den Stoiber-Gegnern Häme dominiert, und die links-alternative "taz" "Danke, Frau Pauli" titelte, herrscht bei der CSU allgemeine Erleichterung über Stoibers Entscheidung. Zuletzt war der CSU-Chef nur noch ein Getriebener der Ereignisse gewesen, jetzt will er augenscheinlich die Zügel wieder in seine Hand nehmen, um eine geordnete Hofübergabe zu gewährleisten.

Schon mehren sich jedoch die Stimmen, die einen früheren Abgang Stoibers fordern. Bis zum annoncierten Rücktrittstermin am 30. September, so ihr Argument, würde Stoiber wie eine "lahme Ente" durch die politische Landschaft watscheln - in München und mehr noch in Berlin.

Freitagnachmittag rief der Regierungschef seine Thronprätendenten in die Staatskanzlei. Hintereinander empfing er die Kronprinzen Günther Beckstein und Erwin Huber. Mit Horst Seehofer, einem weiteren Anwärter auf den Parteivorsitz, telefonierte er. Der Bundeslandwirtschaftsminister fühlt sich vom Hinterzimmer-Deal zwischen Innenminister Beckstein und Wirtschaftsminister Huber übergangen. In Folge der Enthüllungen aus seinem Privatleben war er zunächst abgetaucht. Just bei seinem Wiedererscheinen bei der "Grünen Woche", der Landwirtschaftsmesse in Berlin, haben sich in München die Ereignisse überschlagen.

Nach einer stundenlang währenden Schrecksekunde meldete er seinen Anspruch an. Die CSU-Führungsriege hatte ihm nach den Indiskretionen um seine Geliebte Zuspruch geleistet. Seehofer will es beim Parteitag auf eine Kampfkandidatur gegen Huber um den CSU-Vorsitz ankommen lassen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die beiden einander in herzlicher Abneigung zugetan sind.

Huber wird das Diktum zugeschrieben, dass er selbst auf dem Sterbebett noch die Hand gegen Seehofer heben würde. Mit Vorzugsstimmenergebnissen von 66 Prozent in seinem Ingolstädter Wahlkreis ist der ausgewiesene Sozial- und Gesundheitspolitiker zwar bei der Basis höchst beliebt.

Doch innerhalb der Funktionärsschicht hat sich der selbstbewusste Seehofer viele Feinde gemacht. Bei einer Probeabstimmung in der Bundestagsfraktion fiel er prompt durch.

Möglich scheint indes eine Rochade Hubers nach Berlin, etwa als Bundeswirtschaftsminister an Stelle des eher unglücklich agierenden Michael Glos. Huber würde einem etwaigen Konflikt mit Ministerpräsident Beckstein in München ausweichen und zugleich das bundespolitische Gewicht der CSU stärken.

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