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Morgenglosse

Warum die Börse nicht böse ist

Statt regelmäßig auf den Kapitalmarkt hinzuhauen, sollten sich Politiker lieber überlegen, was sie zu einer ordentlichen Aktienkultur beitragen können.

Deutschlands SPD-Finanzminister Olaf Scholz legte dieser Tage einen finalen Entwurf für die - seit langem im Raum stehende, aber bisher nie umgesetzte - Finanztransaktionssteuer vor. Der Plan zielt darauf ab, den Erwerb von Aktien zu besteuern, wovon vor allem normale und langfristig orientierte Privatanleger betroffen wären.

In Wien geht man deshalb auf Distanz zu Berlin. Wohl auch, weil die Einnahmen aus der Steuer deutlich geringer ausfallen würden als erhofft. Anstatt sich aber laufend Gedanken darüber zu machen, wie man die Bürger immer weiter schröpfen kann, sollten sich die Politiker eher überlegen, wie sie die Menschen in einem Land dazu bringen könnten, eine ordentliche Aktienkultur zu entwickeln.

Denn das sei gesagt: die Börse an sich ist nichts Böses. Wer eine Aktie besitzt, hält einen Anteil an einem realen Unternehmen, ist also Aktionär. Wenn man den Bürgern einer Gesellschaft aber laufend einredet, dass es sich bei den Geschäften auf dem Kapitalmarkt um „reine Spekulation“ handelt und das als Politiker auch selbst noch glaubt, hat man etwas Wesentliches nicht verstanden. Einerseits, dass ein entwickelter und funktionierender Kapitalmarkt für eine Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung ist.

Denn Unternehmen können sich dort nicht nur refinanzieren, sie können ihre Anteilseigner, also die Aktionäre, auch an ihren Gewinnen beteiligen. Davon haben am Ende also auch Herr und Frau Österreicher etwas. Andererseits wäre es gerade in Zeiten niedriger Zinsen geboten, den Großteil seines Geldes nicht auf dem Sparbuch liegen zu lassen, wo es garantiert immer weniger wird. Die Börse wäre da eine schöne Alternative. Die Einstiegshürden sind heute schon ziemlich gering. Vielleicht könnte die Politik dann gleich noch ein weiteres Erschwernis beseitigen: Die 2016 erhöhte Kapitalertragsteuer auf Kursgewinne von 27,5 Prozent.