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Halka

Polens Nationaloper im Solidarność-Gewand

Tomasz Konieczny als Janusz, Piotr Beczała als Jontek, Corinne Winters als Halka.(C) Monika Rittershaus
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Moniuszkos „Halka“, inszeniert als düstere Sozialstudie aus der Ära des Kommunismus. Piotr Beczała steht im Zentrum des Jubels.

Noch ist Polen nicht verloren, wollte man spontan ausrufen: Bis weit in den zweiten Akt hinein dauerte es, bis der zuvor nur stumm ins düstere Spiel involvierte Piotr Beczała als verschmähter Liebhaber Jontek zu singen begann. Das brachte endlich tenorale Gefühlsaufwallung und überhaupt pralles Opernleben in die bis dahin mehr wackere als fesselnde Unternehmung, Stanisław Moniuszkos „Halka“ auf die Bühne des Theaters an der Wien zu holen, ein hierzulande als Rarität firmierendes Werk. 1858 ging im russisch besetzten Warschau dessen definitive vieraktige Version erstmals über die Bühne – und diese Fassung liegt auch der aktuellen Koproduktion mit dem Warschauer Teatr Wielki (Opera Narodowa) zugrunde.

Anfangs sogar untermauert durch internationale Erfolge, dann jedoch im restlichen Europa bald vergessen, konnte Moniuszkos Werk den Rang einer polnischen Nationaloper erringen – erst recht zu einer Zeit, da Polen von der Landkarte getilgt war. Das unter Fremdherrschaft stehende polnische Volk identifizierte sich desto intensiver mit dem Bauernmädchen Halka, das vom reichen Junker Janusz ausgenutzt wird. Von ihm schwanger, muss sie miterleben, wie er eine Schlossherrentochter heiratet. Die lange, stille Liebe, die ihr Jugendfreund Jontek für sie hegt, vermag sie weder zu erwidern noch taugte sie ihr als Trost: Halka stürzt sich in den Tod.

Moniuszko greift dafür den Stil der Mitte des 19. Jahrhunderts auf, orientiert sich zum Beispiel an Weber, Mendelssohn oder Lortzing sowie an geschmeidigem Belcanto italienischer wie französischer Prägung und verabreicht dem Ganzen vor allem Infusionen aus kraftvollen Nationaltänzen und melancholischen Volksmusikanklängen.

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