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Topographie

Der tiefste Punkt an Land liegt in der Antarktis

So sieht die Antarktis unter dem Eis aus.
So sieht die Antarktis unter dem Eis aus.(c) BedMachine Antarcitca/Mathieu Morlighem, University of California in Irvine (UCI) et al.
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Was liegt unter der noch dicken Eisschicht auf dem Kontinent Antarktika? Wissenschaftler haben eine neue Karte erstellt und dabei erstaunliche Schluchten entdeckt.

Als tiefster Punkt der Erde gilt der Marianengraben. Etwa 11.000 Meter tief liegt die Talsohle der Schlucht im pazifischen Ozean - umgeben von der Dunkelheit der Tiefsee. Doch auch im Trockenen - an Land - gibt es Punkte, die - semantisch möglicherweise verwirrend - unter dem Meeresspiegel liegen. Die Region rund um das Tote Meer zwischen Israel und Jordanien gilt als die tiefste Stelle der Erde, die nicht von Wasser bedeckt ist - etwa 415 Meter unter dem Meeresspiegel. Doch Forscher einer Universität in den USA haben nun unter dem dicken Eis der Antarktis Gräben ungeahnten Ausmaßes entdeckt.

Würde man Schnee und Eis wegdenken, gäbe es mit dem Canyon unter dem Denman Gletscher eine Schlucht, deren Tiefpunkt etwa 3,5 Kilometer unter dem Meeresspiegel liegt. Das haben Wissenschaftler der Universität von Kalifornien herausgefunden, die sich mit der Topografie des antarktischen Kontintents auseinandersetzten und die mithilfe neuer Methoden das Land unter dem Eis neu vermessen haben. Die Erkenntnisse ihrer neu erstellten Karte namens „BedMachine Antarctica“ wurden im „Nature Geoscience"-Journal Magazin veröffentlicht.

Die neuen Messungen zeigen bisher unbekannte Täler und Gräben auf dem Kontinent. Es ist nicht die reine Neugier, die Forscher antreibt. Die Topographie unter dem Eis spielt eine wesentliche Rolle dabei, wie das Schmelzen der Gletscher durch die Klimaerwärmung den Meeresspiegel beeinflussen werden. Tiefe Schluchten würden das Schmelzen bremsen, sanfte Hänge eher beschleunigen. „Das ist ohne Zweifel das bisher genaueste Bild davon, was unter dem antarktischen Eisschild liegt“, sagte Mathieu Morlighem der BBC, der sechs Jahre lang an dem Projekt gearbeitet hat.

Jahrzehntelang haben Radargeräte die Antarktis vermessen. Mikrowellen-Impulse wurden durch das Eis geschickt, um die darunter liegende Topographie zu erahnen. Doch blieben viele Regionen im Detail unerforscht. In die neue Karte flossen nun auch Erkenntnisse aus Schwerefeldmessungen und seismologische Daten ein. Die Schlucht unter dem Denman-Gletscher sei etwa so tief und eng, „dass die Wände des Tals Nebenechos hervorrufen, die es unmöglich machen, die Reflexion vom eigentlichen Gletscherbett zu unterscheiden", sagte Morlighem gegenüber BBC News. Die neuen Methoden brachten nun Klarheit.

Ob das tiefe Tal unter dem Denman-Gletscher nun als tiefster Punkt an Land gelten kann, darüber wird in der Wissenschaft noch diskutiert. Schnee und Eis ist schließlich auch Wasser. Würde der Eisschild am Südpol zur Gänze schmelzen, könnte man auch nicht trockenen Fußes das Tal durchschreiten, sondern müsste tauchen - genau so wie im Marianengraben.

>> Der Artikel im Nature Geoscience Journal

>> Der Bericht auf BBC

(Red.)