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538.000 Euro jährlich fürs Nichtstun

SPÖ-Manager Dietmar Hoscher sorgt auch in der SPÖ für Empörung.
SPÖ-Manager Dietmar Hoscher sorgt auch in der SPÖ für Empörung.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die üppige finanzielle Verarztung von SPÖler Dietmar Hoscher durch die Casinos Austria sorgt für Empörung. Dass ihm auch noch eine OeNB-Pension winkt, erst recht.

Wien. Man könnte sagen: Jetzt haben auch die Roten ihren Skandal. FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl fordert jedenfalls, dass der parlamentarische U-Ausschuss zur „mutmaßlichen Käuflichkeit der türkis-blauen Regierung“ thematisch ausgeweitet wird. Nämlich auf Praktiken unter Rot-Schwarz.

Anlass sind Berichte über den abgelösten roten Vorstand der Casinos Austria, Dietmar Hoscher. Dessen Ablöse kostete wie berichtet mehr als vier Millionen Euro: Hoscher musste per 1. Mai gehen, sein Vorstandsgehalt bezieht er aber bis Ende dieses Jahres weiter. Laut einem Bericht des „Standard“ bekomme er dann eine Abfertigung (ein Vorstandsjahresbezug) - und einen neuen Vertrag bis zu seiner Pensionierung im Juni 2022. Arbeiten muss er bis dahin nicht, „er wird dienstfrei gestellt um brutto rund 538.300 Euro im Jahr plus 50.000 Euro (einmal im Jahr) als Entgelt für den Generalbevollmächtigten“, heißt es.

Darüber hinaus wurde nun auch noch publik, dass Hoscher ab seinem 65. Lebensjahr eine Pension der Nationalbank erhalten soll. Laut der Zeitung habe Hoscher bei der OeNB von 1986 bis 1988 als volkswirtschaftlicher Referent gearbeitet und sei seither dauerkarenziert – was ihm nach dem damaligen Dienstrecht eine OeNB-Pension sichere. „Dem Vernehmen nach geht es um rund 50.000 Euro brutto im Jahr. Bei 14 Auszahlungen wären das rund 3570 Euro brutto im Monat und damit mehr als doppelt so viel wie eine durchschnittliche Alterspension in Österreich“, heißt es weiter.

Aufregung gibt es darob freilich nicht nur bei der FPÖ, sondern auch bei der SPÖ selbst. So kritisierte der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer Hoschers Abfertigung am Dienstag im „Ö1-Mittagsjournal“ massiv: „Solche Summen sozusagen fürs Nixtun zu kassieren, ist aus meiner Sicht und aus der Sicht vieler Österreicherinnen und Österreicher höchst unanständig und moralisch nicht vertretbar“, sagte Dornauer und sprach sich für den Parteiausschluss Hoschers aus.

 

SPÖ ist hin und her gerissen

Kurze Zeit später wurde relativiert: Dornauer werde in der nächsten Sitzung des Bundesparteivorstandes den Ausschluss Hoschers nicht beantragen, erklärte SPÖ-Landesgeschäftsführer Lukas Matt. Dornauer werde aber ansprechen, dass sich die Sozialdemokratie von „solchen Leuten endgültig trennen“ sollte. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2019)