Schnellauswahl
Amanshausers Album

Besinnlichkeit und Landminen

In Österreich setzt sich der Verein "Gemeinsam gegen Landminen" in Projekten von Afghanistan bis Burma sinnvoll für eine minenfreie Welt ein, www.ggl-austria.at.
In Österreich setzt sich der Verein "Gemeinsam gegen Landminen" in Projekten von Afghanistan bis Burma sinnvoll für eine minenfreie Welt ein, www.ggl-austria.at.(c) Getty Images (Pool)
  • Drucken
  • Kommentieren

Advent ungemütlich: Auch während unserer Besinnlichkeit treten Kinder auf Landminen.

So überflüssig ich Interesse an Aristokraten finde, so sympathisch ist mir, wenn jemand von ihnen Kontakte und Popularität nicht für Waffenlobbyismus einsetzt. Beim Engagement von Lady Diana für die Abschaffung von Landminen hagelte es zwar Naivitätsvorwürfe, doch allein die weltweite Bewusstseinsbildung für Antiminenkampagnen war großartig. Die Mehrzahl der Minen wird auch künftig ohne Selbstentschärfungsmechanismus hergestellt.

Jene, die sie verlegen, nehmen die Verunmöglichung von Landwirtschaft und die Unbewohnbarkeit, die Verarmung ganzer Regionen in Kauf. Nicht zuletzt ist diese billigste und feigste aller Kriegsfallen dezidiert dafür konstruiert, nicht zu töten, sondern zu deformieren. Schwerstverletzte Personen rufen verglichen mit Leichen beim Gegner und seiner Zivilbevölkerung stark erhöhten personellen Aufwand hervor. Neun Zehntel der Betroffenen sind Zivile.

Auch in der sogenannten besinnlichen Zeit werden Kinder, die 47 Prozent der Opfer stellen, verstümmelt. Lebenslang. Meist werden ihnen durch die gasinduzierte Druckwelle die Füße abgerissen. Ebenso betroffen sind Genitalien und Gehör. Solche "Personenschäden" er leiden sie Jahrzehnte nach den militärischen Konflikten heute und jetzt. Unternehmen aufgeklärte Gesellschaften daher alles Menschenmögliche gegen diese Horrorwaffe? Nicht wirklich. Die Ottawa-Konvention zum Minenverbot ist bisher nur von 164 Staaten ratifiziert worden. Unter wortreichen Vorwänden verweigern unter anderem die USA, Russland oder China die Unterzeichnung.

Im angolanischen Bürgerkrieg (1975 bis 2002) verlegten die Streitparteien mehr als eine Million Antipersonenminen. Jüngst schritt ein Lady-Diana-Sohn mit Detektor jenen Weg im Minenfeld bei Huambo ab, den die Lady in gleicher Ausrüstung 22 Jahre zuvor gegangen war. Zum Glück fehlt mir das Zeichen talent, mein innerer Zyniker hatte bei dieser Meldung zunächst geschmacklose Cartoonideen zum Satz "Prinz in den mütterlichen Fußstapfen". Doch es ist wichtig und gut, dass Harry, "Duke of Sussex", den Einsatz seiner Mutter gegen Landminen fortführt.

www.amanshauser.at

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 13.12.2019)