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Kleine Panne mit einem Haufen Problemen

Eine Reifenpanne beim Liegerad ist nicht so einfach zu verarzten.
Eine Reifenpanne beim Liegerad ist nicht so einfach zu verarzten.(c) Clemens Fabry

Nach knapp 1000 Kilometern auf dem Liegerad – nicht am Stück gefahren, in Stücken –, ist mir das passiert, was jedem Radfahrer einmal passiert.

Ich meine damit nicht meinen ersten Abwurf aus voller Fahrt, bei dem ich zu spüren bekam, wie leicht und doch folgenschwer man mit dem unter dem Sitz angebrachten Lenker an Pfosten ankommen kann, die eigentlich nur Autos am Durchfahren hindern sollten.

Nein, es war eine simple Reifenpanne. Die ist auf dem Liegerad, das ich zur Entlastung der Wirbelsäule sehr schätze, nicht so einfach zu verarzten wie auf einem gewöhnlichen Rad. Schon die Diagnose kann schwerer fallen: Das Hinterrad sieht man während der Fahrt nicht; ist es, wie in meinem Fall, gefedert, spürt man das Rumpeln der Felge auch nicht sofort. Der Aus- und Einbau eines Rads gestaltet sich ebenfalls schwierig, schon deshalb, weil man das lange Gefährt mit einer Hand kaum in der Höhe halten kann.

Die Panne: Als ich fahrend regelmäßig einen leichten Schlag von der Felge spüre, von dort, wo das Ventil sitzt, bin ich mir sicher, dass ich hinten einen Platten habe. Ich rette mich in der Schleifmühlgasse in Wien Wieden an den Rand der Fahrbahn, dort, wo Fahrradständer eine kleine Insel im Verkehrsfluss markieren. Ich betrachte den Schaden, überlege, ob mein mitgeführter Pannenspray ermöglichen wird weiterzufahren.

Er wird. Aber wie?! Fragen Sie nicht! Bevor ich ihn anwende, bemerke ich etwas, was mir in meiner vollen Konzentration entgangen war: Ich war in einen Haufen Hundekot gestiegen, der mittlerweile kein Haufen mehr war, sondern eher eine Art Teppich. Danke, lieber Hundebesitzer, der du wohl kein Sackerl fürs Gackerl mithattest! Man möchte gar nicht glauben, wie viel davon „der Schuh, der atmet“ (so die Werbung), einatmet, zumal in Wintersohlen mit viel Profil. Mehr oder weniger fein dosiert gibt er das Aroma beim Weiterfahren von den Pedalen aus ab. Die sind beim Liegerad praktischerweise eher in Richtung Nasenhöhe angebracht.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2019)