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Auszeichnung

Hugo Portisch: Ehre für den Welterklärer

Außenminister Alexander Schallenberg mit seinem „Jugendhelden“ Hugo Portisch (r.).
Außenminister Alexander Schallenberg mit seinem „Jugendhelden“ Hugo Portisch (r.).APA/HELMUT FOHRINGER
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Die Übergangsregierung hat es möglich gemacht: Mit 92 nahm Hugo Portisch zum ersten Mal ein Ehrenzeichen „seiner“ Republik entgegen.

Die Frage hat sich wohl so ziemlich jeder Gast an diesem Mittwoch im Bundeskanzleramt gestellt: Hugo Portisch hat das Große Goldene Ehrenzeichen noch nicht?

Selbiges Aha-Erlebnis hatte auch Außenminister Alexander Schallenberg. Es war im Sommer, als er die Verleihung eines Ordens an jemand anderen zu prüfen hatte (der derer mehrere schon besitzt). Einer Eingebung folgend, erzählt er, habe er damals nachgeschaut, was Hugo Portisch denn schon so alles verliehen bekommen hat. Nur um festzustellen: Nichts. Aus Angst vor Vereinnahmung und um die Distanz zu wahren, hat die Journalistenlegende Auszeichnungen der Republik bisher stets verweigert.

Dass der 92-Jährige nun nachgegeben hat, liegt an den politischen Umständen: Daran, dass Österreich gerade eine parteifreie Übergangsregierung hat – und daran, dass ihn Schallenberg offenbar überzeugend gebeten hat: Er möge es nicht für sich tun – „sondern für uns“.

Heute, relativierte Portisch die Lobeshymnen dann auch umgehend, stehe die Welt für ihn ein bisschen Kopf. Denn in Wirklichkeit habe er zu danken. „Diesem Land, diesem herrlichen Österreich, das mich aufgenommen und studieren lassen und mich ertragen hat.“ Und die Auszeichnung gelte keineswegs nur ihm: Man habe mit ihm „auch eine Spezies“ ausgezeichnet: „Den unabhängigen, demokratischen, kritischen Journalisten.“

Nur zwei Mal habe er in das „Tagewerk“ der Republik eingegriffen, „und ich bekenne mich dazu“: Zum einen, als Rot und Schwarz über den Proporz auf allen Ebenen des Staats zugegriffen hätten. Als sie das auch beim ORF tun wollten und Portisch, damals „Kurier“-Chef, davon erfuhr, war es „einmal zu viel“, er initiierte das Rundfunkvolksbegehren. Auch heute noch versuche die Regierung mitunter, den ORF „in den Griff“ zu bekommen – „nicht Ihre Regierung“, fügte er in Richtung Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein hinzu, aber deren Vorgänger. Die zweite Einmischung sei jene gewesen, die daran mitwirkte, dass sich Österreich zu seiner Mitverantwortung an den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs bekannte.

„Wir alle haben unsere Geschichte gelernt, und zwar nicht zuletzt durch die Erzählungen und Dokumentationen von Hugo Portisch“, formulierte es Alexander Schallenberg, der nicht recht wusste, in welcher Funktion er eigentlich da war: Als Außen-, Europa- oder Medienminister, als Minister zuständig für das Archivwesen oder als Kulturminister. In all diesen Bereichen habe Portisch „seine Spuren hinterlassen und Großartiges geleistet“.

 

„Aufrechter Gang“

Die eigentliche Laudatio auf den „Patrioten, Geschichtslehrer der Nation, leidenschaftlichen Europäer und lebendigen Welterklärer“ hielt Portischs Journalistenkollege und „Furche“-Herausgeber Heinz Nußbaumer. Er erinnerte – vor Gratulanten wie Altbundespräsident Heinz Fischer, ORF-General Alexander Wrabetz, ORF-Innenpolitikchef Hans Bürger, „Kurier“-Chefredakteurin Martina Salomon, „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak, Museumsdirektorin Danielle Spera oder Historiker Stefan Karner – an „die drei wichtigsten Prinzipien“ für verantwortungsvollen, weltoffenen Journalismus, die ihm Portisch mitgegeben habe: „Aus der Geschichte zu lernen, gegen Vorurteile zu kämpfen, zu Toleranz zu erziehen.“ Und auch hinter den Kulissen habe Portisch über die Jahre viele „an den aufrechten Gang erinnert“.

ZUR PERSON

Hugo Portisch wurde 1927 in Bratislava als Sohn eines Journalisten geboren und kam kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs ins zerstörte Wien. Er studierte Geschichte, Germanistik, Anglistik und Publizistik und war Chefredakteur des „Kurier“. Gerd Bacher holte ihn als Chefkommentator zum ORF. Weithin bekannt sind seine Fernsehserien „Österreich I“(1989) und „Österreich II“ (1981 bis 1995), in denen er die Geschichte der Ersten und Zweiten Republik allgemein verständlich zu erklären wusste. Er wurde mit zahlreichen Medienpreisen ausgezeichnet, seit 2018 ist er Ehrenbürger der Stadt Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2019)