Außenansicht der Pfarrkirche St. Georg in Lauterach mit neuem Pfarrheim.
Hausgeschichte

Vorarlberger Kirche ins Heute geholt

Eineinhalb Jahre lang wurde die Kirche im Vorarlberger Ort Lauterach generalsaniert. Und zeigt nun ein bisher unbekanntes Gesicht – hell, freundlich und spirituell einladend.

Das Warten hat ein Ende: Am 22. Dezember findet in der Pfarrkirche St. Georg in Lauterach der erste Gottesdienst seit Beginn der Generalsanierung statt. Eineinhalb Jahre dauerten die umfangreichen Arbeiten – und das Ergebnis übertrifft alle Erwartungen. „Wir haben die Kirche zu neuem Leben erweckt“, freut sich Architekt Wolfgang Ritsch. Statt wie bisher dunkel und wenig einladend, präsentiert sich das ab 1878 errichtete und 1887 eingeweihte Gotteshaus „einladend, hell, freundlich, menschlich und spirituell“.

Vorgezogener Altarraum

Dass dem so ist, ist einem Bündel an Maßnahmen geschuldet. Etwa der umfassenden Renovierung des Innenraums. „Unser Ziel war es, diesen an die heutigen liturgischen Anforderungen anzupassen“, sagt Lauterachs Alt-Bürgermeister Elmar Kolb, Obmann des Bauausschusses und Mitglied des Pfarrkirchenrates. Dafür wurde der Volksaltar weiter in das Kirchenschiff vorgezogen, und in den Seitenschiffen wurden Bänke aufgestellt. Das Taufbecken kam zentral zwischen Volks- und Hochaltar zu stehen, die alten Bänke wurden renoviert, der Abstand zwischen den Bankreihen erweitert. „Jetzt kann man gut darauf sitzen“, meint Ritsch. Dispersionsfarbe wurde von den Wänden entfernt und durch Spezialputze ersetzt. Der historische Steinboden, die Orgel sowie die Geläutetechnik wurden renoviert, eine neue Beschallungsanlage eingebaut.

Blick in den Innenraum
Blick in den InnenraumPfarre Lauterach



Neu sind auch die Fußbodenheizung, die mittels Wasserwärmepumpe betrieben wird, sowie die Infrarotheizung unter den Bänken. Letztere soll nur während der Gottesdienste für wohlige Wärme sorgen. „Um die Kunstwerke zu schützen, sollte es in der Kirche nicht mehr als acht bis zehn Grad haben“, erzählt Kolb. Denn auch Altäre, Figuren, Gemälde, die in Schwarzlotmalerei ausgeführten Fenster und nicht zuletzt die österreichweit einzigartige gewölbte Zirbenholzdecke wurden sorgfältig renoviert.

Fresken und Lichtstimmung

Im Zuge dieser Arbeiten kamen Details, wie etwa Beschreibungen von Gemälden, die einst übermalt wurden, wieder zum Vorschein. Ebenfalls entdeckt wurden 14 Kreuzwegstationen in Ornamentmalerei. Sie waren bisher hinter Kreuzwegreliefs verborgen. Weil Letzteren der kunsthistorisch größere Wert zugemessen wurde, können sie auch in Zukunft in der Kirche bewundert werden. „Die dahinterliegenden Fresken wurden aber gesichert“, sagt Kolb. Dass die Kunstwerke in neuem Glanz erstrahlen, liegt nicht an der Sanierung allein: Eine neue LED-Beleuchtung sowie ein ausgefeiltes Lichtkonzept sorgen künftig für Helligkeit. Zehn Lichtstimmungen, passend zu verschiedenen Anlässen, können nun erzeugt werden. „Früher hat die Kirche das Licht, aber auch die Besucher gleichsam verschluckt. Das ist jetzt völlig anders“, beschreibt Ritsch.

Sichtbeton und Eichenholz kamen für den Bau des neuen Pfarrheims zum Einsatz.
Sichtbeton und Eichenholz kamen für den Bau des neuen Pfarrheims zum Einsatz.Pfarre Lauterach

Auch außen wurde Hand an das Gotteshaus gelegt: Fundamente und Außenwände wurden entfeuchtet und abgedichtet, die Fassade neu gestrichen, das Turmdach renoviert und das Kirchendach neu gedeckt. Neu sind weiters das Bepflanzungskonzept sowie das Pflaster im Bereich der Außenanlagen, die behindertengerecht gestaltet wurden. Ergänzt wurde die Generalsanierung um den Neubau des Pfarrheims. „Die Herausforderung war, das Haus stimmig an die Kirche anzubauen und in das Gesamtkonzept einzufügen“, sagt Ritsch. Gelungen ist dies zum einen dank sorgfältiger Proportionsanalysen. „Die Maße des Neubaus, für den Sichtbeton und Holz verwendet wurde, bauen auf jenen der Kirche auf“, erklärt der Architekt. Zum anderen besteht die Fassade des Pfarrheims aus Eichenholz – wie auch das Haupttor der Kirche. Das Pfarrheim gestatte künftig neue Möglichkeiten pastoraler Arbeit.

42 Monate Planungszeit

Dass die Kirche in 18 Monaten zum „strahlenden Gotteshaus“ wurde, sei, so Kolb, der optimalen Planung und dem perfekten Zusammenspiel aller Beteiligten geschuldet. Dreieinhalb Jahre lang wurden jedes Detail sowie die Offenlegung der Kosten gründlich geplant. Ein anderes Erfolgsgeheimnis sei gewesen, dass alle Räder reibungslos ineinandergegriffen hätten, sind sich die beiden einig. Und zwar von der Diözese über die Pfarre, das Bundesdenkmalamt und die Handwerker bis zur Bevölkerung. Letztere hat das 5,1-Millionen-Euro-Projekt nicht nur emotional, sondern auch finanziell mitgetragen. Und bisher rund 400.000 Euro in Form von Patenschaften für die Renovierung der Kirchenkunstwerke gespendet.

Zum Ort, zum Objekt

Lauterach zählt mit rund 10.000 Einwohnern und zu den größeren Gemeinden im Vorarlberger Rheintal, im Südwesten befindet sich das Natura-2000-Europaschutzgebiet Lauteracher Ried. Die Kirche wurde 1887 eingeweiht und 2018/2019 umfassend renoviert. Einfamilienhäuser kosten im Bezirk Bregenz zwischen 2090,8 und 3991,9 Euro/m2, neue Eigentumswohnungen zwischen 2753,7 und 4800,5 Euro/m2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2019)

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