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Diskussionsrunde

Frauen-Team für Bundesliga-Lizenz? ÖFB setzt auf Überzeugungsarbeit

St. Pölten in der Champions League gegen Twente Enschede
St. Pölten in der Champions League gegen Twente Enschedespusu SKN St. Pölten Frauen

Vor einem Jahr ließ der ÖFB mit der Idee aufhorchen, die Lizenzierung der Männer-Bundesliga-Vereine von einem Frauen-Team abhängig zu machen. ÖFB-Präsident Leo Windtner diskutierte in einer Runde, was aus dieser Idee geworden ist.

Der Verein „Wir Frauen im Sport“ (WIFIS) wollte es genau wissen und lud am Mittwochabend unter dem Titel „Ohne Frauen keine Lizenz?!“ zur Diskussion ins Filmquartier in Wien. Unter der Moderation von WIFIS-Obfrau Elisabeth Auer entwickelte sich eine spannende Diskussion mit ÖFB-Präsident Leo Windtner, Wilfried Schmaus (Präsident des Frauenfußball-Meisters SKN St. Pölten), Martin Pototschnig (Sportdirektor Frauenfußball FK Austria Wien) und der Co-Trainerin sowie langjährigen Spielerin von Rekordmeister SV Neulengbach, Maria Gstöttner. Vertreter anderer Männer-Bundesligisten hatten abgesagt.

In der im Dezember 2018 präsentierten „Strategie 2018-2023“ setzte der ÖFB einen Schwerpunkt zur Förderung des Frauen- und Mädchenfußballs in Österreich. Auf Seite elf des Papiers heißt es: „ […] Auch ist in Zusammenarbeit mit der Bundesliga die Möglichkeit auszuloten, bei jedem Bundesligisten verpflichtend ein Mädchen- oder Frauenteam zu führen.“

Martin Pototschnig, Leo Windtner, Wilfried Schmaus, Maria Gstöttner und Elisabeth Auer (v. l.)
Martin Pototschnig, Leo Windtner, Wilfried Schmaus, Maria Gstöttner und Elisabeth Auer (v. l.)Wintner

Gespräche mit Bundesligisten geführt

Sollen nun die Männer-Vereine gezwungen werden, ein Frauen-Team zu gründen? „Eine sofortige Lizenzbedingung wäre zu radikal“, sagte Leo Windtner am Mittwochabend beim WIFIS-Talk. Aber: „Es wäre notwendig, die Großen zu überzeugen.“ Windtner habe schon mit dem einen oder anderen Verein über das Thema gesprochen hat. Etwa mit Red Bull Salzburg oder mit dem LASK.

Der fünffache Meister der Frauen, SKN St. Pölten, kooperiert mit dem gleichnamigen Männer-Bundesligisten. „Sportlich bringt die Kooperation nichts“, sagt Vereinspräsident Wilfried Schmaus. Die Wiener Austria, die in Spielgemeinschaft mit dem Traditionsverein USC Landhaus in der Frauenliga vertreten ist, profitiere vom Know-How der Austria, wie Martin Pototschnig, Sportdirektor für Frauenfußball bei der Austria festhält. Der Frauenfußball habe bei der Austria einen Stellenwert erhalten, den man zunächst nicht für möglich gehalten habe.

Die Bundesliga der Frauen steht unter Patronanz des ÖFB, infolge des EM-Halbfinaleinzugs des Nationalteams 2017 gelang es in Planet Pure einen Sponsor für die Liga zu finden. Auf ORF Sport plus gibt es Live-Übertragungen. Trotzdem hält sich das Interesse in Grenzen. Der Hype um das Nationalteam 2017 ebbte schnell wieder ab. Auch die kurzfristig höhere mediale Aufmerksamkeit für die Liga ließ schnell nach. Rund 100 ZuschauerInnen kommen im Schnitt zu den Spielen. „Wir konnten den Hype aus 2017 nicht optimal nutzen“, sagt Windtner. „Wir wurden vom Erfolg überrascht. Es war nicht möglich, von heute auf morgen den Schalter umzulegen.“

Frauen-Bundesliga verliert international an Terrain

Sportlich hält der österreichische Klubfußball bei weitem nicht mit den Leistungen des Nationalteams stand. Pototschnig konstatiert: „Auf Klubebene verlieren wir an Terrain gegenüber anderen europäischen Ligen.“ Die österreichische Liga ist eine Amateurliga. Lediglich St. Pölten beschäftigt einige (derzeit zehn) Profi-Spielerinnen.

Wilfried Schmaus kritisiert die seiner Meinung nach mangelnde Unterstützung des ÖFB für die Liga. St. Pölten dominiert nach Belieben. Schmaus: „Wir erzielen im Schnitt 6,44 Tore pro Spiel. Ich wünsche mir, das wir einmal verlieren.“ Der Vereinspräsident merkt indes zynisch an, dass es vor Mittwoch noch nie zu einem Zusammentreffen zwischen ihm und Windtner gekommen sei. „Wir sind ja erst fünfmal Meister und siebenmal Cupsieger geworden.“

Am Ende der Diskussion kehrt man wieder zur Ausgangsfrage zurück. Pototschnig: „Wir müssen Überzeugungsarbeit bei den Männer-Vereinen leisten.“ Das sei ein wesentlicher Punkt, um den Frauenfußball auf Klubebene voran zu bringen. Windtner hält fest: „Man erkennt nach wie vor das Potenzial nicht, das Frauenfußball für einen Verein bringt.“ Die Männer-Bundesligisten, so Windtner weiter, sollten sich damit vertraut machen, „dass ein Frauen-Team in drei bis fünf Jahren als Lizenzkritierium kommen kann“.

(red)